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Die dritte Liga bleibt zwar das finanzielle Sorgenkind des deutschen Profifußballs, die von Oliver Bierhoff angeregte Neugliederung lehnen die Klubs aber dennoch ab.

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Bierhoffs Vorstoß

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Die Dritte Liga fühlt sich seit ihrer Gründung immer ein bisschen wie Aschenputtel. Nicht nur deshalb gehört die Idee, sie aufzuteilen, nicht zu Bierhoffs Besten. Der Kommentar.

Alle Fachleute, die sich mit der Talentförderung im deutschen Fußball beschäftigen, sehen dringenden Handlungsbedarf, um auch in Zukunft mit den Besten mithalten zu können. Deshalb ist es gut, dass Oliver Bierhoff als zuständiger DFB-Direktor neulich im DFB-Bundestag eine aufrüttelnde und intelligente Rede zu diesem Thema gehalten hat. Anfang dieser Woche legte er nach und schlug eine Zwei- oder gar Dreiteilung der Dritten Liga vor, „um jüngeren Spielern mehr Spielmöglichkeiten zu geben“.

Bierhoff hat in dem „Kicker“-Interview eine Menge kluger Gedanken formuliert, jener der Mehrteilung der Dritten Liga war es in dieser Form des Vortrags eher nicht. Der bessere Weg wäre gewesen, die Idee zuerst mit den Mitgliedern des gerade gegründeten Ausschusses Dritte Liga zu besprechen. Denn die dritte deutsche Spielklasse fühlt sich von den Lizenzklubs der ersten und zweiten Liga, dem DFB und dessen angeschlossenen Landesverbänden ohnehin seit Jahren schon nicht ausreichend gehört – etwa bei der erbitterten Debatte um die Aufstiegsregelung aus den Regionalligen. Oder in der noch immer nicht befriedigend beantworteten Frage des tiefen finanziellen Grabens zur zweiten Liga, die dank der Quersubventionierung aus der Bundesliga etwa das Zehnfache der TV-Erlöse im Vergleich zur Dritten Liga einnimmt. Ein ungesundes Verhältnis.

Es gilt also, sich besonders feinfühlig heranzutasten an Liga drei. Die fühlte sich nämlich seit ihrer Gründung im Jahr 2008 immer ein bisschen wie das Aschenputtel und versucht nach elf mühsamen Jahren der Aufbauarbeit mittlerweile, sich auch nach außen hin selbstbewusster und professioneller darzustellen.

Zudem stellt sich ganz konkret die berechtigte Frage, ob einer Aufteilung der Dritten Liga in zwei oder drei Spielklassen überhaupt hilfreich ist, um künftig mehr Nationalspieler zu züchten – oder ob man damit nicht vor allem bloß Gefahr liefe, eine Entwicklung von mehr als einem Jahrzehnt zu stornieren. Was nicht heißt, dass Bierhoffs Überlegungen rundheraus Blödsinn sein müssen. Denn tatsächlich ist es eines der Grundübel hierzulande, dass viele Talente es mit 18, 19 nicht schaffen, im Seniorenbereich auf angemessenem Niveau regelmäßige Spielpraxis zu erlangen. Jeder Fußballverantwortliche kennt diese offenkundige Misere seit Jahren, aber niemand hat sie bisher ausreichend konkret und kraftvoll angepackt. Für die Dritte Liga sind die Anreize, junge Kerle einzubauen, mittlerweile schon auf fast vier Millionen Euro aus dem Nachwuchsfördertopf gestiegen. Nicht schlecht, aber gleichwohl noch nicht gut genug.

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