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Kommt gut bei der jungen Mannschaft an: Birgit Prinz (Mitte). 

Birgit Prinz

Birgit Prinz als mentale Stütze

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Birgit Prinz kehrt als Teampsychologin für die Nationalmannschaft zurück auf die WM-Bühne.

Die Resonanz ist überwältigend. Aus allen gesellschaftlichen Ecken erntet die neue Markenkampagne der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gerade Zustimmung. Nachdem auch in der ARD der Werbespot angelaufen ist, in denen die deutsche Fußballerinnen alle Vorurteile mit dem Spruch „Wir brauchen keine Eier: Wir, wir haben Pferdeschwänze“ weglächeln, wird die Sequenz gelikt und geteilt. Ist ja mutig, von sich zu sagen: „Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt.“ Klingt selbstironisch und selbstbewusst.

Und doch braucht es für die bevorstehende Frauen-WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) noch andere mentale Unterstützung als nur markige Trailer. Fast beiläufig hat Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bei der Kaderbekanntgabe bestätigt, dass Birgit Prinz die DFB-Frauen „temporär während der Vorbereitung und des Turniers“ als Teampsychologin unterstützen wird. Eine prominentere Figur als die 214-fache Nationalspielerin konnte es dafür nicht geben. Gerade die unverbrauchten Gesichter haben mit der Ikone des deutschen Frauenfußballs im Hintergrund einen Haltepunkt: Allein 15 Spielerinnen aus dem 23-köpfigen Aufgebot betreten mit der WM absolutes Neuland.

Der Druck ist für viele aus dem Alltag der Frauen-Bundesliga in dieser Form völlig neu, weswegen beispielsweise vor acht Jahren die Heim-WM in die Hose ging. Mit einer entthronten Rekordtorjägerin Prinz, die auf einer Pressekonferenz unter Tränen während des Turniers vom Zerwürfnis mit der damaligen Bundestrainerin Silvia Neid berichtete. Voss-Tecklenburg will mit genau dieser Person nun auf psychologischem Sektor vorbauen. „Wir haben diesen Aspekt aufgenommen, weil ich bei meinen ersten Gesprächen im Januar erfahren habe, dass 23 von 30 Spielerinnen in diesem Bereich einen Bedarf sehen. Also war es doch logisch, dass wir uns Unterstützung holen.“

Seit 2012 in Hoffenheim tätig 

Nachdem die gebürtige Frankfurterin 2010 in ihrer Heimatstadt ihr Psychologiestudium abschloss, aber nicht beim 1. FFC Frankfurt weiterarbeiten wollte, sondern zwei Jahre später bei der TSG Hoffenheim in diesem Bereich einstieg, treibt sie ihre zweite Karriere erfolgreich voran. Seit 2014 ist die dreimalige Weltfußballerin auch leitende Forscherin beim Fifa-Projekt „Psychomentale Gesundheit und Sport“. Es wäre beinahe fahrlässig, würde der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nicht von ihrem Knowhow profitieren.

Voss-Tecklenburg: „Birgit hatte von Anfang an große Lust, nur wir hatten vereinbart, dass wir uns die Zeit geben, um zu überprüfen, ob die Chemie stimmt. Und die Chemie stimmt!“ Prinz habe bereits bei den ersten Länderspielen in Frankreich (1:0) und Schweden (2:1) „Teamprozesse und auch individuelle Prozesse angestoßen“ und sei auch dazwischen „mit einigen Spielerinnen im Austausch gewesen“. Und natürlich hat die 51-Jährige auch den erweiterten Aspekt im Auge: „Dazu kommt, dass Birgit in der Fachkompetenz als Sportpsychologin einen Riesenmehrwert als Spielerin mitbringt. Wer selbst Welt- und Europameisterschaften gespielt hat, kann den aktuellen Spielerinnen mit einer klaren Idee helfen.“ Damit kehrt Prinz heimlich, still und leise auf die WM-Bühne zurück.

Die größte Schwierigkeit scheint die mediale Kommunikation der Maßnahme. Die 41-Jährige scheut noch mehr als zu ihrer aktiven Zeit das Rampenlicht. Interviewanfragen prallen an ihr ab wie früher ihre Gegenspielerinnen. Als im vergangenen Sommer der 1. FFC Frankfurt im Römer sein 20-jähriges Bestehen feierte, ließ sich die Rekordtorjägerin zwar vorne im Kaisersaal zu einem Statement bewegen, war aber als eine der ersten Ehrengäste wieder verschwunden.

Kürzlich hat sie sogar ein Gespräch für das Vereinsmagazin der TSG Hoffenheim nach reiflicher Überlegung abgelehnt. Im Vorfeld der WM soll es nun zumindest eine Presserunde mit ihr geben. Wäre ja interessant zu erfahren, was sie von solch frechen Spots hält, die gerade die sozialen Netzwerke erobern.

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