Lewa_170820
+
Überragend: Münchens Robert Lewandowski im Spiel gegen Barcelona.

Champions League

Erfolg des Ausruhens

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
    schließen

Bayern München und RB Leipzig stehen im Halbfinale der Champions League, ein großer Erfolg für den deutschen Fußball – doch auch ein nachhaltiger? Ein Kommentar.

Seit die Champions League als Geldvermehrungsliga 1992 eingeführt wurde, haben gewonnen: ein französischer Verein (Marseille 1993), ein niederländischer (Ajax Amsterdam 1995) und ein portugiesischer Klub (Porto 2004) sowie zwei deutsche Vertreter (Bayern 2001 und 2013, Dortmund 1997); gerade mal sechs Titel in 27 Jahren. Die anderen 21 Königsklassensiege gingen stabil nach Spanien (11), Italien (5) und England (5). Teilnehmern aus Deutschland und Frankreich wurde zuletzt Richtung Finale ähnliches beschieden wie Hunden vor dem Metzgerladen: Wir müssen leider draußen bleiben.

Und jetzt, im Corona-Jahr 2020, sind sie plötzlich und unerwartet in den Halbfinals schon unter sich, noch dazu angeleitet von drei deutschen Trainern. Dass DFB-Manager Oliver Bierhoff deshalb jubiliert, ist einerseits nachvollziehbar. Sein ohne Fragezeichen formulierter Vorausblick, diese Konstellation würde „auf unserem Weg zurück an die Weltspitze zusätzlich helfen“, ist gleichwohl kühn.

Denn zunächst einmal handelt es sich ja nur um die klassische Momentaufnahme in einem Sommer, der auch im Hochleistungsfußball massiv vom Virus beeinflusst wurde. Auffällig war in den Achtel- und Viertelfinals jedenfalls, dass die in der späten Schlussphase ihrer nationalen Ligen besonders belasteten Mannschaften aus Madrid (Real und Atletico), London (Chelsea), Turin (Juventus), Manchester (City) und Barcelona allesamt physisch schlapp und mental ausgelaugt wirkten. Ganz im Gegensatz zu den Teams aus Deutschland und Frankreich. Manche Furcht, die lange Pause nach Saisonende, beziehungsweise vorzeitigem Abbruch könnte sich nachteilig für die entscheidenden Spiele der Champions League auswirken, erwies sich als unbegründet. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall.

Grundsätzliche Erkenntnisse verbieten sich vor diesem Hintergrund weitgehend, was die Anerkennung keineswegs schmälern soll. Die drei deutschen Trainer Hansi Flick, Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel haben - anders als Manchesters Pep Guardiola beim vercoachten Aus gegen Lyon - handwerklich sehr saubere Arbeit abgeliefert. Dass sie dazu, genau wie der weitere deutsche Weltklassemann Jürgen Klopp, in der Lage sind, ist nicht neu.

Aber nachhaltig ist dieser Erfolg des Ausruhens erst dann, wenn Bayern und Leipzig und bestenfalls noch die Borussen aus Dortmund und Mönchengladbach ihn in einem Frühjahr ohne Corona-Krise bestätigen könnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare