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Es könnte ungemütlich werden: Bayern-Trainer Niko Kovac.

Bayern München

Die kleinen Bayern

Nicht mal Uli Hoeneß spuckt mehr große Töne, dafür setzt er Trainer Niko Kovac unter Druck.

Am Tag vor dem großen Spiel hat auch Uli Hoeneß gesprochen. Am Flughafen in München blieb der Präsident des FC Bayern vor den Reportern stehen, es war ein harmloser Auftritt, er redete weniger als zwei Minuten. Doch irgendwann rutschte Hoeneß ein Satz heraus, den er sofort korrigierte. „Wir haben seit Wochen bis auf die zweite Halbzeit in Leverkusen guten Fußball gespielt“, sagte er, ergänzte dann aber eben: „Erfolgreichen Fußball, nicht immer gut, aber erfolgreich.“

Es ist bemerkenswert, dass der größte deutsche Fußballverein gerade an einem Punkt angekommen ist, an dem sich nicht einmal mehr der Präsident traut, den eigenen Fußball als gut zu bezeichnen. Nur hat der FC Bayern diesen Punkt dummerweise vor dem heutigen Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Liverpool (21 Uhr/Sky) erreicht, weshalb sich die Frage aufdrängt: Sind die Bayern gut genug, um in Liverpool zu bestehen?

Am Flughafen deutete Hoeneß an, dass er sich da selbst nicht ganz sicher ist. „Danach wissen wir, wie wir international stehen“, sagte er. Seine Ungewissheit hielt ihn jedoch nicht davon ab, den Erfolg der ganzen Saison mit dem Duell gegen Liverpool zu verknüpfen. „Mit so einem Spiel“, sagte er, „könnte man die Saison zu einem guten Ende bringen.“

Und obwohl er seine kurze Ansprache am Flughafen eigentlich damit eingeleitet hatte, dass das Spiel in Liverpool „mit dem Trainer zunächst mal gar nichts zu tun hat“, setzten seine Aussichten natürlich genau diesen unter Druck. Für den FC Bayern mag das Achtelfinale in Liverpool das größte Spiel der Saison sein, für den Trainer Niko Kovac ist es das größte seiner Karriere.

In seiner ersten Saison in München hat sich Kovac in eine Lage manövriert, aus der es keine einfachen Auswege gibt. Er muss eine Abwehr stabilisieren, die vor erst vier Tagen gleich zweimal vom FC Augsburg überrumpelt worden ist – und das fast ohne Alternativen: Innenverteidiger Jerome Boateng, zuletzt nur Ersatz, reiste nicht mit nach England, weil ihn ein Magen-Darm-Infekt plagt. Damit bleiben Kovac auf dieser Position Niklas Süle und Mats Hummels – außer er will Javi Martinez in die Abwehr zurückziehen.

Probleme türmen sich auf

Und auch in Kovac‘ Angriff, der in diesem Jahr immerhin 17 Tore in sechs Spielen eingesammelt hat, droht plötzlich ein Personalproblem. In Augsburg verletzte sich der formstarke Kingsley Coman am Knöchel. Einsatz ungewiss. „Es ist ein bisschen besser geworden“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic vor dem Abflug. „Wir haben noch 36 Stunden, da kann viel passieren. Es sieht positiv aus.“ Sollte Coman aber ausfallen, muss Kovac sich etwas einfallen lassen, denn: Thomas Müller ist gesperrt (in Amsterdam sah er Rot) – und gestern vermeldeten die Bayern, dass Franck Ribéry vorerst in München geblieben ist, weil er mit seiner Frau das fünfte gemeinsame Kind erwartet. Ribéry soll der Mannschaft hinterherreisen, doch für Kovac verkompliziert sich die Situation: In einer Offensive, die mehr von ihren Einzelkönnern lebt als von ihrem System, könnten plötzlich die Einzelkönner fehlen.

Die Probleme des FC Bayern türmen sich schon auf – und die Fähigkeiten der Liverpooler sind noch nicht einmal erwähnt: die Wucht ihres Pressings, die Geschwindigkeit ihrer Stürmer. Man darf jedoch nicht vergessen, dass auch Jürgen Klopp, der Trainer des FC Liverpool, Lücken zu füllen hat. Weil sein bester Verteidiger Virgil van Dijk gesperrt ist, stellt er vermutlich Joel Matip auf, der höchsten Ansprüchen nicht genügt. Das gilt an manchen Tagen für die ganze Abwehr.

Am Flughafen hat Präsident Uli Hoeneß dann übrigens noch gesagt, dass sein Wunschergebnis ein 1:1 wäre. Ob er nicht gewinnen wollte, hat ihn ein Reporter verwundert gefragt, worauf Hoeneß nur sagte: „Sie sind überheblich, wir nicht.“

Von Christopher Meltzer

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