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Der erste Frust der Saison: Jerome Boateng (r.) und David Alaba trotten vom Platz.

BVB gewinnt Supercup

Bayern München nach Supercup-Niederlage: Viel Klartext und ein Klaps

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Der FC Bayern sucht nach der Supercup-Niederlage in Dortmund noch nach Form und Spielern. Lewandowski erneuert seine Kritik.

Die Ersatzbank war voll, allerdings nur während der Siegerehrung. Da hockten sie also die enttäuschten Stars des FC Bayern und schauten nach dem 0:2 (0:0) im Supercup in Dortmund der jubelnden Borussia bei der Trophäenübergabe zu, während fast zeitgleich Präsident Uli Hoeneß dem Münchner Trainer Niko Kovac einen Klaps auf die Schulter gab. Ganz nach dem Motto: ‚Ach komm, Niko, ist doch nur der Supercup. Das wird schon noch’. In Dortmund vor ausverkauften Zuschauerrängen war es das vom FC Bayern jedenfalls noch nicht.

Am Samstagabend genügte ein Blick auf den Aufstellungsbogen, um zu wissen, dass nicht nur Trainer und Mannschaft ab Dienstag im Trainingslager am Tegernsee eine Menge Arbeit vor sich haben. Kovac nominierte nur 19 statt der neuerdings erlaubten 20 Spieler. Die sieben Reservespieler neben dem erfahrenen Ersatztorhüter Sven Ulreich waren Alphonso Davies, Renato Sanches, Benjamin Pavard, Ron-Thorben Hoffmann, Ryan Johansson, Sarpreet Singh und Jann-Fiete Arp. Sie brachten es im Durchschnitt auf 19,8 Jahre und die Erfahrung von 17,3 Bundesligaspielen.

Lewandowski fordert Profis

Zu wenig, wie der Münchner Robert Lewandowski anschließend fand: „Klar haben die jungen Spieler auf der Bank Potenzial, aber wir brauchen Spieler, die reinkommen und der Mannschaft direkt helfen können“, sagte der einzige echte Mittelstürmer im Kader der Bayern: „Meine Meinung bleibt so, wie ich es vor drei Wochen gesagt habe. Heute war der Zeitpunkt, an dem wir sehen konnten, was passiert, wenn wir nur so viele Profispieler haben.“ Zur Erinnerung: Während der USA-Reise hatte der Pole nachdrücklich Neuzugänge gefordert, um vor allem in der Champions League wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Niederlage beim BVB zeigte zwei Wochen vor dem Bundesligastart die Schwächen des Serienmeisters deutlich offen auf. Vor allem jene, von der Bank kaum nachlegen zu können. Außenstürmer Leroy Sané von Manchester City, der ja angeblich kurz vor der Unterschrift in München stehen soll, zu dem die Münchner Bosse in Dortmund aber nichts mehr sagen wollten, könnte mit Sicherheit auch nur ein Teil der Lösung sein.

Alles schlecht war am Samstag dann aber auch wieder nicht aus Münchner Sicht. Der Doublesieger des vergangenen Jahres hatte eindeutig ein Übergewicht an Ballbesitz und an Torabschlüssen – aber eben auch was haarsträubende Fehler im Aufbau anging. Oder wie Verteidiger Joshua Kimmich, der neue Mister Klartext, analysierte: „Es war nicht nur ein Spieler, der neben sich stand. Es war im Kollektiv so. Und egal gegen welchen Gegner du so viele einfache, individuelle Fehler machst, wird es schwierig ein Spiel zu gewinnen.“

FC Bayern lief ins offenen Messer

Bei beiden Gegentreffern lief der FCB sehenden Auges ins offene Messer, das erinnerte verdächtig an das Zustandekommen der 2:3-Niederlage in Dortmund vergangene Saison. Erst traf BVB-Torjäger Paco Alcacer (48.) und dann der beste Mann auf dem Rasen, Flügelsprinter Jadon Sancho (69.). Das Absurde dabei aus Münchner Sicht: Die Verlässlichkeit in Person, der Spanier Thiago, leitete beide BVB-Tore mit Fehlpässen ein, stand auch sonst völlig neben sich. Kimmich sagte hinterher knallhart: „Es ist ein Muster, wie wir hier in Dortmund unsere Gegentore bekommen. Es ist ein Stück weit naiv, fehlende Konzentration und auch fehlende Qualität. Mittlerweile weiß jedes Kind, dass der BVB konterstark ist.“

Bayern-Trainer Kovac und sein Sportdirektor Hasan Salihamidzic schlugen dagegen anschließend weniger markige Worte an. Während der Coach ein „solides Spiel“ seiner Mannschaft gesehen hatte, verblüffte Salihamidzic doch ein wenig mit folgender Aussage: „Ich kann nicht sagen, dass wir schlechter waren. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, haben viele Fehler gemacht. Aus diesem Spiel können wir viele Erkenntnisse ziehen, aber ich bin nicht nervös.“ Ob er da nicht ein bisschen geflunkert hat?

Doch auch Coach Kovac geht in Sachen Verstärkungen nach dem öffentlichen Rüffel seines Vorstandschefs Karl-Heinz Rummenigge mittlerweile ein wenig subtiler vor. Er sagte zur Personalpolitik der Bayern lediglich: „Der BVB hat eine Topmannschaft – und da haben noch einige gefehlt, die sie verpflichtet haben.“ Indirekt wollte er damit wohl bedeuten, auch ganz gerne noch ein paar Neue in seiner Mannschaft zu sehen. Platz im Kader wäre reichlich. (mit dpa/sid)

Kimmich ist sich keiner Schuld bewusst

Joshua Kimmich wirkte verwundert über die Aufregung. „Im Spiel habe ich mich über die Gelbe Karte beschwert. Jetzt habe ich gehört, dass viele sogar eine Rote gefordert haben“, sagte der Rechtsverteidiger. Mit seiner Aktion gegen Jadon Sancho in der 76. Minute hatte der 24-Jährige nicht nur die Gemüter im BVB-Stadion erhitzt, auch nach dem Spiel blieb sein Tritt auf den Fuß des Engländers ein heißes Thema.

Was war passiert? Kimmich will vor der BVB-Bank einen Einwurf schnell ausführen, Sancho blockiert mit dem Fuß den Ball. Der Münchner lässt sich zu einem Tritt auf den Fuß des Engländers hinreißen. Eine klare Rote Karte. Trotz aller Dortmunder Beschwerden belässt es Schiedsrichter Daniel Siebert mit Unterstützung des Videoassistenten bei Gelb. „Ich wollte beim Einwurf den Ball mit der Sohle zu mir ziehen. In dem Moment stellt Sancho sein Bein dazwischen und ich treffe ihn mit der Sohle“, so Kimmich: „Es war auf jeden Fall keine Absicht. Wenn ich Rot bekommen hätte, dann hätte ich wahrscheinlich getobt.“

Hasan Salihamidzic, Sportdirektor der Bayern, stellte sich nach dem Spiel auf die Seite seines Spielers: „Ich hätte nicht einmal eine Gelbe Karte gegeben.“ Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung des BVB, wollte die Aktion nicht überbewerten: „Ich habe es auf den ersten Blick auch nicht ganz so schlimm gesehen. Es war aber ohnehin nicht entscheidend.“  

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