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Die Strahlkraft eines Philippe Coutinho ist gewaltig.

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Bayern München: Die Liga kann sich freuen

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Vorausschauende Kaderplanung geht anders. Und noch einmal werden sich die Münchner die Versäumnisse ihres Manager-Lehrlings Salihamidzic nicht leisten können. Ein Kommentar.

Eines steht mal fest: Die Strahlkraft eines Philippe Coutinho ist gewaltig. Der Brasilianer gibt einer dieser Ballartisten, für den die Zuschauer ins Stadion kommen. Sein Spitzname spricht für sich. „O Magico“. Der Zauberer. Oder „Little Magician“. Kleiner Magier. Nun ist es Hokuspokus, dass der 27-jährige Künstler nach München kommt. Sondern neben den beim FC Bayern offenbar genauso üppigen Verdienstmöglichkeiten wie beim FC Barcelona - dort soll das Jahresgehalt 13,7 Millionen Euro betragen - weiß der Ausnahmespieler, dass ihn ein weiteres Jahr im Schatten von Lionel Messi, Luis Suarez und vielleicht bald auch Neymar nicht guttun würde. Die englische Premier League, aus der er für die sagenhafte Summe von 145 Millionen Euro erst in die spanische La Liga wechselte, hatte das Transferfenster dummerweise schon geschlossen, um noch einen Ausweg aus seiner persönlichen Misere zu finden. Es kamen glückliche Umstände zusammen, dass die Münchner diesen Deal abwickeln konnten, den bezeichnenderweise Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge direkt bei den Barça-Bossen dingfest machte. Sportvorstand Hasan Salihamidzic hätte mit seiner naiven Hemdsärmeligkeit womöglich sonst auch auf dieser Ebene noch etwas verbockt.

20 Millionen - als Leihgebühr für eine Saison

Ein Schnäppchen ist Coutinho natürlich nicht: 20 Millionen Euro Leihgebühr sind für eine Saison auch kein Pappenstiel. Und wenn die Bayern die Kaufoption ziehen, müssten sie erstmals in der Geschichte einen dreistelligen Millionenbetrag hinblättern. Dennoch frohlockt sogar Obermacker Uli Hoeneß, der noch vor zwei Jahren vollmundig versprochen hatte, dass sein Klub diesen Größenwahn auf dem Transfermarkt nicht mitmachen werde. Doch seitdem die Bayern-Jugend keine neuen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, David Alaba oder Thomas Müller mehr hervorbringt und das Scouting nicht gut genug ist, um Kaliber wie Jadon Sancho in den Nischen der Konkurrenz aufzuspüren, ist die teure Shoppingtour unvermeidlich. Noch kann es sich der Rekordmeister dank seines üppig gefüllten Festgeldkonto leisten, seine mühsam verdienten Reserven anzuzapfen. Aber fragwürdig wirkt die späte Shoppingtour ja schon.

Warum beispielsweise die Münchner erst jetzt den talentierten Franzosen Mickael Cuisance für die vergleichsweise läppische Summe von zehn Millionen Euro vom Liga-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach loseisen und ihm einen Fünfjahresvertrag geben, wirkt kaum nachvollziehbar. So hat der 20-Jährige die komplette Vorbereitung in München versäumt und wird sich im Luxuskader hintenanstellen müssen. Nein. vorausschauende Kaderplanung geht anders. Und noch einmal werden sich die Münchner die Versäumnisse ihres Manager-Lehrlings Salihamidzic nicht leisten können, erst kurz vor Toreschluss nachzubessern. Borussia Dortmund hat am ersten Spieltag Ausrufezeichen in Form von fünf Toren gegen den FC Augsburg gesetzt. Ansonsten lobte der neue Borusse Julian Brandt wie so viele überschwänglich die Qualitäten des neuen Superstars Coutinho. Soll nur niemand glauben, dass der BVB jetzt vor Ehrfurcht in die Knie geht. Im Gegenteil: Die nicht frei von Panikattacken getätigte FCB-Transferoffensive wird den einen oder andern in Dortmund noch mehr anstacheln. Auch darauf darf sich die Bundesliga übrigens schon freuen.

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