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Bierhoff: „Nichts geplant“

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Von: Jan Christian Müller

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Muss sich zu politischen Themen äußern: Oliver Bierhoff.
Muss sich zu politischen Themen äußern: Oliver Bierhoff. © dpa

Kein Kniefall des DFB-Teams vor dem Nations-League-Spiel gegen Ungarn in Budapest

Eigentlich ist beim Deutschen Fußball-Bund jetzt alles sehr präzise geregelt. Oliver Bierhoff als neuer Geschäftsführer der erst seit 1. Januar 2022 existierenden DFB GmbH ist fürs Sportliche zuständig, Bernd Neuendorf als seit 11. März amtierender Präsident für die politischen Fragen.

Aber Bierhoff weiß natürlich, dass das eine die Struktur ist, das andere das wahre Leben. Im wahren Leben spielt Deutschland am Samstagabend (20.45 Uhr/RTL) in Budapest gegen Ungarn. Dort also, wo die Spieler der englischen Nationalmannschaft just ungeniert ausgepfiffen wurden, als sie als Geste gegen Rassismus vor dem Anpfiff niederknieten.

Die deutschen Spieler haben aus Solidarität mit den Engländern vor dem 1:1 am Dienstag in München ebenfalls niedergekniet. Das war einfach. Es gab reichlich Beifall. Tun sie das nun auch in Budapest, vielleicht, um zu demonstrieren, dass sie in dieser Frage geistesverwandt mit dem „Three Lions“-Team sind und nicht mit der Haltung der Gastgeber? Bierhoff umdribbelt die Frage der Frankfurter Rundschau nicht: „Für Ungarn ist nichts geplant.“

Beim letzten Aufeinandertreffen mit Ungarn bei der EM 2021 in München (2:2) hatte Leon Goretzka nach dem späten Ausgleichstreffer vor der mit einem schwarzen Mob durchmischten ungarischen Fankurve internationale Aufmerksamkeit erlangt, als er beim Torjubel Daumen und Zeigefinger zu einem Herzen vereinte. Es war die Antwort des Mittelfeldspielers auf die Ablehnung der Uefa, die Münchner Arena in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen. „Das hat natürlich sehr gut reingepasst“, sagt Goretzka rückblickend,

Bierhoff unterstützt diese Haltung: „In den 60er- und 70er-Jahren hat man noch gesagt: ‚Ich spiele Fußball, der Rest interessiert mich nicht.‘ Das geht nicht mehr.“ Die moralische Messlatte liegt höher. Nicht ausgeschlossen, dass im DFB-Camp in Herzogenaurach doch noch Überlegungen angestellt werden, in Budapest Farbe zu bekennen. Regenbogenfarbe. Es wäre ein mutigeres Zeichen als die Gesten von München 2021 und 2022.

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