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Bester WM-Verteidiger? Maskenmann Josko Gvardiol überzeugt

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Von: Frank Hellmann

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Furchtlos: Kroatiens Josko Gvardiol, hier gegen Neymar.
Furchtlos: Kroatiens Josko Gvardiol, hier gegen Neymar. © afp

Der für Leipzig spielende kroatische Verteidiger Josko Gvardiol lehrt den Gegenspielern bei der WM das Fürchten.

Lionel Messi ist es gar nicht anders gewohnt, dass jeder Gegner ihm mindestens einen Spielverderber auf die Füße stellt. Die vielen Wachhunde in seinen 1001 Profispielen kann der Weltstar gar nicht mehr zählen, nun wartet im WM-Halbfinale Argentinien gegen Kroatien am Dienstag (20 Uhr/ARD) ein Gegenspieler von besonders furchteinflößender Gestalt: Josko Gvardiol, dessen Markenzeichen wegen eines Nasenbeinbruchs eine schwarze Maske ist. Der dichte Bart und ein grimmiger Blick verstärken den Eindruck, dass im karierten Trikot der „Vatreni“, der Feurigen, das Schreckgespenst der Superstars seinen Dienst verrichtet.

Wegen einer vagen Ähnlichkeit zu Hollywoodstar Russel Crowe tauchte in den Social-Media-Kanälen Gvardiols Kopf auf dem Körper des Schauspielers in seiner Gladiator-Rolle als Maximus Decimus Meridius auf. Der „Gvardiator“ war geboren. In der Fotomontage spiegelt sich wider, was den Vizeweltmeister stark macht. Kaum ein Team verteidigt sein Tor besser. Kaum einer macht das konsequenter als der 20-Jährige, der nach der EM 2021 für 19 Millionen Euro Ablöse von seinem Heimatklub Dinamo Zagreb zu RB Leipzig gewechselt war.

„Der Himmel ist das Limit“

Sein Konterfei hat auch der Weltverband Fifa genommen, um auf das Halbfinale einzustimmen: der kroatische Abwehrspieler, der es mit ausgebreiteten Armen mit jedem aufnimmt – auch mit Wesen von einem anderen Stern wie Messi. Das beschreibt den Kern des ersten Halbfinals: Kroatische Verteidiger werden mit irdischen Mitteln versuchen, den Außerirdischen der Argentinier einzufangen.

Kürzlich hatte ihn Trainer Zlatko Dalic als „besten Innenverteidiger der Welt“ bezeichnet: „Er ist so stark, souverän und zugleich elegant, macht alles mit einer ungeheuren Leichtigkeit.“ Und Teamkollege Nikola Vlasic sagte: „Josko ist unglaublich. Nenne einen Aspekt, den ein Fußballspieler braucht, und er hat ihn. Der Himmel ist das Limit für ihn. Er ist nie nervös, immer ruhig.“

Längst steht der kroatische Anker auf der Liste der Jungstars, unter denen die Fifa bald den besten Nachwuchsspieler auszeichnet: Seine Konkurrenten sind der Niederländer Cody Gakpo, der Engländer Jude Bellingham, Gavi aus Spanien, Enzo Fernandez aus Argentinien, Yunus Musah aus den USA, Moises Caicedo aus Ecuador und Jamal Musiala aus Deutschland.

Gvardiols Nachteil könnte sein, dass man seine Szenen im Grunde zweimal anschauen muss, um den Wert zu erkennen: Wie er Kopfballduelle gewinnt, Schüsse blockt, Angriffe unterbindet – und mit einem Aufbauspiel brilliert, das für einen Abwehrspieler außergewöhnlich ist. Gvardiol ist Teil der zentralen Achse, die von Torwart Dominik Livakovic über ihn zu Luka Modric reicht – der Dreh- und Angelpunkt der Offensive. Was Maier-Beckenbauer-Müller mal für Deutschland waren, sind Livakovic-Gvardiol-Modric aktuell für die Kroaten.

Seine Topleistungen bleiben den Topklubs in Europa nicht verborgen. DFB-Pokalsieger Leipzig leistete sich vergangenen Sommer den Luxus, ein Angebot des FC Chelsea abzulehnen. Stattdessen verlängerte das Abwehrjuwel seinen ohnehin bis 2026 laufenden Vertrag bei den Sachsen noch um ein weiteres Jahr, machte den nächsten Gehaltssprung – und bekam die Zusage, 2023 gegen eine frei verhandelbare Ablöse wechseln zu können.

Wettbieten der Topklubs

Die Gerüchteküche brodelt. Erst hieß es, Real Madrid bereite ein Angebot von 90 Millionen Euro vor, dann verlautete es, Manchester City und Manchester United würden in derselben Größenordnung investieren – und Gvardiol ohnehin gerne in der Premier League spielen. Einigkeit besteht dahingehend: Diesen furchtlosen Abwehrspieler noch lange in Deutschland zu halten, könnte schwierig werden.

Das viele Lob und das große Interesse machen einen fast verlegen, der ohne Maske gar nicht mehr so furchterregend wirkt. Und ohne Vollbart würde die Nummer 20 vielleicht auch wirklich wie 20 aussehen. „Ich bin gut in Form. Es macht es für mich einfacher, dass ich erfahrene Spieler um mich herum habe“, sagte er vor einigen Tagen artig. Ihm hilft, dass neben ihm der ausgebuffte Dejan Lovren spielt, der mit dem FC Liverpool viel und mit Kroatiens Nationalelf noch mehr erlebt hat. Der 33-Jährige gehört zu jenen Routiniers, die Argentinien bei der letzten WM eine Lehrstunde erteilt haben. 3:0 ging das zweite Gruppenspiel aus. Für Kroatien. Lionel Messi machte keinen Stich.

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