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Meisterschaftsgewinn im Jahr 2000: Giovane Elber nach dem 3:1 gegen Bremen.

Bundesliga

Endlich wieder Drama in München: Titel oder Pleite?

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Im Jahr 2000 hat der FC Bayern zuletzt die Meisterschaft in den eigenen vier Wänden gefeiert - ein Jahr später war die Wende legendärer. 

Niko Kovac hat sehr feines Gespür bewiesen, als der Trainer des FC Bayern vergangenen Samstag nach der Nullnummer in Leipzig in der Geschichtskiste seines Arbeitgebers kramte: „Vor 19 Jahren hatten wir das zuletzt.“ Ein Meisterstück in den eigenen vier Wänden. Tatsächlich mutet kurios an, dass die Münchner elf der vergangenen Meisterschaften in fremden Stadien ergatterten. Und einmal (2015) sogar auf dem eigenen Sofa. Insofern erfährt der 20. Mai 2000 mal wieder eine besondere Beachtung. Ein Nachmittag, an dem sich der bayrische Himmel stilecht blau-weiß zeigte. Nur wunderten sich die 63 000 Zuschauer im Olympiastadion, als plötzlich eine Cessna dort auftauchte. Dahinter flatterte ein großes Spruchband: „Die Toten Hosen gratulieren dem FC Bayern zur Deutschen Meisterschaft.“

Es gab damals noch keine Handys, mit denen solche Sequenzen überall im Umlauf waren. So dauerte es eine ganze Weile bis herauskam, dass das Kleinflugzeug auch über den Sportpark in Unterhaching geknattert war. Mit derselben Botschaft während der zweiten Halbzeit, die richtig sein sollte: Auf der Zielgeraden hatten es die Bayern wieder einmal geschafft, sich die Schale zu schnappen. 

Spontaner Jubellauf am 19. Mai 2001: Patrick Andersson (l.) schießt die Bayern im Volksparkstadion in letzter Sekunde zum Titel.

Ihre Hausaufgaben im Heimspiel gegen Werder Bremen (3:1) waren im Grunde nach 16 Minuten erledigt, da hatten zweimal Carsten Jancker und Paulo Sergio getroffen. „Nach den schnellen Toren war der Job gemacht. Wir waren zu erfahren, um da noch etwa anbrennen zu lassen“, erinnert sich der Anführer Stefan Effenberg im „Kicker“. Weitaus spannender für alle Beteiligten war, was sich einige Kilometer weiter bei der SpVgg Unterhaching ereignete, die den Tabellenführer Bayer Leverkusen empfingen. Dort unterlief Michael Ballack, der junge Überflieger, der zwei Jahre später zum FC Bayern wechseln sollte, ein unglückliches Eigentor. Und ausgerechnet Markus Oberleitner, ein Hachinger Eigengewächs, der mal ein Jahr bei den Bayern reinschnuppern, aber nie spielen durfte, köpfte nach 72 Minuten noch das 2:0.

Kahn an der Eckfahne

Die mit Stars wie Zé Roberto, Ulf Kirsten, Emerson, Oliver Neuville oder Bernd Schneider gespickte Werkself wirkte ratlos. Auch der emotionale Einpeitscher Christoph Daum, dessen Inthronisierung zum Bundestrainer ein halbes Jahr später von seinem Intimfeind Uli Hoeneß losgetretene Kokain-Affäre verhindert wurde, drang nicht mehr durch.

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Und so gab es in München viel zu feiern: Spieler der Bayern und Hachinger schlossen sich zur Party zusammen. Ganz nebenbei waren auch die Sechziger noch in Feierlaune: Die Löwen hatten sich durch ein 1:1 in Kaiserslautern die Champions-League-Qualifikation gesichert. Es kam zu einer der spontansten Meisterpartys vor dem Rathausbalkon. Niemand konnte ahnen, dass alles fast auf den Tag genau ein Jahr später noch viel dramatischer, tränenreicher wurde. Am 19. Mai 2001 kam es in Gelsenkirchen und Hamburg zu jenem legendären Fernduell, das den FC Schalke 04 zum „Meister der Herzen“ machte. Weil für vier Minuten alle Königsblauen glaubten, sie hätten endlich, endlich diese verdammte Meisterschaft nach 1958 geholt. Doch da lief ja noch die Nachspielzeit in der Partie des HSV gegen die Bayern. Und als denen der Schiedsrichter Markus Merk einen indirekten Freistoß zusprach, weil der Hamburger Ersatztorhüter (und Ex-Schalker) Mathias Schober einen Rückpass (?) mit der Hand aufgenommen hatte, jagte Patrick Andersson die Kugel zum 1:1 durch die Mauer.

Bayern München hat mit Vehemenz Meldungen dementiert, wonach die Trennung von Trainer Niko Kovac am Saisonende bereits beschlossen sei. „Einen solchen Beschluss gibt es nicht. Diese Meldung ist eine totale Ente“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Spox“ und „Goal“ hatten berichtet, dass als Nachfolger der ehemalige Bayern-Profi Mark van Bommel, der aktuell den niederländischen Vizemeister PSV Eindhoven trainiert, der Topkandidat sei.

Zwar verging sich Torwart-Ikone Oliver Kahn in der spontanen Erregung an einer Eckfahne, aber ansonsten ebbte der Jubel in den Katakomben im Volksparkstadion erstaunlich schnell ab. Zu fokussiert waren die Bayern nämlich darauf, nur vier Tage später das Champions-League-Finale zu gewinnen und die Schmach von 1999 zu tilgen. Was ihnen auch gelingen sollte. Insofern erinnern sich die bayrischen Protagonisten viel lieber an die meisterliche Sause aus 2000. Aufgeklärt wurde übrigens nie, wer damals das unbekannte Flugobjekt in den Luftraum entsandt hatte. Das Management der Toten Hosen, die zuvor das von Hoeneß als sehr anstößig empfundene Leid „Ich würde nie zum FC Bayern München geh’n“ herausgebracht hatten, dementierte hartnäckig.

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