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Unzufrieden mit der Schiedsrichterleistung beim Champions-League-Spiel in Paris: Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann. Hinten zu sehen: PSG-Coach Thomas Tuchel.
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Unzufrieden mit der Schiedsrichterleistung beim Champions-League-Spiel in Paris: Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann. Hinten zu sehen: PSG-Coach Thomas Tuchel.

Kommentar

Befremdliche Vorstöße aus Leipzig

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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RB Leipzig befindet sich sportlich auf einem blendenden Weg. Doch Trainer Nagelsmann und Geschäftsführer Mintzlaff sammeln abseits des Rasens weiter Minuspunkte. Mehr Demut wäre nicht verkehrt. Ein Kommentar.

Der nette Herr Nagelsmann ist mal wieder ganz schön böse geworden. Kann ja nicht so gut verlieren, der immer noch erst 33 Jahre junge Erfolgstrainer von RB Leipzig. Geht gar nicht.

Da verlieren aber zu einem Spiel jedweder Art dazugehört, war er nach dem 0:1 in Paris einfach nur stinksauer. Denn dieser Elfer für PSG sei ja wohl „ein absoluter Witz“ gewesen. „Nullkommanull Kontakt“, moserte er. „Klare Schwalbe.“ Recht hatte er. Und doch hat es auch etwas mit Stil zu tun, eine Niederlage anzuerkennen und nicht nur über eine Szene zu mäkeln. Herr Nagelsmann hätte sich besser eingehend damit befasst, weshalb es seinem Team nicht gelungen ist, die ultradefensiven Franzosen in Bedrängnis zu bringen; die waren sogar so destruktiv, dass seinem Gegenüber, dem nicht minder eigenwilligen PSG-Coach Thomas Tuchel, die Hutschnur platzte, weil er sich jetzt sogar schon für einen Sieg rechtfertigen musste. Motzki hier, Motzki da.

Souverän geht anders, die Herren. Etwas weniger Kratzbürstigkeit und Oberlehrer-Attitüde könnten nicht schaden, so ganz generell. Denn fachlich sind die beiden Ehrgeizlinge sowieso über jeden Zweifel erhaben.

Das gilt auch für den jovialen Leipziger Oberboss Oliver Mintzlaff, der dieser Tage mit einem staatstragenden und größtenteils vernünftigen Interview im „Kicker“ aufwartete – und für Entgeisterung bei Bundesligakollegen sorgte. Mintzlaff hatte nämlich die Chuzpe, ein paar Ratschläge für Krisenzeiten zu erteilen. „Jeder muss in seinem Klub dafür sorgen, dass nicht alles auf Kante genäht ist, sondern dass man sich Polster erarbeitet, um in ganz schwierigen Phasen Dinge überbrücken zu können, ohne über einen KfW-Kredit oder sonstigen Support nachdenken zu müssen.“ Prinzipiell stimmt das, doch Corona hat selbst solche Vereine in die Bredouille gebracht, die seriös wirtschafteten.

Von daher ist es anmaßend, wenn ein Emporkömmling wie RB Leipzig, aus dem Boden gestampft von einem omnipotenten Brausegiganten, mit dem Finger auf andere zeigt. Zur Erinnerung: Erst im April wandelte der bullige Investor Schulden in Höhe von 100 Millionen Euro in Eigenkapital um. Vor diesem Hintergrund wirkt der verbale Vorstoß befremdlich.

Das soll nicht die hervorragende Arbeit schmälern, die geleistet wird, selbst wenn RB keine Sympathiewerteskala sprengen wird. Die Sachsen sind anerkannt in der Liga, haben sich zur dritten Kraft gemausert, ihnen wird am ehesten zugetraut, irgendwann einmal zumindest in die Nähe der Bayern zu kommen. Das Mammut-Projekt ist der Beweis dafür, dass man einen Haufen Geld nicht nur sinnfrei versenken (Grüße nach Schalke, Hamburg etc. pp.), sondern mit kluger Strategie, Fachwissen und Visionen etwas Großes aufbauen kann. Das ist bei weitem nicht so leicht wie es scheint.

Ein bisschen mehr Demut wäre dennoch nicht verkehrt. Auf dem Trainerstuhl und im Bürosessel.

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