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Uli Hoeneß ist in München nach wie vor omnipräsent.

Bayern München

Seltsame Bayern-Strukturen

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Bayern München hat den Nimbus der Unantastbarkeit verloren. Das liegt auch an den Strukturen auf der Führungsebene. Ein Kommentar.

In München hat der omnipräsente Uli Hoeneß mal wieder den dicken Max gemacht. „Wir sind gerade dabei, unsere Mannschaft zu verjüngen“, sagte der Präsident des FC Bayern und legte nach: „Das ist das größte Investitionsprogramm, das der FC Bayern je hatte.“ Ja mei. 

Für 200 Millionen Euro wollen die Bayern im Sommer shoppen gehen. Die Verpflichtung von Benjamin Pavard (35 Millionen Euro) ist bereits fix, auch HSV-Talent Jann-Fiete Arp kommt dieses oder nächstes Jahr. Interesse besteht an Verteidiger Lucas Hernandez von Atletico Madrid und Außenbahnspieler Nicolas Pépe vom OSC Lille, beide sollen 80 Millionen kosten. Außerdem sind sie scharf auf Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea, den Leipziger Timo Werner, den Leverkusener Kai Havertz und den Frankfurter Luka Jovic. 200 Millionen reichen da nicht, vielleicht das doppelte.

Mit einiger Verspätung leiten die Münchner also das ein, was sie vor ein, zwei Jahren verpasst haben, den großen Umbruch nämlich. In der Retrospektive ist es nahezu absurd, dass die Bayern vor dieser Saison nicht nur die Mannschaft nicht verjüngt und aufgepeppt haben, sondern einen vergleichsweise jungen und auf diesem Niveau gänzlich unerfahrenen Trainer mit der Aufgabe betrauten, irgendwie den Status quo zu wahren. Niko Kovac kann aus dieser Spielzeit immer noch eine gute machen, wenn er den Meistertitel und den Pokal holt, was absolut realistisch ist. 

Aber der Kroate konnte den Münchnern auf internationalem Parkett nicht zu neuem Glanz verhelfen, dazu mangelt es ihm persönlich an einer offensiven Spielidee, und selbst wenn er sie hätte, fehlen ihm die Fußballer, um diese umzusetzen. In der Liga der Könige sind die Bayern in die zweite Klasse versetzt worden, was immer noch ganz schön gut ist. Und doch haben die Münchner den Nimbus der Unantastbarkeit verloren, sie sind verwundbar und verletzlich geworden, dieser große Verein kommt merkwürdig anfällig daher. Intern wird schon wieder über Niko Kovac diskutiert, was nahezu paradox ist: Jeder wusste, was für ein Trainer kommt, und jeder wusste, wie schwer er es mit dieser überalterten Mannschaft haben wird.

Vielleicht liegt das auch an den seltsamen Strukturen auf der Führungsebene. Es ist in der Bundesliga wohl einmalig, dass der Präsident des eingetragenen Vereins, der gleichzeitig Chef des Aufsichtsrats ist, derart öffentlich in Erscheinung tritt wie Uli Hoeneß, sich als Sprachrohr des Klubs gebärden und ganz offenkundig die Vereinspolitik bestimmen kann. Dabei dürfte sich Hoeneß qua seiner Ämter gar nicht ins operative Geschäft einmischen. Aber, na klar, Hoeneß ist Hoeneß. Seine Umtriebigkeit führt dazu, dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic nicht nur ungeheuer blass wirkt, sondern zum Grüß-Gott-August degradiert wurde. Sehr schön abzulesen in Brazzos kurioser Frustrede: „Jede Frage fängt mit Uli Hoeneß an. Uli Hoeneß, Uli Hoeneß, Uli Hoeneß. Das interessiert mich doch nicht, was der Uli Hoeneß gesagt hat.“

Es wird Zeit, dass Oliver Kahn übernimmt. Seit er kein Titan mehr ist, hat er deutlich an Format gewonnen. Im Gegensatz zu anderen bei den Bayern.

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