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Wird immer besser: Bayerns Taktgeber Thiago (l.).

Endlosschleife

Die Bayern sind wieder spitze

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Dem FC Bayern München reichen drei Rückrundenspiele, um die alte Hackordnung an der Tabellenspitze wieder herzustellen.

Es war ja irgendwie bezeichnend, dass Manuel Neuer nach einem überaus entspannten Arbeitstag im rheinhessischen Dauerregen genügend Zeit für sich hatte. Gratulierende Mitspieler vom FC Bayern kamen beim unterbeschäftigten Kapitän nach Schlusspfiff nicht vorbei, weshalb der Nationaltorwart in Seelenruhe seine Utensilien sortierte, sich der Handschuhe und des Trikots entledigte, um artig dem Schiedsrichtergespann und den Verlierern vom FSV Mainz 05 die Hand zu reichen. Dann folgte – im ärmellosen grünen Unterziehhemdchen – der Gang zum mitgereisten Anhang, der den Evergreen „Deutscher Meister wird nur der FCB“ in Endlosschleife intonierte. Genau diese Überzeugung verbreitet sich gerade landauf, landab auch bei allen, die nicht in der Münchner Fankurve stehen.

Dem Rekordmeister hatte beim 3:1 in Mainz eine starke halbe Stunde genügt, die restlichen 60 Minuten fand auch Trainer Hansi Flick „nicht Bayern-like“. Aber selten ließ sich das so leicht verschmerzen wie an diesem Samstagnachmittag. Die Punkteteilung am selben Abend zwischen RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach katapultierte den Rekordmeister wieder dahin, wo er nach seinem Selbstverständnis hingehört, aber nur nach dem sechsten Spieltag Anfang Oktober stand: an die Tabellenspitze.

Im Pokal gegen Hoffenheim

Für Flick ist der Wechsel an der Spitze „ein netter Nebeneffekt“, aber es gebe eben auch „kaum eine andere Mannschaft mit einer derartigen Qualität“, stellte der tiefenentspannte Fußballlehrer fest. Drei Rückrundenspiele (zuvor 4:0 bei Hertha, 5:0 gegen Schalke) – und sechs Bundesligasiege nacheinander – haben ausgereicht, um die bekannte Hackordnung wieder herzustellen. Der Punktevorsprung des Brauseklubs als Herbstmeister ist schneller geschmolzen als Schnee bei Föhneinbruch. Und wenn die Bayern am Sonntag das Spitzenspiel gegen die Sachsen gewinnen sollten, hätten auf einmal sie vier Zähler mehr auf dem Konto als der ärgste Herausforderer. Er sei kein Freund, „zu weit nach vorne zu schauen“, erklärte Flick aber.

Vorher ist ja noch das DFB-Pokalachtelfinale gegen die TSG Hoffenheim am Mittwoch zu bestreiten, was den 54-Jährigen mit seiner eigenen Vita konfrontiert. Der in Heidelberg geborene, im Dörfchen Bammental im Rhein-Neckar-Kreis beheimatete Coach besitzt als langjähriger Ratgeber und Angestellter einen besonderen Bezug zum Dietmar-Hopp-Klub, der die Bayern in der Hinrunde in ihrer Arena besiegte. Doch für die Wiederholung spricht gerade nicht viel.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic sieht in diesem Jahr „bis jetzt keine großen Probleme“. Klar, der Kader sollte für „die wichtigen Spiele in der heißen Phase“ – vorrangig ab dem Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Chelsea – breiter werden. Lucas Hernandez, Kingsley Coman und der in Mainz eingewechselte Serge Gnabry nannte Salihamidzic als Kandidaten, die dann gesundheitlich voll auf der Höhe sein sollten. Doch Flick („Ich mache meine Spieler lieber einen Kopf größer“) hat mit seiner positiven Art bereits brachliegende Potenziale geweckt: Aus dem unter Niko Kovac als Sicherheitsrisiko geltenden Thiago sei gemeinsam mit Joshua Kimmich im zentralen Mittelfeld „ein Stabilisator“ geworden, lobte Flick, der für den hochbegabten Spanier eine Rolle gefunden hat, in der sich defensive Ordnung und offensive Entfaltung nicht mehr ausschließen. „Es freut mich auch ungemein, dass Thiago sich nun zum dritten Mal in Folge in die Torschützenliste eingetragen hat.“

Thiagos Dribbling zum 3:0 war eine Augenweide (26.), zuvor hatten Robert Lewandowski nach Maßflanke von Benjamin Pavard mit seinem 22. Saisontreffer und 150. Bayern-Tor (8.) sowie Thomas Müller nach Rückpass von Leon Goretzka (14.) die Kräfteverhältnisse bereits geklärt.

Dass der unter der Woche im internen Trainingsturnier von Jerome Boateng geschlagene Goretzka am Gegentor von Jeremiah St. Juste (45.) beteiligt war, ließ sich genauso leicht wie die Handgreiflichkeit der Teamkollegen verschmerzen. „Da hat es in beide Richtungen gemenschelt“, sagte Müller mit einem Augenzwinkern über die längst versöhnten Streithähne, die sich demonstrativ beim Aufwärmen abklatschten. David Alaba machte den Titelhunger seiner Mitspieler übrigens daran fest, „dass jeder im Training mitzieht und Gas gibt“. Für den überzeugenden Abwehrchef war es enorm wichtig, „dass wir gleich wieder ins Rollen kommen und Selbstvertrauen sammeln.“ Die Ansage des Österreichers für die nächsten Wochen: „Wenn wir so weitermachen, wird’s vorne spannend.“ Eher das Gegenteil ist zu befürchten.

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