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Mastermind des deutschen Fußballs: Oliver Bierhoff, DFB-Präsidiumsmitglied, Direktor Elite und Teammanager Nationalmannschaft.
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Mastermind des deutschen Fußballs: Oliver Bierhoff, DFB-Präsidiumsmitglied, Direktor Elite und Teammanager Nationalmannschaft.

DFB

Bierhoffs Masterplan

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der Superminister des Deutschen Fußball-Bundes sieht dringenden Handlungsbedarf: "Wir brauchen einen großen Wurf".

Als Oliver Bierhoff im Sommer 2004 auf Betreiben von Jürgen Klinsmann seine Arbeit als erster Teammanager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft aufnehmen durfte, war das manch altgedienten Funktionären so recht wie eine vergessene Käsestulle im Handschuhfach ihres DFB-Dienstwagens. Ergo wurde dem berühmten Ex-Nationalspieler von den gestrengen Oberen, gänzlich ohne Scham, ein Büro im Kellergeschoss der Verbandszentrale zugewiesen. Die unterste Ebene stand symbolhaft für die Willkommenskultur, die der Schütze des Golden Goals von 1996 acht Jahre danach als dynamischer Fußballmanager im größten Sportfachverband der Welt erfuhr.

Bierhoff bekam zu spüren, dass Radikalreformer im damals noch viel verkrusteteren Verbandswesen nicht ohne Gegenwehr aufsteigen. Auch die Vereine waren not amused über die unbequemen Wahrheiten, die Klinsmann und Bierhoff sich seinerzeit trauten, laut auszusprechen. „Irgendwann“, erinnert er sich, „saßen Uli und Dieter Hoeneß mit hochroten Köpfen vor uns und schrien uns an: ,Ihr macht uns den deutschen Fußball kaputt‘“. Die Beharrungskräfte waren stark. Aber Bierhoff war stärker.

14 Jahre später ist das ehemalige Kellerkind, inzwischen bald 50 und noch immer auffällig jugendlich daherkommend, zum Direktor Nationalmannschaften und Fußball-Entwicklung befördert worden. Das klingt ein wenig hölzern und passt deshalb eigentlich nicht zum smarten Mastermind. Übersetzt heißt es: Oliver Bierhoff ist der Top-Manager für alles, was im DFB mit der Elite zu tun hat. Er führt nunmehr nicht nur gemeinsam mit Präsident Reinhard Grindel den 70-Personen-Tross an, mit dem sich die Nationalmannschaft im Sommer aufmacht zur WM-Titelverteidigung nach Moskau, sondern leitet auch 120 Mitarbeiter in der größten Abteilung des DFB. Die ist unter anderem dafür verantwortlich, dass die neue, 150 Millionen Euro teure, bis 2021 fertigzustellende Akademie in Frankfurt eine Erfolgsstory wird. Und das, Diplom-Betriebswirt Bierhoff lässt daran nicht den Hauch eines Zweifels, wird sie nur, wenn innovative Köpfe nicht in den Keller gewiesen werden.

Diese Woche hat der einstige Mittelstürmer, der sich in einer Art Selfmadestrategie ebenso verblüffend wie vorübergehend zum Weltklassemann entwickelt hat, in München seine Erwartungen an sich und den deutschen Fußball formuliert. Und zwar so deutlich wie noch nie zuvor. Denn Bierhoff macht sich Sorgen. „Wir befinden uns im deutschen Fußball wieder an einem wichtigen Scheidepunkt. Gerade im Erfolg müssen wir den nächsten Schritt machen. Es muss den nächsten Masterplan geben, einen großen Wurf, ähnlich, wie es das im Jahr 2000 gab mit der Initiierung der Nachwuchsleistungszentren.“

Dieser Schritt, insistiert der diplomierte Betriebswirt, müsse gemeinsam erfolgen. Er habe dahingehend nur positive Rückmeldungen von der DFL und dessen Geschäftsführer Christian Seifert bekommen: „Die Liga ist absolut offen für solche Entwicklungen.“ Klubvertreter, die mit hochrotem Kopf vor ihm sitzen, gibt es nicht mehr. Bierhoff hat sich Respekt erarbeitet, auch mit der Hartnäckigkeit, mit der vor fast zehn Jahren begann, gegen extreme Widerstände seine Idee von eines Campus in Frankfurt durchzusetzen. Am Anfang standen seinen Gesprächspartnern vor allem Fragezeichen im Gesicht, wenn Bierhoff ihnen erklären wollte, dass ein solches Wissenszentrum unerlässlich sei, wolle der deutsche Fußball sich international auf Sicht behaupten. Nur gut, dass da einer war, der derart weit vorausdachte.

Denn mittlerweile hat der DFB-Superminister festgestellt, das dringender Handlungsbedarf besteht. Und zwar sehr bald: „Wir hatten vor einigen Jahren sechs oder sieben Toptalente in einem Ausbildungsjahrgang, jetzt sind es manchmal nur noch zwei oder drei. Wir müssen was tun im deutschen Fußball und aufpassen, dass wir nicht von anderen Nationen abgehängt werden.“

Im vergangenen Dezember hat der DFB-Bundestag das Akademie-Großprojekt durchgewunken.

Die Arbeit für Bierhoff und sein Team fängt jetzt erst richtig an. Er will unbequem bleiben und sagt: „Wir müssen die Energie behalten, neugierig zu bleiben.“ Um seine Neugierde ein wenig zu befriedigen, war Bierhoff mit einer DFB-Delegation zu Besuch im Silicon Valley, unter anderem bei Apple und Google, in der Stanford Universität und bei den San Antonio Spurs aus der NBA und beim MLS-Klub San José Earthquakes. Er arbeitet außerdem mit der renommierten Havard Business School zusammen und pflegt das Verhältnis zu dem Leiter des Center for Sports and Management, Prof. Sascha Schmidt, intensiv,

Im Verband will er den Weg vom „Besser-Wissen zum Besser-Können“ konsequent einschlagen. „Wir haben uns vorgenommen, uns inhaltlich und personell beim DFB noch besser zu vernetzen, wir brauchen mehr kreativen Austausch und müssen weg von dem Selbstverständnis kommen, dass wir eine Institution sind. Die Leute aus den Vereinen und Verbänden sollen nicht zu uns kommen, weil sie müssen, sondern weil sie von uns so viel mitbekommen, dass sie deshalb von sich aus wiederkommen wollen.“

Nicht von ungefähr bastelt der DFB gerade einen sogenannten „Think Tank“, eine Denkfabrik, in der unter der Überschrift „Science to Goal“ dem Fußball der Zukunft auf die Spur kommen soll. Der Gedanke dahinter: Nicht nur Geld kann Tore schießen, sondern auch Wissen. „Die Akademie wird für den DFB zu einem wichtigen Alleinstellungsmerkmal werden“, glaubt Bierhoff, „auch im Verhältnis zu den Spielern, der Liga und den internationalen Verbänden wird sie das Profil und die Bedeutung des DFB neu schärfen und stärken.“ Das Gebäude an der alten Galopprennbahn soll sich dabei nicht wie ein kalter Keller, wie damals für ihn, anfühlen: „Die Akademie soll auch ein Zuhause sein und Wärme ausstrahlen. Ein verletzter Nationalspieler soll vielleicht mal richtig Bock darauf haben, dort vorbeizuschauen und Leute zu treffen, die ihm weiterhelfen.“

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