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Steigt am höchsten: Javi Martinez (links).

FC Bayern

Das sind die bayrischen Baustellen

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Nach dem mühsamen 1:0 gegen Hertha BSC erklärt Präsident Uli Hoeneß tags darauf die Welt. Oliver Kahn ist der Topkandidat für den Vorstandsposten von Karl-Heinz Rummenigge.

Lauwarm“ ist ein Wort, das die Situation beim FC Bayern gerade sehr schön zusammenfasst. Lauwarm ist weder heiß noch kalt, weder richtig noch falsch, weder supergut noch unterirdisch schlecht. Alles ist möglich, aber nichts sicher. So stellt sich die Lage in der Champions League dar, in der Meisterschaft, in der Kaderplanung. Und konkret bei Lucas Hernandez.

Uli Hoeneß hat das L-Wort gestern im Sport1-Talk „Doppelpass“ benutzt, als er auf den französischen Linksverteidiger von Atletico Madrid angesprochen wurde. Der Präsident hatte zuvor den Appetit auf Nachrichten angeregt mit dem provokanten Halbsatz: „Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die kommende Saison“. Als die Rede auf Hernandez kam, an dem die Münchner ein verbrieftes Interesse haben, wollte er nicht zu viel verraten, aber auch nicht zurückrudern. Also nannte er ihn einen „lauwarmen“ Kandidaten

Es geht gerade wieder viel um die Bayern der Zukunft, nicht so sehr um die der Gegenwart. Das Hinspiel in Liverpool ist bestanden, das Rückspiel noch eine Weile entfernt, und ein Kick wie das 1:0 am Samstag gegen Hertha BSC Berlin wird schon bald nur noch eine flüchtige Erinnerung sein. Die Handvoll Tauben, die sich eine Weile auf dem Rasen die Zeit vertrieb, gehörte noch zu den interessanteren Erscheinungen dieses Tages.

Softer Abgang für Altstars

„Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss“, fiel Hasan Salihamidzic dazu ein. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass selbst das beste Pferd nicht höher hinaus kommt, wenn es wenige Tage zuvor in Liverpool noch ein schweres Championat zu bewältigen hatte. Den Bayern reichte diese lahme, wenig inspirierte Vorstellung voll und ganz. Der Gedanke, in der Hinrunde hätte man bei so einem Spielverlauf noch Punkte gelassen, ist zwar extrem hypothetisch und durch nichts belegt. Das hinderte aber gleich zwei Akteure (Joshua Kimmich, Niklas Süle) nicht daran, genau diese These zu formulieren.

Für solche Tage ist der Begriff Arbeitssieg vor Urzeiten geschaffen worden. In Wahrheit hätte es sehr wohl eine dieser schmerzhaften Punkteteilungen wie in der Hinrunde geben können, wenn nicht Hertha-Schlussmann Rune Jarstein bei einer James-Ecke zu unentschlossen herausgelaufen wäre, was wiederum Javi Martinez den entscheidenden Kopfball erlaubte. „Das Tor geht auf mich“, bestätigte Jarstein.

Mit einem Gefühl wohliger Erschöpfung, dem Ausblick auf zwei freie Tage und dem Punktegleichstand mit Borussia Dortmund – wenigstens für eine Nacht – verließen die Gastgeber die Arena. Die kurzfristige Absage des Sonntagstrainings gab ihnen zudem die Möglichkeit, ihrem Präsidenten dabei zuzusehen, wie er die Lage der Bayern gewohnt selbstbewusst einordnete.

Im Grunde sagte Hoeneß bei seinem TV-Auftritt zwar nicht viel Neues. Aber das Altbekannte formulierte er erwartungsgemäß plakativ. Zum Beispiel, als er davon sprach, notfalls „mal die Meisterschaft ein Jahr zu opfern“, um Spielern wie Robben, Ribery und Rafinha „einen vernünftigen Abgang“ zu bereiten, statt ihnen eine Armada von Stars vor die Nase zu setzen. Er klang, als entscheide ganz allein der FC Bayern, wer den Titel hole.

Vermutlich deckt sich das tatsächlich mit der internen Wahrnehmung. Hoeneß jedenfalls findet, er habe „in meinem Leben mehr als 50 Titel gewonnen, da kommt es auf den ein oder anderen auch nicht mehr an“. Wenn nicht diese Saison, dann halt in der nächsten wieder, wenn Pavard kommt und vielleicht Arp, dazu womöglich Hudson-Odoi oder Werner. Und nicht zu vergessen der lauwarme Lucas Hernandez

Den Bayern, die in Wahrheit natürlich nicht weniger als die Meisterschaft anstreben, kommt es sehr gelegen, dass in der Mannschaft momentan so viel Ruhe herrscht, dass die verbale Kraftmeierei des Präsidenten noch stärker zur Geltung kommt und Aufmerksamkeit bündelt. Allein die Unzufriedenheit des Rechtsverteidigers Rafinha sorgte für dezente Misstöne. Demnächst gegen Liverpool wird er benötigt, doch auch am Samstag durfte er nicht mal ein paar Minuten rein. Auch ein Arbeitssieg muss erst mal gesichert sein. „Jetzt schimpft schon der Rafinha“, staunte tags drauf Hoeneß. Solche Sorgen hätte er gerne häufiger.

Gar keine Sorgen macht er sich um die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge.. Hoeneß schwebt eine Probezeit von Ex-Kapitän Oliver Kahn im Vorstand des FC Bayern vor. Der 49 Jahre alte ehemalige Torwart und Kapitän ist beim deutschen Fußball-Meister der Topkandidat des Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Hoeneß.

Der Vertrag des 63-jährigen Rummenigge wurde gerade noch einmal um zwei Jahre bis Ende 2021 verlängert. „Oliver Kahn würde ein Jahr bei uns normales Vorstandsmitglied. Da hat man Zeit, sich zwölf Monate zu beschnuppern“, sagte Hoeneß. Danach müssten beide Seiten ja oder nein sagen. Mit Kahn ist Hoeneß im Gespräch. „Ich glaube, er könnte sich das vorstellen“, äußerte der 67-Jährige: „Im Moment ist das eine gute Idee.“ Diese soll nun im Aufsichtsrat intensiver erörtert werden. Das Gremium bestellt den Vorstand.

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