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Béla-Réthy-Abschied nach 36 Jahren: Sandro Wagner schwärmt von ZDF-Kommentator

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Von: Christoph Klaucke

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Nach 36 Jahren ist Schluss. ZDF-Kommentator Béla Réthy legt nach seinem letzten WM-Spiel das Mikro zur Seite. Sandro Wagner begleitet ihn zum Abschied.

Al-Khor – Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der WM 2022 längst ausgeschieden. Doch einer ist noch dabei: ZDF-Kommentator Béla Réthy. Der 66-Jährige kommentiert heute (14. Dezember) an seinem Geburtstag sein letztes Spiel im Live-Fernsehen. Vor seinem Abschied beim WM-Halbfinale zwischen Frankreich und Marokko erinnert Co-Kommentator Sandro Wagner an eine große Reporter-Karriere. Man hat das Gefühl, ganz Fußball-Deutschland schaut an diesem Abend nach Katar – besser gesagt: lauscht den letzten Worten einer „absoluten Legende“, die mit ihrer Stimme über drei Jahrzehnte ganze Generationen von Fußballfans in Deutschland geprägt hat.

Béla-Andreas Réthy
geb. 14. Dezember 1956 in Wien
Sprachen: Deutsch, Ungarisch, Portugiesisch, Englisch, Französisch, Spanisch
1991: Erste Live-Reportage beim ZDF
Hört nach der WM 2022 auf

Letztes Spiel von Béla Réthy: ZDF-Kommentator wird von Sandro Wagner unterstützt

Sandro Wagner wird Béla Réthy bei seinem letzten Einsatz fürs ZDF als Co-Kommentator zur Seite stehen. Der Ex-Nationalspieler wird beim WM-Halbfinale am Mittwoch zwischen Frankreich und Marokko neben Réthy sitzen, wenn dieser sein letztes Fußballspiel kommentiert.

„Béla Réthy ist eine absolute Legende. Ich bin mit seiner Stimme groß geworden, und ich weiß gar nicht mehr, wie viele große Spiele ich geschaut habe, in denen er der Kommentator war“, sagte Wagner der Deutschen Presse-Agentur in Doha. „Er ist ein überragender Typ, nicht nur am Mikrofon.“ Réthy war seit 1986 bei allen Fußball-Weltmeisterschaften für das ZDF im Einsatz und seit 1994 als Live-Reporter bei allen großen Turnieren, von 1996 bis 2018 kommentierte er alle vom Sender übertragenen EM- und WM-Endspiele.

ZDF-Reporter Béla Réthy kommentiert beim WM-Halbfinale sein letztes Spiel.
ZDF-Reporter Béla Réthy kommentiert beim WM-Halbfinale sein letztes Spiel. © Christian Charisius/dpa

Béla-Réthy-Abschied nach 36 Jahren: Sandro Wagner schwärmt von „absoluter Legende“

„Es ist etwas ganz Besonderes für mich, dass ich bei seinem letzten Spiel an seiner Seite sitzen darf. Seine Stimme wird dem deutschen Fernsehen fehlen“, sagte der 35-jährige Wagner. Vor dem Béla-Réthy-Abschied hörten Millionen eine persönliche Bitte an Sandro Wagner mit, als ZDF-Kollege Oliver Schmidt nach dem Sieg Frankreichs gegen England bewegende Schlussworte sprach: „Als Kollege und Mensch unerreicht, unser Béla. Sei ein charmanter Tanzpartner für Bélas letzten Tanz.“

Auch der langjährige Kommentatoren-Kollege Marcel Reif würdigte Réthy. „Ich werde deine Stimme vermissen, wenn der Ball rollt im TV“, schrieb der 73-Jährige in der Bild. „Aus Respekt und Demut vor dem Spiel und deiner Kundschaft hast du geredet wie ein normaler Mensch; wohl auch, weil du begriffen hattest, dass es bei aller Ambition und Eitelkeit nicht darum geht, nachzuweisen, dass man als Reporter im Nebenjob glatt auch noch einen Bezirksligisten trainieren könnte.“

Béla Réthy: Abschiedsworte im ZDF? „Ich mache das aus der Emotion heraus – so wie alles“

Wenige Stunden vor seiner Abschiedsvorstellung würden „die Gefühle Karussell fahren“, sagte Réthy im Morgenmagazin des ZDF am Mittwoch zwar. „Aber ich habe sie alle noch im Griff.“ Bestimmte Schlussworte habe er sich noch nicht überlegt, so der 66-Jährige. „Ich mache das aus der Emotion heraus – so wie alles. Mal gelingt es, mal nicht.“ 

Sein speziellstes Spiel sei möglicherweise das WM-Finale 2002 zwischen Deutschland und Brasilien (0:2) gewesen, erzählte Réthy. Zum einen sei es das Duell der „zwei WM-Giganten“ gewesen. Zudem ist Réthy unter anderem in Sao Paulo in Brasilien aufgewachsen, mit elf Jahren kam der gebürtige Wiener mit seinen ungarischen Eltern nach Deutschland.

Das da vorn, was aussieht wie eine Klobürste, ist Valderrama

Béla Réthy über den Kolumbianer Valderrama

ZDF-Abschied nach 36 Jahren: Warum kommentiert Réthy nicht mehr?

Für manche eine „Legende“, für andere „unerträglich“ – Réthy polarisierte stets, ging seinen Weg aber unbeirrt weiter und blieb sich treu. Viele deutsche Fußballfans sind mit seiner Stimme aufgewachsen, nun verstummt sie. Den kolumbianischen Lockenkopf Carlos Valderrama nannte er einst bei der WM 1998 eine Klobürste. „Das da vorn, was aussieht wie eine Klobürste, ist Valderrama“, sagte Réthy, der seinen Spruch später jedoch offen bereute. „Das wäre heute nicht mehr möglich und war auch damals in der Spontaneität schon grenzwertig.“

Warum kommentiert Réthy nicht mehr? „Ich habe eine gewisse Distanz zum Geschäft aufgebaut. Der Fußball ist kälter geworden, die Emotionen kleiner“, sagte Réthy. „Ich habe mehr Vorfreude auf das, was kommt. Ich habe einen Enkelsohn in Berlin, Jonathan, den kann ich heranwachsen sehen. Und ich verspüre Lust auf Terminlosigkeit, auf Laissez faire, nicht mehr Fußball gucken zu müssen. Vielleicht überlagert das die Wehmut.“

Béla Réthy: Pläne nach ZDF-Abschied stehen schon

Zum Start der WM 2022 flippten die Fans wegen ZDF-Kommentator Béla Réthy noch aus: „Größter Grund, die WM nicht zu schauen“. Mittlerweile dürfte der 66-Jährige für viele Fernsehzuschauer einer der Hauptgründe dafür sein, überhaupt noch einzuschalten. Einen Rücktritt vom Rücktritt wird es wohl nicht geben, Réthys Pläne nach dem ZDF-Abschied stehen schon. (ck)

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