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Befreit von Lewandowski

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Von: Thomas Kilchenstein

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Ist dann mal weg: Robert Lewandowski zieht es nach Spanien, zum neuen Herzensverein FC Barcelona.
Ist dann mal weg: Robert Lewandowski zieht es nach Spanien, zum neuen Herzensverein FC Barcelona. © AFP

Das Wechseltheater hat endlich ein Ende: Die Bayern haben hochprofessionell gezockt, haben mit ihrer vorgeblichen sturen Haltung („Basta“) den Preis in die Höhe getrieben.

Bestimmt haben zuletzt ganz viele Freizeitkicker das Stadion Camp Nou gebucht und auf dem heiligen Rasen gekickt. Das geht ja, der FC Barcelona vermietet bekanntlich seine Arena, um ein bisschen Kleingeld in die leeren Kassen zu bekommen. Offenbar mit Erfolg: Man kann sich, neben Raphina für 50 Millionen aus Leeds, noch einen Robert Lewandowski leisten und 45 Millionen plus Boni nach München überweisen sowie der Tormaschine in den nächsten vier Jahren geschätzte 80 Millionen aufs Konto. Peanuts - bei 1,35 Milliarden Schulden, zumal bereits im Winter für neue Stürmer Torres und Aubameyang 100 Millionen ausgegeben wurden - um dann gegen eine Schnittmannschaft wie Eintracht Frankfurt im Viertelfinale das Fell über die Ohren gezogen zu bekommen. Dass sich bei Barca inzwischen neun Stürmer gegenseitig auf die Füße treten - geschenkt, Barcelona - mes que un club? Eher mes Geldverbrennungsmaschine.

Die Bayern, man muss sie loben, haben hochprofessionell gezockt, haben mit ihrer vorgeblichen sturen Haltung („Basta“) den Preis in die Höhe getrieben, den sie wollten. Dabei war ihnen doch von vorneherein klar, so sind die Usancen dieses Geschäfts, dass es keinen Sinn macht, einen wechselwilligen Spieler gegen seinen Willen zu halten. Und Lewandowski, dieser immer eine gewisse Kälte ausstrahlende Ego-Shooter, dem die Größe fehlte, den legendären Gerd-Müller-Rekord nicht zu brechen, hat ihnen den Gefallen getan, keinen Zweifel an seinem Wunsch aufkommen zu lassen, vertragsbrüchig zu werden, um woanders noch mehr Geld zu verdienen („Meine Geschichte hier ist zu Ende“).

Wenn es in diesem nervenden Pokerspiel einen Sieger - neben Lewandowski, der alle gängigen Register bediente, die ein einen Transfer provozierender Profi nutzen kann, und seinem Berater Pini „Piranha“ Zahavi - gibt, dann ist es der FC Bayern. Runde 50 Millionen für einen im August 34-Jährigen ein Jahr vor Ende seines Kontraktes herausgeschlagen zu haben, ist eine reife Leistung. Die Bayern haben ihr Gesicht gewahrt, sind erst eingeknickt, wenn man so will, als sie es wollten, als der Preis stimmte. Und sie hatten bereits vom FC Liverpool Angreifer Sadio Mané verpflichtet, auch kein ganz schlechter.

Sicher: Robert Lewandowski hat in den acht bayrischen Jahren unfassbar viele Tore geschossen für die Bayern, praktisch in jedem Spiel eines. Die werden dem Branchenprimus fehlen, aber die hätten auch 2023 gefehlt, wenn der Vertrag ausgelaufen wäre. Eine tiefe Liebe verband beide nicht, es war eine kühl kalkulierte Geschäftsbeziehung. Eine Zäsur ist der Abschied dennoch. Dass die Bayern ihr Spiel umstellen müssen, dass sie variabler, unberechenbarer agieren wollen, dass sie ihr Spiel nicht mehr allein auf einen alternden Mittelstürmer kaprizieren können, war klar, allen voran Trainer Julian Nagelsmann, ohnehin einer, der lieber Tika-Taka spielen als Flanken auf einen Lewy schlagen lässt. Der Abgang von Lewandowski kann eine Chance sein, den ohnehin fälligen Umbruch vorzuziehen.

Und für andere könnte er eine Befreiung sein.

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