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Worte mit Gewicht: Christian Seifert beim Neujahrsempfang.

DFL-Neujahrsempfang

Ein bisschen Frieden

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Beim DFL-Neujahrsempfang herrscht fast wieder Wohlfühlatmosphäre.

So schnell geht es eben doch nicht, dass Arbeitsniederlegungen am Frankfurter Flughafen den Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) torpedieren. Gewiss, der eine oder andere Vertreter – wie beispielsweise die diesmal fehlenden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge als oberster Repräsentanten des FC Bayern – hatte eingedenk der massiven Auswirkungen auf den Luftverkehr darauf verzichtet, in die Frankfurter Eventlocation Palais Thurn und Taxis einzukehren. Die rund 400 Gäste bekamen diesmal im Gegensatz zu den vergangenen Jahren vom DFL-Geschäftsführer Christian Seifert keinen aufwühlenden Wachrüttler zu hören. Der inzwischen als Nachfolger des ehemaligen Premier-League-Chefs Richard Scudamore auch zum neuen Chairman des World Leagues Forums aufgestiegene DFL-Manager verzichtete auf eine Ruckrede. In der Hinrunde sei deutlich geworden, „dass der deutsche Profifußball andere Ambitionen hat, als Mittelmäßigkeit zur neuen Höchstleistung zu erklären“.

Der 49-Jährige hielt eine fast integrative Ansprache, so brav in manchen Nuancen, dass selbst der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keine Breitseite abbekam, sondern ein Sonderlob einheimste, die EM 2024 an Land gezogen zu haben. Dabei erwähnte Seifert nicht allein DFB-Präsident Reinhard Grindel, sondern den bereits in der Rehabilitierung begriffenen Vorgänger Wolfgang Niersbach. Im Zuge der Sommermärchenaffäre war Niersbach vor drei Jahren zurückgetreten, das befürchtete Verfahren wegen Steuerhinterziehung wurde vom Frankfurter Landgericht im vergangenen Oktober eingestellt. Am Dienstag wurde der gut gelaunte 68-Jährige beim Neujahrsempfang von vielen alten Weggefährten inklusive Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, freudig begrüßt.

Keinen Zweifel gab es derweil, welches Thema den DFL-Chef Seifert aktuell am meisten aufwühlt: die Expansionspläne von Fifa und Uefa mit immer neuen fragwürdigen Formaten. An dieser Stelle klang er unversöhnlich: „Wir beurteilen die möglicherweise weiter ausufernden Wettbewerbsideen sehr kritisch.“ Reguläre Spieltermine nationaler Ligen am Wochenende müssten geschützt bleiben. „Sollte dies wirklich ernsthaft erwogen werden, dann werden wir auch juristische Schritte prüfen müssen.“

Zudem hat die Bundesliga genug zu tun, sich auf internationalem Terrain zu behaupten. Die DFL will Aufmerksamkeit und Marktnähe erhöhen: Zu den bereits eingerichteten Niederlassungen in Singapur (seit 2012) und seit dem vergangenen Herbst auch in New York kommt in diesem Frühjahr eine weitere Außenstelle in Peking.

Für die internationale Aufmerksamkeit als richtungsweisend gelten die deutsch-englischen Duell in der Champions League, wenn sich der FC Bayern, Borussia Dortmund und FC Schalke mit dem FC Liverpool, Tottenham Hotspur und Manchester City messen. Bundestrainer Joachim Löw erwartet Duelle „auf Augenhöhe.“ Der 58-Jährige verfolgte die Veranstaltung in Frankfurt vor Ort, äußerte sich aber hinsichtlich des Spielniveaus in der Bundesliga zurückhaltend. Mehr Risiko, mehr Offensive, so der Bundestrainer kritisch, gelte für die Liga gewiss nicht generell. Daher stimme die These, dass die Vereine einen Qualitätssprung gemacht hätten, „nur teils, teils“.

Immerhin: Eintracht Frankfurt hat es Löw angetan, dem Team des offensiv denkenden Adi Hütter traut er gar den Einzug in die Champions League zu. Sportvorstand Fredi Bobic gehörte mithin zu den gefragtesten Protagonisten der Boombranche. Auf Löws Lob angesprochen, sagte der Ex-Nationalspieler: „Das ist schön für ihn, und er ist ja auch ein großer Fußballexperte.“ Das gilt mit anderer Gewichtung auch für Heribert Bruchhagen, einem Stammgast beim Neujahrsempfang und altem Bekannten in Frankfurt. „Es ist eine Freude, zu sehen, wie sich die Eintracht entwickelt hat. Das freut mich für die Mitarbeiter und alten Kollegen“, so der 70-Jährige, der selbst mehr als zwölf Jahre die sportlichen Geschicke im Stadtwald leitete. „Zur Solidität der Eintracht und Verankerung in der Stadt habe ich beigetragen. Darauf aufbauend machen sie es glänzend“, attestierte er seinen Nachfolgern und lobte sich im selben Atemzug auch ein bisschen selbst.

Bruchhagen verfolgt nach wie vor die Eintracht besonders intensiv. Ab und an im Stadion, sonst daheim in Harsewinkel vor dem Fernseher. „Die drei Stürmer da vorne drin sind spektakulär“, hat er dabei festgestellt. „Das hätte ich mir zu meiner Zeit auch gewünscht, nur habe ich das leider nie erreicht.“ Zu Champions-League-Prognosen mag sich Bruchhagen nicht verleiten lassen: „Da möchte ich meine Freunde Bobic und Hübner (Sportdirektor Bruno Hübner, die Red.) nicht unter Druck setzen. Wenn die Eintracht Fünfter oder Sechster werden und wieder in die Europa League einziehen kann, wäre das toll.“

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