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Niko Kovac kann seinen ersten Titel holen.

Niko Kovac

Bayern gegen Eintracht: Niko Kovac gegen seine alte Liebe

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  • Jonas Austermann
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Eintracht-Vorstand Fredi Bobic und Bayern-Trainer Niko Kovac eint eine Freundschaft – zurzeit ruht sie.

Niko Kovac verschanzte sich geschickt in der Defensive, hinten gut stehen, das kann er, der Bayerntrainer, nur mit dem kreativen Offensivspiel hapere es doch so arg. So lautet ja einer der Hauptvorwürfe, spielt aber hier keine Rolle. Niko Kovac also bügelte all die Fragen zu seiner Zukunft, zu den Diskussionen um seine Person, zum Verhältnis zu den Münchner Bossen, die ihn so ungeniert alleine im Regen und ziemlich bedröppelt dastehen lassen, locker ab. „Interessiert mich wirklich nicht“, sagte er tapfer lächelnd. Er lasse das alles nicht an sich herankommen. „Mir geht es gut. Ich schaue doch auch ganz normal aus, oder?“ Selbst das war mal anders, in der Herbstkrise der Bayern sah er mit seinem grauen Fünf-Tage-Bart ganz schön angeschlagen aus. Heute wirkt er frisch und vital.

Wie es dem 47-Jährigen vor dem Meisterschaftsendspiel am Samstag gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt aber wirklich geht, wie er sich fühlt, das offenbarte er gestern in einem emotionalen Monolog, als er während der Pressekonferenz zu den Lehren aus seiner ersten Saison an der Säbener Straße befragt wurde.

Niko Kovac kann seinen ersten Titel für die Bayern holen

„Es war sehr aufschlussreich, sehr lehrreich. Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, Mensch zu bleiben. Der Mensch ist schon eine sehr, sehr schwierige Spezies“, führte er, etwas kryptisch, aus. Was er denn genau meine, hakte ein Journalist nach. Auch da blieb der Kroate im Ungefähren: „Ich glaube, Sie können sich einen Reim draufmachen.“ Augenscheinlich haben dem Fußballlehrer die vergangenen Wochen mit den vielen Spitzen, der Kritik und der Mäkelei an seiner Person und den merkwürdigen Äußerungen seiner Vorgesetzten doch mehr zugesetzt als gedacht; Kovac, ein Kontrollfreak, der vieles hinter einer eisernen Fassade verbirgt, hat nach Außen stets Haltung bewahrt, zuletzt erhielt er auch sehr viel Zuspruch von Experten und Ex-Profis, die den Umgang der Bayern-Oberen mit ihm geißelten.

Und nun platzte es aus ihm heraus – auf eine Art, die typisch ist für den gläubigen Christen. „Jetzt denken Sie, Herr Kovac ist ein Moralapostel“, hob er an. „Aber ich bin so. Ich bin so erzogen worden. Ich habe immer gesagt, so wie ich jemanden behandeln möchte, möchte ich auch behandelt werden.“ Und weiter: „Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel. Wenn ich Ihnen eine kleben würde, dann wären das kurzzeitig Schmerzen. Aber wissen Sie, was das Schlimme ist: die Seele. Das tut viel mehr weh, das geht nicht weg. Deswegen gibt es heute so viele Depressionen und Krankheiten. Wir müssen mehr den Menschen sehen und nicht noch mehr drüberfahren und draufhauen. Unsere Welt muss besser werden. Wir müssen Empathie an den Tag bringen.“ Da fühlt sich einer ungerecht behandelt und an den Pranger gestellt – und antwortet, wie so oft, mit der moralischen Keule, die zum Rundumschlag ansetzt, aber niemanden so richtig trifft, weil sie auf alle und niemanden gerichtet scheint.

Dabei, und das sollte man nicht vergessen, kann Niko Kovac am Samstag seinen ersten Titel als Bayerntrainer holen, die deutsche Meisterschaft. Voraussetzung ist ein Sieg über die Eintracht, deren lebenslanges Mitglied er ist. Die Partie birgt eine gewisse Brisanz, denn im umgekehrten Fall kann ausgerechnet die Eintracht, ihren früheren Trainer zu Fall bringen.

Enge Freundschaft mit Fredi Bobic

Denn: Gewinnt Frankfurt in der Fröttmaninger Arena und versaut dem Rekordmeister den Titel, dürfte Kovac kaum eine Zukunft haben, dann wäre sein Ende wohl besiegelt. Ein pikantes Aufeinandertreffen, zumal Kovac nach Frankfurt beste Kontakte hält, mit Vorstand Axel Hellmann kommuniziert er regelmäßig, mit Sportchef Fredi Bobic verbindet ihn eine tiefe Freundschaft.

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In seiner schwersten sportlichen Stunde erhielt Kovac Zuspruch vom einstigen Mitspieler bei Hertha BSC. Nach dem bitteren 3:3 gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf im November telefonierten beide. „Fighte! Geh deinen Weg! Zieh es durch! Egal, wie viele Anfeindungen da kommen und was sie dir erzählen wollen: Du bist ein guter Trainer, du bist eine Persönlichkeit“, habe Bobic geraten. So ähnlich äußerte sich der Eintracht-Sportchef jetzt im „Kicker“: „Im Herbst ging es Niko wirklich nicht gut, das habe ich gespürt. Aber jetzt hat er sich freigeschwommen. Größte Hochachtung, wie er sich herausgekämpft hat.“ Und am Samstag? Wird Bobic vom Seelenstreichler zum Jobkiller?

Die Freundschaft der beiden überstand sogar den Kovac-Wechsel nach München. Der Kroate informierte seinen Vorgesetzten damals nicht persönlich über seine Absichten, sondern stellte die Frankfurter Funktionäre vor vollendete Tatsachen. Bobic nahm ihm das übel, es taten sich Risse auf im Binnenverhältnis. All das ist mittlerweile vergessen, spätestens nach dem DFB-Pokaltriumph vor einem Jahr. Vor dem großen Finale morgen herrscht aber Funkstille zwischen den Kumpels, und Kovac sagt: „Ich kann keine Rücksicht darauf nehmen, wer auf der anderen Seite steht.“ Umgekehrt gilt das freilich ebenso.

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