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Der Abschied von Naldo bei Schalke 04 zog sich in die Länge.

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Ein bisschen Wahnsinn

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Einer Fußballliga tut es recht gut, wenn Fußball gespielt wird. Das merkt man gerade wieder am Beispiel Bundesliga.

Ehe die Fußballbundesliga am Freitagabend mit der nicht ganz uninteressanten und dankenswerterweise im ZDF übertragenen Partie der TSG Hoffenheim gegen Bayern München in die Rückrunde startet, hat die Deutsche Fußball-Liga nach Frankfurt zum traditionellen Neujahrsempfang geladen. In diesem Jahr droht der beliebte Branchentreff allerdings erheblich beeinträchtigt zu werden. Aufgrund des angekündigten Streiks der Sicherheitsdienste am Frankfurter Flughafen rät der Airportbetreiber von vorneherein, die Terminals am Dienstag gar nicht erst anzusteuern. Kaum anzunehmen, dass Großteile der geladen Gäste eine Fernreise mit der notorisch unzuverlässigen Deutschen Bahn auf sich nehmen werden, mal ganz abgesehen von den geladenen internationalen Besuchern. 

Irgendwie passt das unvorhersehbare Ärgernis ein bisschen ins Bild dieses Winters. Während die Profis in England, Frankreich, Italien und Spanien schon wieder recht fröhlich Fußball spielen, mussten die Bundesligamanager die hierzulande fußballlose Zeit irgendwie überbrücken. Weil das Internet während dieser Phase aber natürlich nicht abgeschaltet wird und auch die Zeitungen und Fachmagazine in fast gewohntem Umfang erscheinen, brach die Berichterstattung deshalb keineswegs ab. 

Einer Fußballliga tut es recht gut, wenn Fußball gespielt wird. Ohne die Betätigung im Kerngeschäft rücken Begebenheiten noch mehr in die Schlagzeilen und halten sich wacker auf der Kuppe der medialen Erregungswelle, die vom nächsten Pflichtspiel nicht abgelöst werden können, weil schlicht kein Pflichtspiel stattfindet. Der Abschied von Naldo bei Schalke 04 zog sich somit lästig in die Länge. Hinzu kommt, dass manche Protagonisten mit der freien Zeit nichts Sinnvolles anzufangen wissen und deshalb, wie Monsieur Ribery im fernen Doha, erst das Falsche essen und alsdann noch das Falsche posten. Nicht nur die Außenwirkung derartiger Entgleisungen ist verheerend, auch die dadurch ausgelöste innere Unruhe sollte gewiss nicht unterschätzt werden. Dass sich der Münchner Offensivmann zu schlechter Letzt auch noch einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zuzog, rundet die Angelegenheit nach unten ab. 

Bei der Fortuna funkelt’s

Auch anderweitig bekamen wir aus den Trainingscamps nicht nur Sonnenschein ins düstere Land übermittelt. Bei Hannover 96 begann der Trip mit einem kaputten Ferienflieger und endete mit einem Sehnenanriss des besten Spielers Bebou, beim FC Augsburg Caiuby mäßig entschuldigt, Werder Bremens Fernreise nach Südafrika wurde, neben des auffälligen Desinteresses der einheimischen Bevölkerung, von knochentrockenen Trainingsplätzen und einem wegen Unwetters abgebrochenen Testspiel begleitet, Mainz 05 führte im spanischen Camp dreimal gegen Testgegner 2:0 und gewann keinmal, bei Eintracht Frankfurt holte sich der zum Jähzorn neigende Stopper Abraham selbst im bedeutungslosen Kick in Florida eine Rote Karte ab, beim VfB Stuttgart merkten sie, dass sie Verteidiger Badstuber im Sommer einen reichlich zu hoch dotierten Vertrag gegeben hatten, der nun schon zur Last geworden ist. Und bei Fortuna Düsseldorf nutzten sie die überflüssige Winterlagerzeit, offenbar in einem Anflug blanken Wahnsinns, um sich öffentlichkeitswirksam in Vertragsangelegenheiten mit dem Trainer Friedhelm Funkel zu streiten. Man hat ja sonst nichts zu tun. 

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