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Bringt eine „gewisse Verrücktheit“ mit – und Torgefahr: der stürmende BVB-Verteidiger Achraf Hakimi.

BVB

Bereit für die Bayern

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Nach einem tollen Comeback gegen Inter Mailand träumt Dortmund vom Coup beim deutschen Rekordmeister.

Lucien Favre lief gerade in extrem beschwingter Stimmung zu seinem Wagen, als ihm einer der BVB-Spieler in gelbem Kapuzenpulli und in Begleitung von fünf Kumpels entgegenkam. Der Dortmunder Trainer schaute kurz genauer hin, erkannte unter das Gesicht von Achraf Hakimi. Der junge Marokkaner war tags zuvor 21 geworden, nun wollte er mit seinen Freunden offensichtlich noch ein bisschen um die Blöcke ziehen. Es war 23.45 Uhr – also hielt Favre den Spieler im Vorbeigehen kurz am Ärmel fest und hob demonstrativ den rechten Zeigefinger.

Das Signal des Schweizer Fußballlehrers war klar: Hakimi möge es bloß nicht übertreiben mit dem Nachfeiern – gerade, wo er nach dem 3:2 gegen Inter Mailand aus allen Ecken mit Lob überhäuft worden war. Der wichtige Erfolg über die Italiener, nach 0:2-Pausenrückstand, brachte in der zweiten Hälfte die Rückeroberung des atemberaubenden Dortmunder Pressings – mit Hakimi als Anführer. „Das war richtiger BVB-Fußball. Sehr intensiv, sehr mutig. All das, was wir uns erwünscht hatten“, kommentierte BVB-Lizenzspielerchef Sebastian Kehl.

Schon im ersten Durchgang fiel Hakimi, nominell Rechtsverteidiger, immer wieder mit Offensivaktionen auf. Das rauschende Comeback der Schwarz-Gelben nach der Pause schob er dann mit seinem schnellen Anschlusstor in Mittelstürmermanier an, ehe er schließlich, nach Julian Brandts Ausgleich, die Dortmunder Gefühlswelt mit seinem selbst eingeleiteten Siegtor endgültig entzündete. „Schon in der ersten Hälfte hatte er ein paar Momente, wo er für uns vorne wirklich den Unterschied ausgemacht hat. Er ist in herausragender Verfassung. Man kann ihn hinstellen, wo man will. Er tut unserem Spiel enorm gut – weil er uns die Gier und diese gewisse Verrücktheit bringt“, schwärmte Kehl über Hakimi. „Er ist extrem offensiv. Egal ob als Verteidiger oder Flügelspieler“, schloss sich Trainer Favre dem Lob mit andächtig gefalteten Händen an. Ebenso wie Mittelstürmer Mario Götze, der sagte: „Gerade mit seinem Speed aus der Tiefe ist er eine große Bereicherung für uns.“

Vier der fünf BVB-Treffer in der Champions League hat Hakimi erzielt, gegen Inter übertünchte der Leihspieler von Real Madrid, der laut Vertrag kommenden Saison zu den Königlichen zurückkehren soll, damit auch die eine oder andere Schwäche in der Defensive. Nach dem bisherigen Saisonverlauf trauen die BVB-Chefs dem leckeren Königsklassenbraten allerdings noch nicht ganz. Die Mannschaft sei zuletzt nicht so schlecht gewesen, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt worden sei, befand Hans-Joachim Watzke. Der BVB-Boss sagte aber auch: „Das war so ein Fußballabend, wie die Leute ihn lieben.“

Für die Partie am Samstag bei den Bayern erhofft sich Watzke dadurch auch „ein bisschen Rückenwind“. Er stellte zudem fest: „Wir sind bereit für den Clásico.“ Auch Kehl rechnet damit, dass der Sieg der Mannschaft extrem helfen werde, „gerade in dieser Woche, wo wir diese emotionalen Erlebnisse gut gebrauchen können. Der Sieg gegen Inter beflügelt ein wenig.“

Hummels warnt

Zu viel Wind wollen die Verantwortlichen den Spielern vor der Reise nach München jedoch nicht in die frisch geblähten Segel blasen – für die allgemeine Zurückhaltung sorgen allein die zahlreichen krachenden Niederlagen bei den Bayern aus der jüngeren Vergangenheit. Anfang April erst setzte es ein 0:5, vier Tore fielen bereits vor der Pause.

Der Dortmunder Abwehrchef Mats Hummels steckte damals noch im Trikot der Bajuwaren und erinnert sich: „Der BVB hat damals nicht dagegengehalten. Wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass wir gewinnen. Das dürfen die Bayern diesmal nicht haben – weil sie dafür eine viel zu starke Mannschaft haben.“ Ähnlich betrachtet die Angelegenheit auch Julian Brandt, der vorschlägt: „Wir sollten gar nicht so sehr immer auf München gucken, sondern bei uns bleiben.“

Sebastian Kehl holt wegen seiner vielen persönlichen Erfahrungen sogar noch weiter aus und fordert für die nächsten Tage unmissverständlich: „Wir brauchen auf jeden Fall eine andere Einstellung und müssen uns anders vorbereiten als in den letzten Jahren. Die Bayern sind auch verunsichert, wir haben alle Möglichkeiten, auch dort etwas zu holen.“

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