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Bayerns komplexe Torwartsuche

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Von: Thomas Kilchenstein

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Eher kein Mann für die großen Spiele: Sven Ulreich, Bayerns Nummer zwei.
Eher kein Mann für die großen Spiele: Sven Ulreich, Bayerns Nummer zwei. © dpa

Die Münchner müssen bei der Nachfolgeregelung des schwer verletzten Manuel Neuer viele Faktoren beachten. Denn: Niemand weiß, wie es mit dem Nationalkeeper weitergeht.

Kaum ist der FC Bayern nach dem Übungs-Trip nach Katar zurück in München, schon spricht der junge Trainer in bester Infantinoscher Diktion vom „besten Trainingslager, was bis jetzt stattgefunden hat“. Ist die Gemeinde jetzt beruhigt? Alles paletti beim deutschen Vorzeigeklub?

Dunkel erinnert man sich, dass den Bayern ein Torwart abhanden gekommen ist. Nicht irgendeiner, sondern Manuel Neuer, Unterschenkelbruch beim Skiwandern kurz vor Weihnachten, Saisonaus für den leidenschaftlichen Spielesammler, der partout nie, niemals eine Partie verpassen will, nicht mal ein Freundschaftsspiel.

Ersatz muss also her, weil die Oberen dem eigentlichen Ersatz, Sven Ulreich, es allenfalls zutrauen, vielleicht gegen Bochum und Schalke, nicht aber gegen Messi, Mbappé, Neymar die Kiste sauber zu halten. Sagen sie natürlich nicht so offen, sie sagen, man habe Vertrauen in Ulreich. Und fanden nach einem anderen, besseren Ballfänger. Sommer. Nübel. De Gea. Bono. Trapp. Livakovic.

Was die Suche im Kern so komplex macht, ist die Tatsache, dass momentan niemand genau weiß, ob und vor allem wie Neuer zurückkommt. Gerüchte sind aufgeploppt, wonach die Verletzung weit schwerer sein soll als angegeben.

Der Torwart selbst sagt, er komme im Sommer vital und fit zurück, er werde besser denn je im Tor stehen. Aber ist das eine Einschätzung, die der Realität standhält? Neuer wird im März 37 Jahre alt, er hat eine Schulterecksgelenkprellung überwunden (die ihn bei der WM in Katar nicht seine beste Performance hat zeigen lassen), er hat eine Knie-Operation hinter sich und zwei Fußbrüche, nun der Beinbruch. Das sind Blessuren, die durchaus die Leistungsfähigkeit eines alternden Torwarts beeinträchtigen können.

Nur logisch, ja verantwortungsbewusst, dass die Bayern-Spitze ins Grübeln gerät. Holen wir einen Torwart für ein halbes Jahr und wenn ja, welchen? Wer gibt seinen Torwart in der Winterpause frei? Es muss ein Guter sein, schnell geht es für die Bayern ums Ganze, in der Champions League gegen Paris St. Germain. Oder eröffnen wir den Zweikampf um die Nummer eins im Tor? Es wäre eine Kampfansage an Neuer.

Was zwangsläufig zu der Frage führt: Welcher Qualitätkeeper begibt sich freiwillig in den Clinch mit dem Ehrgeizling, der jedes Spiel als persönliches Eigentum ansieht? Mit diesen Fragen quälen sie sich gerade herum an der Säbener Straße.

18 Tage haben sie Zeit. Der Liga wäre es recht, die Fragezeichen blieben. Womöglich würde die Titelvergabe noch mal spannend.

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