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Für Niko Kovac wäre ein Abschied jetzt wohl auch eine Erleichterung,

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Kovac wankt

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Beim FC Bayern hat es den Anschein, als könnte einer Trennung von Trainer Niko Kovac zur Erleichterung für alle Beteiligten werden. Ein Kommentar.

Nicht bloß ein bisschen, sondern vollkommen verrückt ist es natürlich schon, dass die Grundstimmung beim bevorstehenden Abschied von Uli Hoeneß nach ungefähr 186 Jahren als Spitzenkraft des FC Bayern am Ende von einem einzigen Spiel abhängen wird. Von einmal 90 Minuten plus Nachspielzeit. Gewinnt der gerade in Verzwergung befindliche Herzensklub des scheidenden Präsidenten kommenden Samstag gegen Borussia Dortmund, dürfte das verbale Konfetti, das am darauffolgenden Freitag an dessen letzten Arbeitstag auf den großen Meister herabregnet, sich für Hoeneß wie ein warmes Sommernieseln anfühlen. Geht die Spitz-auf-Knopf-Sache gegen den BVB verloren, sitzt Hoeneß in der Olympiahalle im sauren Regen, so gut die salbungsvollen Abschiedsworte auch gemeint sein werden. Der prasselnde Niederschlag wäre auch deshalb unvermeidbar, weil dann sein Mann, Niko Kovac, nach gängiger Meinung nicht mehr als amtierender Bayern-Trainer zu halten wäre.

Schon jetzt wankt Kovac mehr, als dass er steht. Auch das breite Kreuz des Noch-Vereinschefs ist zur stabilen Stütze nicht mehr breit genug, und Kovac hat zudem das Pech, dass nicht nur er selbst zunehmend überforderter in seinem Kerngeschäft wirkt, sondern noch mindestens genauso der geradezu bedauernswert irrlichternde Sportdirektor Hasan „Brazzo“ Salihamidzic. Auch wenn es hart klingt: Konsequenterweise müssten die Bayern, müsste der ab 15. November noch mächtigere Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, mit unverstelltem Blick auf die Zukunft nicht nur die Personalie Kovac, sondern auch die des Kollegen Brazzo einer kritischen Würdigung unterziehen. In der jüngeren Vergangenheit hat dieser Teil der Verantwortung auch in diversen anderen Klubs zu Konsequenzen geführt, oft aus nachvollziehbaren Gründen.

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FC Bayern: Kovac zu klein für den großen FCB?

Es fühlt sich längst so an, als könnte die Trennung von Trainer Niko Kovac eine Erleichterung für alle Beteiligten sein, ganz ähnlich, wie es sich vor zehn Jahren zutrug, als der FC Ruhmreich letztmalig derart wüst unter die Räder geriet wie heuer in Frankfurt. Der seinerzeit auf ganz breiter Front gescheiterte Runderneuerer Jürgen Klinsmann hatte da schon längst die Kabine verloren – und die Führungsetage gleich mal mit. Er hatte das natürlich längst gespürt. Als er gehen musste, sah der amerikanisierte Schwabe deshalb kein bisschen traurig aus. Nicht nur, weil ihm leichterhand sonnige Strandtage am Huntington Beach winkten, sondern noch viel mehr, weil er die bleierne Zeit an der Säbener Straße hinter sich gelassen hatte.

Für Niko Kovac, der ja nicht erst seit diesem Herbst unter der Last der Aufgabe leidet wie ein Hund, dem das Herrchen den Fressnapf verwehrt, wäre ein Abschied jetzt wohl auch eine Erleichterung, er kann es nur nicht von sich aus zugeben, weil er es sich als Zeichen der Schwäche selbst nicht verziehe; für die Profis wäre das so, die ja erkennbar noch nicht mal mehr bereit sind, das defensive Denken des Trainers mitzutragen; für den Vorstandschef auch, dessen Mann Kovac nie war und mutmaßlich nie mehr werden wird; und somit auch für den ganzen großen FC Bayern, für den der tapfere Niko Kovac wohl denn doch zu klein war.

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Eine 1:5-Niederlage tut jedem Verein furchtbar weh. In München sorgt sie dafür, dass die gesamte DNA wie eine krankhafte Mutation wahrgenommen wird. Ein solches Geschwür so professionell zu versorgen, dass es dauerhaft gesundet, käme einer Wunderheilung gleich. Auch ein Sieg über Borussia Dortmund wäre nicht mehr als ein loses Pflaster. Gut für die Stimmung bei der Uli-Hoeneß-Feier, immerhin.

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