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FC Bayern ist im Suchmodus

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Von: Maik Rosner

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Beerbt er den alten Bayern-Trainer? Thomas Tuchel (r.) verabschiedet Carlo Ancelotti.
Beerbt er den alten Bayern-Trainer? Thomas Tuchel (r.) verabschiedet Carlo Ancelotti. © imago

Nach Ancelottis Aus scheint der FC Bayern in der Frage der Nachfolge noch nicht vorangekommen zu sein. Wer setzt sich durch: Hoeneß oder Rummenigge?

Hasan Salihamidzic winkte kurz in den Medienraum, doch viel mehr als diese Geste hatte der Sportdirektor des FC Bayern aus den Unterredungen mit Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nicht mitgebracht zur Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Das wurde schon bei der ersten Frage nach dem Anforderungsprofil für den künftigen Trainer deutlich. „Das ist etwas, was wir intern diskutieren. Da sind wir gerade dabei“, antwortete Salihamidzic. Ob der Nachfolger des am Donnerstag beurlaubten Carlo Ancelotti deutschsprachig sein solle? „Das wäre auch gut“, sagte der ehemalige Profi. Immerhin so viel stand für Salihamidzic fest: „Wir brauchen einen Trainer, der alle Probleme, die wir haben, anpackt.“ Und: „Ich erwarte eine ganz klare Reaktion von der Mannschaft. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Das Spiel muss gewonnen werden.“ Am Sonntag treten die Münchner bei Hertha BSC an.

Lange hatte es gedauert, bis sich der FC Bayern entschieden hatte, wie er am Tag nach Ancelottis Aus auftreten soll. Doch auch nach der kurzfristig angesetzten Pressekonferenz mit Salihamidzic blieb größtenteils offen, wie es weitergeht. Dass Ancelottis bisheriger Co-Trainer Willy Sagnol, 40, nach der Berlin-Reise und anschließenden Länderspielpause als Chefcoach fungiert, gilt als unwahrscheinlich. Zumal die Münchner ihren langjährigen Rechtsverteidiger (2000 bis 2009) sofort als Interimslösung bezeichnet hatten, was Salihamidzic nun wiederholte. Hoeneß hatte schon tags zuvor erklärt: „Wir haben keinen Zeitdruck, aber nach der Pause von zwei Wochen wollen wir eine Lösung haben.“

Als aussichtsreicher Cheftrainer-Kandidat gilt Thomas Tuchel, 44, der seit seinem Abschied von Borussia Dortmund im Mai vereinslos ist und zudem in München wohnt. Angeblich soll es schon erste Sondierungsgespräche gegeben haben, wofür der Auftritt von Salihamidzic aber eher nicht sprach. Oder aber dafür, das diese ergebnislos verlaufen sind. Tuchel wäre eine naheliegende Lösung, weil er eine ähnliche Lehre wie Ancelottis Vorgänger Pep Guardiola verfolgt und der zuletzt unsortierten Mannschaft wieder einen weitgehend vertrauten Stil vermitteln könnte. Dass Tuchel als nicht pflegeleicht gilt und im Unfrieden vom BVB ging, nachdem er sich mit der Vereinsführung und Teilen der Mannschaft überworfen hatte, sorgt allerdings auch bei den Bayern für Skepsis. Und Tuchel könnte die nicht nur sportlich schwierige Gemengelage bei den Münchnern davon absehen lassen, das Team mit den vielen großen Egos zu übernehmen. 

Rummenigge hatte in der Vergangenheit bekundet, dass ihm Tuchel „immer gut gefallen“ habe. Hoeneß soll laut „Bild“-Zeitung allerdings auch eine andere Idee erwägen. Demnach kann er sich übergangsweise bis zum Sommer eine Doppellösung vorstellen – mit dem ehemaligen Profi und Amateurtrainer Mehmet Scholl, 46, sowie mit dem langjährigen Co-Trainer Hermann Gerland, 63, seit diesem Sommer Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Mit einer derartigen Variante würden die Bayern Zeit gewinnen, um eine dauerhafte Lösung für die kommende Saison zu finden. Realistischer wäre dann auch eine Verpflichtung von Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann, 30, der dort noch über einen Vertrag bis 2021 verfügt, zuletzt aber schon erstaunlich forsch verkündet hatte, künftig gerne die Mannschaft des FC Bayern anzuleiten. Das kann sich auch Hoeneß vorstellen, allerdings verbunden mit der Frage, wie zeitnah. Genannt wird als weiterer Kandidat, zumindest für die kommende Saison, Liverpools Trainer Jürgen Klopp, 50. Ins Gespräch gebracht wurde auch der ehemalige Trainer des FC Barcelona, der derzeit vereinslose Luis Enrique, 47. 

Fast noch spannender als die Trainerlösung wird zu beobachten sein, wie diese zwischen Hoeneß und Rummenigge zustande kommt. Für Ancelotti hatte sich Rummenigge starkgemacht, für Guardiola zuvor Hoeneß. An Einigkeit hatte es zuletzt mehrfach gemangelt, nicht nur bei der Suche nach einem Nachfolger des ehemaligen Sportvorstandes Matthias Sammer. Es wird nun auch um die Frage gehen, wer sich mit seinen Vorstellungen durchsetzt. Salihamidzic dürfte das ebenfalls interessiert verfolgen, wenngleich er sagte: „Es hat den FC Bayern immer ausgezeichnet, dass wir nur eine Entscheidung treffen, wenn sich alle einig sind.“ Das werde auch diesmal so sein, und um den Verein und dessen Rolle als deutscher Branchenführer müsse sich keiner sorgen. „Wir werden wieder stark aus dieser Situation herauskommen“, sagte Salihamidzic. Auch in dieser Hinsicht darf man gespannt sein.

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