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Die deutsche Auswahl übt ihre Taktik auf der schnuckeligen Anlage des niederländischen Erstligisten VVV Venlo.

Vorbereitung

Bierhoff verteidigt Trainingsort Venlo

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DFB-Direktor kann Kritik nicht verstehen: „Wir sehen da keine Grenzen mehr“.

Oliver Bierhoff wurde etwas ungehalten, als es noch eine zweite Nachfrage gab. „Die Fragen wundern mich echt. Wir hatten doch gerade Europawahl. Wir wollen doch zusammenwachsen.“ Der DFB-Direktor und Manager der Nationalmannschaft in Personalunion reagierte mit Unverständnis auf aufkommende Kritik an der Wahl der niederländischen Grenzstadt Venlo für das derzeit stattfindende fünftägige Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Zu seiner aktiven Zeit habe zwischen deutschen und niederländischen Spielern und Fans „Krieg“ geherrscht, erinnerte sich Bierhoff. „Heute ist alles ganz friedlich. Wir sehen da keine Grenzen mehr.“

Ex-Bundestrainer Berti Vogts hatte jüngst in einer Kolumne geäußert, er habe die Nachricht von der Vorbereitung in Venlo zunächst für einen „Aprilscherz“ gehalten. Der DFB könne „doch nicht mehr Fannähe predigen und dann im Ausland wohnen – selbst wenn es nicht weit entfernt von der Grenze liegt“, fuhr Vogts fort. „Das kann ich nicht verstehen und hätte es bei mir nicht gegeben.“

Bierhoff hielt gestern dagegen: Venlo mit der schnuckeligen Anlage des ortsansässigen Erstligisten VVV Venlo sei auch deshalb auserwählt worden, weil am Mittwoch eine öffentliche Trainingseinheit auf dem Aachener Tivoli stattfindet. Die Suche nach einer geeigneten Herberge in der Nähe für die erforderliche Zahl von rund 70 Personen sei erfolglos verlaufen, sagte Bierhoff. „Wir wollten ein Hotel, wo die Mannschaft familiär zusammen ist, mit top Trainingsbedingungen nicht allzu weit entfernt“, ergänzte er.

Das Training in Aachen, das ab 17.30 Uhr live auf RTL Nitro übertragen wird, ersetzt die seit 1993 in der Regel alle zwei Jahre zugunsten der DFB-Stiftungen stattfindenden Benefizspiele, die jedes Mal rund 4,5 Millionen Euro an Erlösen aus der Bandenwerbung und den TV-Rechten einbrachten. Aufgrund dessen, dass die einzelnen Nationen ihre Länderspiele inzwischen nicht mehr selbst vermarkten, sondern dieser Rechteverkauf exklusiv durch die Uefa durchgeführt würde, hätte auch der DFB laut Bierhoff nicht mehr die Möglichkeit, Benefizspiele „obendrauf zu packen“. Dennoch würden die DFB-Stiftungen weiter Geld erhalten, und zwar nun aus dem allgemeinen Topf, nicht mehr ausdrücklich über ein Benefizspiel.

Aachen als Austragungsort des öffentlichen Trainingsspiels sei auch deshalb ausgesucht worden, weil sie nicht „in die großen Städte“ gewollt hätten, wo ohnehin Bundesligafußball geboten wird. Zudem ist Aachen die Heimatstadt des Ehrenpräsidenten Egidius Braun. Auch das sei ein Argument gewesen, führte Bierhoff aus. Der 94-jährige Braun ist einer der großen Förderer der Stiftungen für soziale Zwecke, mit der Egidius-Braun-Stiftung an der Spitze. Er soll am Mittwoch im Stadion sein, wenn es sein Gesundheitszustand erlaubt.

Bierhoffs Erinnerungen an Trainingseinheiten in der Gegend sind düster. Auf Geheiß von Egidius Braun musste die Nationalmannschaft während der EM 2000 in Brauns Heimatverein SV Breinig vor den Toren von Aachen ein Showtraining absolvieren. Statt der erwarteten 1500 kamen fast 8000 Fans und stürmten den Trainingsplatz. Bierhoff zog sich in dem allgemeinen Durcheinander einen Muskelriss in der Wade zu. Bald darauf schied Deutschland in der EM-Vorrunde in Rotterdam ruhmlos aus.

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