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Sein größter Trainermoment: Berti Vogts macht nach dem EM-Titel 1996 die „Welle“.
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Sein größter Trainermoment: Berti Vogts macht nach dem EM-Titel 1996 die „Welle“.

Berti Vogts

Unterschätzter Terrier

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Als kompromissloser Verteidiger war er nie ein Liebling der Fußballästheten. Doch nur wenige Profis sammelten so viele Titel wie Berti Vogts. Am 30. Dezember wird er 75.

Zu niemandem im Fußball waren die Deutschen gemeiner als zu Berti Vogts. Ein kleiner Mann, 1,68 Meter, und man hat versucht, ihn nicht groß werden zu lassen. Ein Synonym für Berti Vogts war und ist „der Korschenbroicher“, weil die Erwähnung seines Wohnorts den Eindruck von Provinzialität erweckte.

Berühmtestes Zitat des Korschenbroichers ist „Gebt dem Kaninchen eine Möhre extra, es hat uns das Leben gerettet“. So gefallen in einem Tatort, in dem der Fußballtrainer Berti Vogts eine Promi-Gastrolle spielte.

Oder, um ein internationales Beispiel zu nehmen: Nachdem Vogts als Trainer Schottlands der deutschen Nationalmannschaft ein Unentschieden abgetrotzt hatte, feierte ihn die Presse als „sex thimble“. Sollte klingen wie Sexsymbol, tatsächlich heißt „thimble“ aber Fingerhut.

Ja, Berti Vogts hat oft das Opfer sein müssen. Er war der Bundestrainer, der 1990 nach der Lichtgestalt Franz Beckenbauer kam. Und nicht gewinnen konnte. 1994 legte ihm die „Bild“ auf Seite eins den Rücktritt nahe, 1998, ein missglücktes Mini-Turnier auf Malta nach der WM, gab Hans-Hubert „Berti“ Vogts auf.

Er wird am Donnerstag 75 Jahre alt, er ist kein Trainer mehr, nun muss sich das Land nicht mehr an ihm abarbeiten und kann vielleicht mal anerkennen, dass das keine so glanzlose Karriere war, die der Werkzeugmacher Vogts – ja, früher hatten Fußballprofis noch einen erlernten Beruf – hingelegt hat. Ein wichtiger Spieler in den Goldenen Jahren Mönchengladbachs in den 70ern, Weltmeister 1974 auch dank formidabler Finalpartie gegen den Künstler Johan Cruyff. Als „Terrier“ bot er durchaus Identifikationsfläche, war beliebt. 96 Länderspiele, 95 Mal in der Startaufstellung, sein einziges Tor, ein Kopfball gegen Malta, wurde gefeiert. Sogar „Fußballer des Jahres“ war er, zweimal, 1971 und 1979 – man würdigte mit der zweiten Auszeichnung, dass er nach einem schweren Beinbruch noch eine formidable Bundesligasaison spielte.

„Bööörti Vogts“

Vogts wurde nach seiner Spielerzeit ein guter Nachwuchstrainer, geschätzt beim DFB. Über die Erbfolgeregelung kam er an den Bundestrainerposten. Sein großer Erfolg war der Gewinn der EM 1996 – wie Vogts sich vor dem deutschen Fanblock in Wembley verbeugt, ist ein Dokument deutscher Sportgeschichte.

Als Trainer scheiterte er nicht am Fachlichen, sondern am Anspruch, den Weltmann geben zu wollen. Vogts inszenierte sich als zwischen den Länderspielen Weltreisender, der in Kolumnen von seinen Erlebnissen berichtete. Er besuchte Musicals und kümmerte sich um die musikalische Vermarktung der Nationalmannschaft, war aber verunsichert, als der freche TV-Entertainer Stefan Raab über ihn rappte („Bööörti Vogts“). „Und das im Lande der Dichter und Denker“, echauffierte er sich. Nach dem Aus beim DFB 1998 versuchte Vogts sich an teils skurrilen Aufgaben: Schottland, Kuwait, Aserbaidschan.

Er hatte immer seine Netzwerke. Mit Mitspielern oder später seinen Spielern pflegte er einen freundlichen Umgang. Auch zu schwierigen Typen wie dem fordernden Jürgen Klinsmann fand er Zugang. Vogts, der Ur-Gladbacher, war als Co-Trainer des FC Bayern im Gespräch, als Klinsmann 2008 an der Säbener Straße aufschlug. Und 2014 zur WM holte Klinsmann ihn in den Trainerstab des US-amerikanischen Teams, mit dem es in Brasilien bis ins Achtelfinale ging.

Das war’s. Letzter großer Auftritt beim Treffen der Weltmeister von 1990 (er war neben Holger Osieck Beckenbauers Assistent) im Oktober 2020 in der Toskana. Nun ist es wieder ruhig um Vogts aus Korschenbroich. Ortsteil Kleinenbroich. Passt.

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