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Bedient: BVB-Kapitän Marco Reus, der nach dem Spiel mit einer arroganten Äußerung auffiel.

Borussia Dortmund

Bestrafter Hochmut

Borussia Dortmund büßt vor dem Gipfeltreffen an Selbstvertrauen ein.

Bei aller Ernüchterung wirkte Marco Reus nicht wirklich gefrustet. Schon wenige Minuten nach der ersten Saisonniederlage seines Teams in der Bundesliga beim überraschenden 1:2 (0:1) gegen Fortuna Düsseldorf gab sich der Kapitän von Borussia Dortmund wieder kämpferisch. „Mund abputzen, weitermachen. Ich bin sicher, dass wir schon bald wieder ein anderes Gesicht zeigen werden“, sagte der Nationalspieler mit Blick auf den Ligagipfel des Spitzenreiters gegen den ersten Verfolger aus Mönchengladbach (Freitag 20.30 Uhr/ZDF).

Ausgerechnet der Aufsteiger aus Düsseldorf stoppte den jüngsten Höhenflug des BVB mit sechs Siegen in Serie. Mehr noch als die Bayern beim 3:3 Ende November blieben die Dortmunder gegen den Underdog weit unter ihren Möglichkeiten. Obwohl der Vorsprung in der Tabelle damit auf sechs Punkte schmolz, sah Roman Bürki keinen Grund für Selbstzweifel. „Wir haben ein einziges Spiel verloren“, kommentierte der Torhüter und fügte trotzig an: „Die Hinrunde ist immer noch überragend. Das dürfen wir uns nicht kaputtmachen lassen.“ Ähnlich sah es Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung: „Hier zu verlieren, war unnötig. Aber diese Niederlage wirft uns nicht um.“ Ein Rückschlag ist die Niederlage am Rheinufer allemal.

Gladbach könnte mit einem Sieg in Dortmund zur Winterpause auf einmal nur drei Punkte dahinter überwintern. Kehl ist die Tatsache bewusst: „Wir können die Tabelle lesen.“ Reus wiederum spielte die Tabellenkonstellation runter: „Ob neun Punkte Vorsprung, sechs oder drei, das ist mir schnuppe. Wir denken nur von Spiel zu Spiel.“ 

Trotz aller Warnungen von Trainer Lucien Favre – für den die Begegnung gegen Mönchengladbach ein ganz besonderes Spiel sein wird – vor der Konterstärke der Fortuna ließ sich die Borussia beim 0:1 durch Bayern-Schreck Dodi Lukebakio (22. Minute) erstmals in dieser Saison auskontern. Gerade als der BVB sich anschickte, die Partie zu drehen, sorgte der Sonntagsschuss von Jean Zimmer (56.) zum 2:0 für die nächste Ernüchterung. Zum Verdruss von BVB-Coach Favre: „Es ist schwer zu akzeptieren, das erste Mal zu verlieren. Aber das gehört zum Fußball.“

Zumindest in der ersten Halbzeit wurde deutlich, dass seine Profis den Gegner unterschätzt hatten. Darauf deuten Aussagen wie die von Reus hin: „Es war klar, dass die mit elf Mann hinten drin stehen. Ich weiß den Namen meines Gegenspielers nicht.“

Zum Rückschlag trug bei, dass die vom Fußballlehrer Favre in die Startelf beorderten Offensivkräfte Mario Götze, Christian Pulisic und Jacob Bruun Larsen enttäuschten. Auf die Frage, ob er im Nachhinein bereue, Erfolgsgaranten wie Torschütze Paco Alcácer (81.) und Jadon Sancho erst in der Schlussphase eingewechselt zu haben, reagierte Favre mit einer Gegenfrage: „Haben Sie bemerkt, dass sich heute zwei Spieler verletzt haben? Die Belastung ist sehr hoch, deshalb rotieren wir“, antwortete Favre in Anspielung auf die Terminhatz der vergangenen Wochen und die Blessuren der Abwehrspieler Abdou Diallo (Zerrung) und Manuel Akanji (Adduktorenprobleme).

Der Ausfall der beiden Profis vor dem Spitzenspiel gegen Mönchengladbach zwingt den Coach zur Improvisation. Weil auch Dan-Axel Zagadou noch nicht wieder zur Verfügung steht, fehlen gleich drei Innenverteidiger. „Da werden wir uns etwas einfallen lassen müssen“, klagte Kehl. Und Favre sagte: „Wir müssen abwarten, wer am Freitag in der Innenverteidigung spielen kann.“ Der Schweizer wirkte nachdenklich, seine Lockerheit war an diesem Abend verschwunden.

Im Ärger über die erste Saisonniederlage ging der Rekord von Phänomen Alcácer fast unter. Der Spanier ist seit Dienstag der erste Spieler der Bundesliga-Geschichte, der bei seinen ersten sieben Einwechslungen immer traf und der erste Profi, der zehn Jokertore in einer Saison erzielte. Doch auch sein später Anschlusstreffer nach Vorarbeit von Sancho konnte die Niederlage nicht abwenden. „Es war klar, dass es einmal passieren würde. Wichtig ist, was wir daraus lernen“, kommentierte Angreifer Bruun Larsen den Rückschlag. (dpa/sid/FR)

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