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Bayerns Torwart Manuel Neuer pariert einen Schuss von Emil Forsberg.

FC Bayern München

Neuers Punktlandung

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Torwart Manuel Neuer meldet sich mit einem famosen Nachweis seiner außergewöhnlichen Klasse beim FC Bayern zurück. 

Er kam als Dressman, er ging als Dressman: Manuel Neuer verließ so aufrechten Hauptes den ihm gut bekannten Spielort des DFB-Pokalfinales, wie er hier eingetroffen war. Die schier endlosen Gänge gehören zum denkmalgeschützten Olympiastadion wie die verspätete Ringbahn zu Berlin, und überlegten Charakteren wie dem Torwart des FC Bayern bieten sie die Gelegenheit, sich beim Gehen richtig groß zu machen. So war der Schlussmann des FC Bayern, von dem es zuletzt vermehrt heißt, er sei nicht mehr der Beste der Welt, zur Pressekonferenz am Freitag gekommen – und so ging er nach dem 3:0-Triumph gegen RB Leipzig am Samstag wieder aus der Spielstätte heraus. In stolzer Pose. Im gedecktem Klubanzug. Mit durchgedrücktem Rücken.

„Es war eine Punktlandung, dass ich spielen konnte. Besser hätte man das Drehbuch nicht schreiben können“, erklärte der Kapitän, der nach sechs Wochen Zwangspause wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade einen Leistungsnachweis erbrachte, der heroischer nicht hätte ausfallen können. „Ich habe in der Woche gut trainiert. Die Mannschaft vertraut mir, der Trainer vertraut mir. Ich war auch vom Kopf her bereit“, erklärte der 33-Jährige. Er redete, als sei ein Kaltstart ohne Praxistest für einen Keeper bei längeren Ausfallzeiten eine Selbstverständlichkeit.

Danach sprach noch Thomas Müller, der neben Uli Hoeneß schon fast fleischgewordene FC Bayern. „Manu hat uns in den entscheidenden Momenten im Spiel gehalten. Es war sicher kein glattes 3:0, wie es jetzt in den Büchern steht. Mit Hilfe von Manu haben wir das Spiel für uns entschieden.“ Die Trophäe zum „Man of the match“ ist hinterher an den Doppeltorschützen Robert Lewandowski gegangen, aber die Doppeltat des Torhüters war spielentscheidender.

Wie der große grüne Mann gedankenschnell mit einer Pranke den Ball nach einem Kopfball von Yussuf Poulsen aus weniger als fünf Metern an die Latte wischte (11.) und bei einem Alleingang von Emil Forsberg seinen breiten und doch so beweglichen Körper bog (48.), wirkte nicht erst in der Superzeitlupe unfassbar stark. Damit hatte Neuer erst das 0:1 und dann ein mögliches 1:1 verhindert. Bayern-Trainer Niko Kovac musste zur Neuer-Nominierung nicht befragt werden, denn er würdigte dessen Anteil gleich im Eingangsstatement: „Ich muss und möchte Manu von ganzem Herzen gratulieren zur Topleistung. Er hat uns in zwei Situationen im Spiel gehalten. Das ist das, was man auf dem Niveau braucht.“ Keine Figur kann ein Fußballspiel mehr beeinflussen als der Torwart.

Kollege Ralf Rangnick, der in seiner zweiten Schalker Amtszeit 2011 mit der außergewöhnlicher Klasse dieses damals noch nicht vollständig ausgereiften Keepers eingehende Bekanntschaft machte, fand die Frage nach Neuers Anteil am Ausgang des lange ausgeglichenen Endspiels ziemlich überflüssig. „Das muss ich doch keinem erzählen. Er hat die Bayern im Spiel gehalten, weil er diese Riesendinger hält.“ Wobei der zerknirschte Leipziger Lehrmeister verschwieg, was seine Feldspieler registriert hatten: Dass Neuer mit seiner Qualität im Spielaufbau einem Gegner den Zahn zieht, der so intensiv presst wie es die energetischen Brausekicker tun. „Neuer bleibt immer ruhig“, lobte Abwehrchef Willi Orban, „das ist Spieleröffnung auf ganz hohem Niveau.“ Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge durfte hinterher zusammenfassen: „Wir hatten mit Manuel Neuer im Tor einen Giganten hinten stehen, der zurecht das Tor der Nationalmannschaft hütet. Besser kann man nicht spielen.“

Tatsächlich hat der 86-fache Nationaltorwart auch die immer häufiger angezweifelte Hierarchie in der DFB-Auswahl vorerst wieder geradegerückt: Der 1,93-Meter-Modellathlet strahlte eine so enorme Präsenz aus, die an weltmeisterliche Tage 2014 erinnerte. Fast parallel musste der verletzte Kronprinz Marc-Andre ter Stegen von der Tribüne im fernen Sevilla ansehen, wie der FC Barcelona den spanischen Pokal verspielte. Der gebürtige Gladbacher hat die EM-Qualifikationsspiele in Weißrussland (8. Juni) und gegen Estland (11. Juni) wegen seiner Knieblessur abgesagt. Neuer sandte hingegen Bundestrainer Joachim Löw ein klares Signal auf die Tribüne des Berliner Olympiastadions, dass auf ihn noch eine Weile länger Verlass sein könnte als viele zuletzt geglaubt hatten. Was nebenbei seinen Heimatverein FC Schalke 04 ein wenig beruhigen könnte: Um einen Alexander Nübel muss sich der FC Bayern (jetzt) noch nicht mit allem Nachdruck bemühen.

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