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Manuel Neuer fährt mit seinem Auto zum Training

Vertragsverlängerung

Schlechtes Timing von Manuel Neuer

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In einer Phase, in der sich Menschen berechtige Sorgen um ihre Zukunft machen, ganze Berufszweige dicht machen und viele nicht wissen, wie sie ihre Miete zahlen können, sind Gehälter von 20 Millionen Euro pro Jahr der Gesellschaft nicht vermittelbar. Der Kommentar.

Wie groß wäre der öffentliche Aufschrei über das angeblich geforderte Jahressalär eines Manuel Neuer von 20 Millionen Euro gewesen, wenn es das leidige Cornavirus nicht gegeben hätte? Wenn der Ball noch vor Publikum rollen würde? Wenn also alles so wäre, wie immer?

Vermutlich hätte sich kaum ein Mensch groß aufgeregt. Gut, 20 Millionen sind eine Stange Geld, selbst für den FC Bayern. Aber hey, dafür steht der Welt bester Torwart unter der Latte, Qualität kostet, international werden solche Summen regelmäßig aufgerufen, Stürmer Robert Lewandowski soll ähnlich kassieren. Man kann das mit vielen guten Gründen für absurd, pervertiert, als ohne Maß empfinden, was es auch ist, der Markt aber gebe es her, warum also nicht fordern?

Manuel Neuer: Vertragverhandlungen sind öffentlich geworden

Der große Unterschied: Die aktuellen Vertragverhandlungen des Manuel Neuers mit dem Branchenführer sind zu einer absoluten Unzeit öffentlich geworden. In einer Phase, in der sich Menschen berechtige Sorgen um ihre Zukunft machen, ganze Berufszweige dicht machen, Rettungspakete in Milliardenhöhe geschnürt werden und viele nicht wissen, wie sie ihre Miete zahlen können, sind Gehaltszahlen dieser Größe der Gesellschaft nicht vermittelbar, unabhängig davon, ob die überlieferten Zahlen der Wahrheit entsprechen. Und genau dieses schlechte Timing hat die Neuer-Seite gehörig in die Bredouille gebracht: Der 34 Jahre alte Ballfänger steht jetzt als eiskalter Raffzahn da, der den Hals nicht voll bekommen kann, als rücksichtsloser Abzocker, als Buhmann. So viel Unmut und Unverständnis hat Manuel Neuer lange nicht mehr zu spüren bekommen. Und deshalb haben Neuer und Berater just jenem Medium ein Interview gegeben, das diese Interna der Verhandlungen veröffentlicht hat. Um das rapide gesunkene Ansehen des ansonsten so diplomatisch daherkommenden Torwarts aufzupolieren. Berater Thomas Kroth ist klug genug zu wissen, dass die seltsamen Vertragsverhandlungen das Image des Saubermannes schwer angekratzt hat. Er steuert dagegen.

Manuel Neuer und FC Bayern München: Weitere Zusammenarbeit geplant

Dabei wollen beide, Bayern und Neuer, weiter miteinander arbeiten, vielleicht nicht fünf Jahre lang und nicht für 100 Millionen Euro, aber grundsätzlich schon. Dass es dennoch im Binnenverhältnis nicht zum besten zu stehen scheint, ist offenkundig. Neuer hat die Verpflichtung seines möglichen Nachfolgers Alexander Nübel als Vertrauensbruch aufgefasst, ebenso die - bei den Bayern nicht unüblichen - Durchstechereien. Wie beide Parteien angesichts einer wegen der Coronakrise veränderten Geschäftsgrundlage die Kuh vom Eis bekommen wollen, bleibt spannend.

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