Offenbacher Kreisliga C

Beleidigt, geschlagen und bespuckt: Wieder Schiedsrichter attackiert

  • schließen

Erneut wird ein Schiedsrichter im Amateurfußball beleidigt, geschlagen und bespuckt. Der Klub erwägt die Abmeldung der Mannschaft.

Gerade einmal drei Wochen ist es her, dass ein K.o.-Schlag gegen einen Fußball-Schiedsrichter bei einem C-Ligaspiel im Kreis Dieburg bundesweit für Entsetzen und große Empörung gesorgt hat. Allenthalben wurde Besserung und mehr Respekt gegenüber den Schiedsrichtern gefordert und gelobt. Am Sonntag aber ist nun bei einem Spiel der Kreisliga C Offenbach 1 erneut ein Unparteiischer angegriffen, beleidigt, geschlagen, getreten und bespuckt worden. Und das nicht nur von einem, sondern gleich von vier Spielern und dem Co-Trainer der zweiten Mannschaft der DJK Sparta Bürgel.

Es lief die 80. Spielminute im Spiel SKG Rumpenheim II gegen Sparta Bürgel II, als der Schiedsrichter auf Strafstoß für Rumpenheim entschied, der zum 1:1 führte. Beim anschließenden Anstoß im Mittelkreis ertönte laut Aussage des Schiedsrichters höhnischer Applaus des Bürgelers Raia Deniz L., der den Strafstoß verursacht hatte. Auf eine Verwarnung mit der Gelben Karte folgte eine erste üble Beleidigung des Spielleiters, der L. darauf mit der Roten Karte des Feldes verwies, worauf dieser eine Beleidigung nach der nächsten ausstieß und den Schiedsrichter bespuckte.

Während der Referee die Vorfälle notierte, gerieten in der Nähe ein Bürgeler und ein Rumpenheimer aneinander, wonach der Bürgeler Christopher Z. mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurde. „Er akzeptierte meine Entscheidung und machte sich daran, den Platz zu verlassen, aber dann kamen der Bürgeler Co-Trainer und zwei Ersatzspieler auf den Platz gerannt, beschimpften und beleidigten mich aufs Übelste und dann ging es richtig los“, berichtete der Schiedsrichter Turgay Sukan, der ausdrücklich mit seinem vollen Namen genannt werden wollte, um diese neuerlich erschreckenden Vorfälle öffentlich zu machen.

Neben Beleidigungen übelster Art von allen dreien, habe Ersatzspieler Abdelaziz El M. dem Schiedsrichter mit der Faust fest gegen die Brust geschlagen und ihm ins Gesicht gespuckt. Ersatzspieler Youness El B. trat dem Schiedsrichter gegen den Oberschenkel, der die Partie nach diesen Attacken abbrach.

Kein Spieler, weder von der DJK Sparta Bürgel, noch von der SKG Rumpenheim, versuchte, schlichtend einzugreifen und Turgay Sukan zu schützen oder zu unterstützen, der sich in die Kabine zu retten versuchte. Auf dem Weg dorthin wurde er auch noch von dem unter den Zuschauern weilenden Bürgeler Spieler Ergin H. beleidigt, mit einem Kopfstoß attackiert und mit einem Regenschirm in den Bauch gestochen. „Mir wurde kurz schwarz vor Augen, aber ich schaffte es in die Kabine“, sagte der zweifache Familienvater Sukan, der auch am Montag noch über Schmerzen klagte. „Ich liebe den Fußball. Deshalb wurde ich Schiedsrichter, als ich nicht mehr selbst spielen konnte“, sagte der 41 Jahre alte Heusenstammer, der für den JSK Rodgau pfeift, „aber das war der Tiefpunkt. Da fragt man sich schon, warum man sich das antut. Da hätte ja leicht noch viel Schlimmeres passieren können. Auf dem Platz wird man als Schiedsrichter alleingelassen.“ Momentan fehle ihm die Motivation, noch einmal als Schiedsrichter auf einen Fußballplatz zu gehen. „Wir bräuchten viel härtere Strafen. Wenn solche Vorfälle weiter so mild bestraft werden, wird der Respekt vor Schiedsrichtern immer weiter schwinden“, sagte Sukan.

Betroffen zeigte sich auch Olaf Happel, Fußballabteilungsleiter der DJK Sparta Bürgel, der persönlich nicht vor Ort war und sich erst noch in Gesprächen mit allen Beteiligten ein Bild von den Vorkommnissen machen wollte. „Klar ist aber, Gewalt gegen Schiedsrichter akzeptieren wir in keiner Weise“, sagte er, „wer Schiedsrichter attackiert, fliegt bei uns aus dem Verein.“ Und angesichts der Vielzahl der Beteiligten und schweigend nicht eingreifenden Spieler wird der Verein auch eine Abmeldung der gesamten Mannschaft in Betracht ziehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion