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Auch Russland wird wirtschaftlich kaum von der WM profitieren können. Wesentlicher, so vermuten Experten, sei das positive Image und der "Wohlfühlfaktor".

Geldquelle WM

Im besten Fall ein Imageplus

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Den vergangenen Weltmeisterschaften nach zu urteilen wird Russland finanziell kaum von der Fußball-WM profitieren

Weltmeisterschaften sind eine teure Sache für das Gastgeberland. Als Rechtfertigung für die Millionenausgaben dient häufig das Versprechen wirtschaftlicher Vorteile einer Fußball-WM: Neue Straßen, Bahnen, Hotels und Stadien seien lohnende Infrastrukturinvestitionen, heißt es, zudem bringe ein Fußballfest Touristen ins Land. Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt jedoch: Eine WM bringt zwar gute Stimmung, aber kein Geld.

Vier bis fünf Milliarden Euro kostete die WM 2006 in Deutschland. Südafrika legte für das Turnier 2010 sogar 27 Milliarden hin. In Brasilien belief sich die Rechnung 2014 auf über elf Milliarden Euro. „Die Kosten sind derart hoch, dass viele Länder von der Bewerbung um die Ausrichtung internationaler Sportevents zurückschrecken“, erklärt Peter Dixon von der Commerzbank. Die diesjährige Weltmeisterschaft dürfte Russland etwa zwölf Milliarden Euro kosten. Das entspricht fast einem Prozent der russischen Wirtschaftsleistung. Für das Geld werden Stadien errichtet, Straßen ausgebessert, Verkehrsträger modernisiert und Unterkünfte gebaut.

Die ökonomisch wichtige Frage ist jedoch, ob diesen Ausgaben langfristige Einnahmen gegenüberstehen. So „hängt der Wert von Stadien davon ab, ob sie in der Zukunft Menschen anziehen“, so die Union Bank of Switzerland (UBS). Die Arena da Amazonia in Brazil sei hier ein warnendes Beispiel: Sie kostete einige hunderte Millionen Dollar, heute sei das 40.000-Plätze-Stadion jedoch selten voll, mittlerweile fänden nurmehr kleine Veranstaltungen statt – inklusive Hochzeiten.

Insgesamt könnte die WM 1,6 Millionen Touristen nach Russland locken, schätzen die Banker von der UBS. Dies entspräche etwa 6,5 Prozent aller Touristen, die im Jahr 2016 ins Land kamen. „Das kann man schwerlich als außergewöhnlichen Boom bezeichnen“, so die UBS. Zudem könnte die WM auch dazu führen, dass andere Reisende Russland mieden. „Fußballbegeisterung wird nicht von jedem geteilt.“

Insgesamt, so die Schweizer Banker, sei zu bezweifeln, dass von der WM ein langfristiger Impuls für Russlands Wirtschaft ausgehe. Mehr als einen Imagegewinn könne das Land kaum erwarten. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Untersuchung der WM 2006 in Deutschland. Der Ökonom Wolfgang Männig fand hier zwar teilweise positive Impulse für den Einzelhandel und Fremdenverkehr. Insgesamt aber seien diese Effekte gesamtwirtschaftlich unbedeutend gewesen. Wichtiger sei das positive Image und der „Wohlfühlfaktor“ der Bevölkerung gewesen.

Das passt zu dem Ergebnissen von Commerzbank-Ökonom Peter Dixon. Dieser hat das jährliche Wirtschaftswachstum und die Entwicklung der Investitionen in den WM-Gastgeberländern seit 1974 durchgerechnet und stellt „kaum nennenswerte Auswirkungen auf das Wachstum der Volkswirtschaft“ fest. Der WM 2014 in Brasilien folgte sogar eine tiefe Rezession, was aber nicht an der 1:7-Niederlage gegen Deutschland lag, sondern am Rückgang der globalen Rohstoffpreise.

Auch die Freude der Fans aus der Siegernation bringt die Konjunktur nicht voran. Die Analysten der Commerzbank haben das Wirtschaftswachstum der WM-Gewinner analysiert und erkennen keinen konjunkturstimulierenden „Wohlfühlfaktor“ im Siegerland. Zwar liege das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal – dem nach dem WM-Sieg – häufig höher als im zweiten Quartal. Das könne aber auch Zufall sein.

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