+
Irgendwie durchgewurschtelt: Thomas Müller bringt den Ball Richtung Tor.

DFB-Pokal

Bayern ohne Biss

Das denkbar knappe Weiterkommen im DFB-Pokal beim SV Drochtersen/Assel fühlt sich für Bayern München "fast wie eine Niederlage an".

Die Apfelbäume im Alten Land sind nicht zu übersehen, die Gegend um Hamburg ist ja bekannt für ihren Obstgarten, weniger für Fußballvereine. Dass Manuel Neuer beim Ausflug des FC Bayern zum SV Drochtersen/Assel am Samstag an „vielen Apfelbäumen“ vorbeigefahren ist im Mannschaftsbus, dürfte ihn deshalb weniger überrascht haben, als die Erkenntnis, „dass es noch nicht so weit ist mit der Ernte“.

Das mühsame 1:0 mit dem späten Siegtreffer von Robert Lewandowski (81.) in der Erstrundenpartie des DFB-Pokals bei einem Viertligisten hat den guten Eindruck von einer Woche zuvor im Supercup, als Pokalsieger Eintracht Frankfurt 5:0 bezwungen worden war, weggewischt. „Als Bayern München fühlt es sich fast wie eine Niederlage an“, gab Joshua Kimmich zu. 

Einfallsreich war in Deutschlands Obstgarten neben dem unterklassigen Gegner höchstens noch Bayern-Trainer Niko Kovac bei der Spielanalyse. Denn für den lahmen Auftritt seiner Mannschaft fand er eine neue Wortkombination. Als „handlungslangsam“ bezeichnete er eine knappe Woche vor dem Bundesligastart seine Spieler. „Vom Kopf bis nach unten hat es gedauert.“

Die Vorstellung beim gut organisierten und kampfstarken Regionalligaklub war ein kleiner Warnschuss für den Meister, mehr aber in den Augen der Münchner nicht. „Vergessen wir das Spiel“, sagte Präsident Uli Hoeneß und fand: „Für Urteile ist es noch zu früh.“ Die Spieler hätten darauf geachtet, „sich möglichst nicht zu verletzen, damit sie am Freitag dabei sein können“, in der ersten Bundesliga-Partie der neuen Saison gegen die TSG Hoffenheim. So ein schwieriges Spiel „ist gut für uns“, findet Franck Ribery, „weil wir schon wissen, was passiert.“

Boateng-Verbleib ungewiss

Was passieren kann, wenn die Münchner „vielleicht auch mit zu wenig Biss“ auftreten, wie Kimmich zugab, Kovacs Startformationen im Supercup und auch im Pokalspiel, für das Kovac bewusst „volle Kapelle“ angekündigt hatte, lassen Rückschlüsse auf die Personalwahl zumindest in den ersten Wochen der Saison zu. Lediglich in der Innenverteidigung gab es in Drochtersen einen nicht verletzungsbedingten Wechsel. Dass Jerome Boateng statt Niklas Süle neben Mats Hummels auflief, ist für Hoeneß aber kein Indiz für einen Verbleib des Weltmeisters von 2014. „Die Chancen stehen 50:50“, sagte der Bayern-Präsident.

Er rechnet noch immer damit, dass Boateng zu zu Paris St. Germain wechselt, obwohl die Franzosen gerade erst Thilo Kehrer von Schalke 04 geholt haben. Man müsse „in Katar den Gashahn nur einige Millimeter nach rechts drehen, dann kommen 100 Millionen Dollar raus.“ Ein Leihgeschäft schloss Hoeneß nicht aus, aber „nur, wenn ein festes Kaufangebot für nächstes Jahr vorliegt, unwiderruflich“.

Während die Senioren Ribery und Arjen Robben bei Kovac wohl erste Wahl sind, müssen sich Neuzugang Leon Goretzka und Kingsley Coman erst einmal hinten anstellen, ebenso Rückkehrer Renato Sanches. Und den anderen Neuzugang Serge Gnabry warf einen hartnäckige Blessur zurück.

Der Bayern-Trainer Kovac misst der Leistung der Spieler keine allzu große Bedeutung bei. „Abhaken, vergessen, es zählt das Tor“, sagt er, sieht aber im Schlussspurt der Vorbereitung, dass „wir noch ein bisschen was zu tun haben“, um am Ende eine gute Ernte einzufahren. Die aber findet, anders als bei den Apfelbauern im Alten Land, nicht mehr in diesem Jahr statt, sondern erst im kommenden Frühjahr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion