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Blick zurück: Der International Champions Cup 2018 in Miami mit dem Münchner Kingsley Coman (rechts) im Spiel gegen Manchester City.

Bundesliga

Bayern München: Gold schürfen in den USA

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  • Manuel Bonke
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Bayern München vor der Sommertour durch die USA: Trainer Kovac bemängelt die Bedingungen, Vorstandschef Rummennigge will davon nichts wissen, und der Marketing-Vorstand erklärt den Sinn der Reise.

Los Angeles, Houston und Kansas City – so lautet die Reiseroute des FC Bayern für die am  Montag beginnende Sommertour. Jörg Wacker, Vorstand für Internationalisierung und Strategie, erklärt: „Wir möchten unseren Fans vor Ort in den Staaten unsere Mannschaft auch einmal in Topbesetzung präsentieren.“ In China war dies bisher bei jeder Tour der Fall, in den USA waren die Bayern 2014, 2016 und 2018, immer überwiegend „ohne unsere Nationalspieler“, so Wacker, „weil diese nach den Weltmeisterschaften und Europameisterschaften noch Urlaub hatten“.

Trainer Niko Kovac spricht von „erschwerten Bedingungen“, doch Karl-Heinz Rummenigge will davon nichts wissen. „Ich sehe die Vorbereitung in keinster Weise belastet“, sagt der Vorstandschef zum zehntägigen US-Trip, „Ganz im Gegenteil: Unsere Spieler mögen solche Reisen.“ Die US-Tour sei „top organisiert“, von einer Strapaze könne keine Rede sein.

Ein wenig bedauert Vorstand Wacker aus Marketingsicht den Abschied von Mittelfeldspieler James. „James war ein super Zugpferd im Hinblick auf Süd- und Mittelamerika.“ Indes: „Die Menschen verbinden James noch immer mit dem FC Bayern, und das werden sie auch in den nächsten zehn Jahren noch, auch wenn die Euphorie natürlich etwas abnehmen wird. Unsere Aufgabe ist es jetzt, das Interesse der Menschen, das in dieser Zeit für den FC Bayern entstanden ist, aufrechtzuerhalten, damit der FC Bayern auch weiterhin in Südamerika und speziell in Kolumbien präsent ist und noch stärker positioniert wird.“

Jetzt soll der blutjunge Alphonso Davies auf dem amerikanischen Markt Türen öffnen. Wacker: „Er ist ein Talent, das bei der Tour leider nicht dabei ist, weil er ja erst gerade den Gold Cup gespielt hat und daher noch im Urlaub ist. Das finde ich sehr schade, seine Anwesenheit wäre natürlich extrem hilfreich gewesen. Er kommt aus Kanada, jeder Fußballfan in den USA kennt ihn. Er kann uns in Zukunft helfen, unsere Fans in Nordamerika noch besser anzusprechen.“

Fanclub-Weltrekordler

Die Bayern haben, erläutert Wacker, „laut Marktforschung über 650 Millionen Sympathisanten, wir haben 4400 Fanclubs – mehr als jeder andere Verein weltweit – und davon 700 außerhalb Deutschlands. Über 90 Prozent unserer Facebook-Follower kommen aus dem Ausland. Wir sind ein bayerischer Klub, der sich der Welt öffnet.“ Zum Spitzenspiel gegen Dortmund habe es in China „mitten in der Nacht ein Fanfest mit über 1000 Bayern-Anhängern“ gegeben. Wacker will sich im Ausland auf China und die USA konzentrieren: „Ich bin kein Freund des Gießkannenprinzips. Wir sind in erster Linie ein Fußballklub – und wenn wir über Internationalisierung reden, müssen wir das Schritt für Schritt vorantreiben. Lieber konzentrieren wir uns auf zwei Märkte und machen es dort richtig, als uns in vielen Ländern zu verzetteln. Wir haben Standorte in München, New York und Shanghai. Von dort aus haben wir die Möglichkeit, auch in den umliegenden Regionen Kontakte zu knüpfen, und das haben wir auch getan.“

Aktuell checkt der Bayern-Tross für vier Nächte im luxuriösen „Four Seasons Beverly Hills“ ein, geplant ist unter anderem ein Treffen mit Arnold Schwarzenegger.

Trainer Kovac strebt dennoch eine „optimale Trainingssteuerung“ an. „Man muss zwölf Stunden nach Los Angeles fliegen, man hat neun Stunden Zeitunterschied. Man muss sich akklimatisieren und versuchen, das alles zu drehen“, schilderte der Coach die Problematik. Mit Blick auf die Spiele im Rahmen des International Champions Cups gegen den FC Arsenal (18. Juli, 5 Uhr), Real Madrid (21. Juli, 2 Uhr) und den AC Mailand (24. Juli, 3 Uhr/alle MESZ, Sport1 und DAZN) betont er: „Die Ergebnisse sind sekundär.“ Sportlicher Höhepunkt ist die Partie gegen Real kommenden Sonntag in Houston, am 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung. In Houston ist auch ein Besuch des Nasa-Hauptquartiers vorgesehen.

Um die 17 Profis nicht zu sehr zu belasten, nimmt Kovac acht U19-Spieler mit. Rekordeinkauf Lucas Hernandez setzt sein Reha-Programm in München fort. Seine Kollegen haben in Amerika unter dem Motto „Visiting Friends“ auch abseits des Rasens ein pralles Programm. Neben diversen Marketingterminen und der Nasa steht ein Besuch des Holocaust-Museums in Los Angeles an. Der Rekordmeister eröffnet dort eine Ausstellung zu seinem langjährigen Präsidenten Kurt Landauer.

Der privat von einer Promotionsfirma organisierte International Champions Cup wurde 2013 erstmals als internationale Turnierserie der Sommerpause der großen Fußballligen ausgetragen. Die Spiele finden in diesem Jahr in Amerika, Großbritannien, Schweden und Asien statt. Sieger des Cups ist die Mannschaft, die nach drei Spielen die beste Punkteausbeute und Tordifferenz aufzuweisen hat. Auch der AC Florenz, Benfica Lissabon, Juventus Turin, Inter Mailand, Tottenham Hotspur, Manchester United, Atletico Madrid und der mexikanische Spitzenklub Deportivo Guadalajara nehmen teil.

Im vergangenen Jahr waren noch 18 Klubs dabei, unter anderem Borussia Dortmund. Für jeden Verein bleiben rund fünf Millionen Euro Gewinn übrig. Der Fifa ist der Wettbewerb ein Dorn im Auge. Sie kontert mit der Klub-WM, die ab 2021 zunächst als Pilotprojekt mit 24 Teilnehmern statt im Winter erstmals im Sommer (17. Juni bis . Juli) ausgetragen wird. (mit sid/dpa/jcm)

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