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Nichts geht mehr: Hertha-Profi Dodi Lukebakio (links) bleibt ebenfalls hinter den Erwartungen zurück.

Niederlage gegen Stuttgart

Hertha in der Krise: Berliner Irrwege

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Hertha BSC verliert auch gegen Stuttgart und hinkt den eigenen Ambitionen schon hinterher.

Kurz vor seiner Einwechselung wurde Dodi Lukebakio, 23, darauf aufmerksam gemacht, dass er nicht er selbst war. Er kennt diesen Vorwurf. Seit seinem 20-Millionen-Euro-Wechsel vom FC Watford zu Hertha BSC im August 2019 bemängeln ja viele in Berlin, dass er seinem großen Potenzial zu selten gerecht wird, dass er spielt wie eine nicht ganz gelungene Kopie seiner selbst. Und diesmal, am Samstag, beim Spiel gegen den VfB Stuttgart, konnte es wirklich keine Zweifel geben: Er war nicht der Mann, der er zu sein schien. „Dilrosun“ stand auf seinem Rücken, als Lukebakio den Rasen betreten wollte, denn er hatte zum falschen Trikot gegriffen. Erst nach einer hektischen Textilfahndung auf der Ersatzbank konnte der Belgier unter korrekten Personalangaben ins Spiel kommen.

Bei Spielende wäre es so manchem Berliner Profi womöglich ganz recht gewesen, er wäre unter falschem Namen aufgelaufen. Begleitet von gut hörbaren Pfiffen im mit 4000 Zuschauern gefüllten Olympiastadion schlichen die Herthaner in die Kabine nach dem verdienten 0:2 (0:1) gegen den starken Aufsteiger aus Stuttgart. Lukebakios Trikotfauxpas war da nur das Sinnbild eines Klubs, der auf der Suche nach sich selbst auf Irrwegen herumstolpert. „Wir haben uns das komplett anders vorgestellt“, sagte Trainer Bruno Labbadia nach der dritten Niederlage in Folge. Der selbst ernannte „Big City Club“, aufgepäppelt vom üppigen Millioneninvestment des Geschäftsmanns Lars Windhorst, hinkt seinen eigenen Ambitionen bereits nach vier Spieltagen hinterher. Belastend hinzu kommt das Erstrunden-Aus im DFB-Pokal bei Zweitligaaufsteiger Eintracht Braunschweig.

Am kommenden Samstag reisen die Berliner nun zu einem tatsächlichen Spitzenteam, Tabellenführer RB Leipzig. „Wir dürfen nicht vier von fünf Pflichtspielen verlieren. Zumindest nicht mit so einem Anspruch, den wir haben“, machte Labbadia angefressen deutlich. Wie dieser Anspruch aussieht, hatte unter der Woche Aufsichtsrat Jens Lehmann kundgetan, als er in der „Sportbild“ das Saisonziel Europapokal formulierte. Die Sportliche Leitung soll darob nicht sonderlich erfreut gewesen sein. Trainer Labbadia und Manager Michael Preetz kennen ja den Wankelmut ihres Teams, sie wissen, dass sich diese Gruppe erst selbst noch rauskriegen muss. Mit weiteren Fehlgriffen ist dabei zu rechnen.

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