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Gleich dreimal trifft Bayerns Spielmacher James Rodríguez gegen wehrlose Mainzer.

Bundesliga

Bayern München schickt Mainz 05 böse baden

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Nach dem K.o. gegen Liverpool können die Bayern ihren Frust beim 6:0 gegen wehrlose Mainzer wegschießen.

Der schon seit Wochen unverkennbare Abwärtstrend bei Mainz 05 hält an und mündete in einer 0:6 (0:3)-Blamage beim FC Bayern München. Es war die sechste Niederlage im siebten Spiel und zudem die höchste Bundesliga-Niederlage der Nullfünfer. Und sie war diesmal nah an der unteren Peinlichkeitsgrenze für Lizenzmannschaften in der Fußball-Bundesliga. Es wird eine unangenehme Länderspielpause in Mainz. Trainer Sandro Schwarz war ziemlich bedient: „Wir haben zu viel begleitet in den Zweikämpfen, ohne zuzustechen. Das war viel zu passiv.“

Die Gäste hatten sich für ihre babyblaue Auswärtskluft entschieden, was sich bald als passende Ausrüstung erweisen sollte. Denn das, was die Mannschaft von Schwarz in der Münchner Arena präsentierte, sah phasenweise verdächtig danach aus, als hätten sie die imaginären Windeln gestrichen voll. Schwarz blieb schon zur Pause gar nichts anderes übrig, als beim Spielstand von 0:3 den defensiven Mittelfeldspieler Kunde für die offensivere Kraft Jean-Paul Boetius zu bringen. Es konnte schon zu diesem Zeitpunkt nur noch um (dann allerdings vergebliche) Schadensbegrenzung gehen, zu sehr war Mainz 05 vom FC Bayern an die Wand gespielt worden und wurde danach gar vollkommen zerlegt.

Der Wechsel Kunde für Boetius mündete allerdings erst einmal darin, dass der Neue gemeinsam mit dem diesmal aufgrund seiner vermeintlichen Defensivstärke links hinten platzierten Mainzer Verteidiger Moussa Niakhaté vom Münchner James düpiert wurde. Aus dem Stand ließ der Linksfuß die beiden vollkommen überforderten Kontrahenten stehen wie picklige Schulbuben auf dem Pausenhof eines Mädchengymnasiums und schlenzte den Ball am bedauernswerten 05-Keeper Florian Müller ins lange Eck. Das passierte nach 53 Minuten, und schon zwei Minuten später war James zur Stelle, um sein drittes Tor an diesem Abend zu machen. Wieder stand der umfangreich indisponierte Franzose Niakhaté neben sich, sein nachlässiger Pass wurde vom Nebenmann Alexander Hack veredelt, der sich den Ball einfach abnehmen ließ, James lupfte diesen über den verzweifelt herausstürzenden Müller ins Mainzer Tor.

Mainz ist schwach im Fehlerausbügeln

Vor der Pause hatten die Mainzer „nur“ drei Treffer kassiert, beim 0:1 nach bloß drei Minuten ließen Hack und Stefan Bell den Münchner Mittelstürmer Robert Lewandowski fast unbemerkt zwischen sich schleichen. Beim 0:2 schauten Danny Latza und Niakhaté freundlich und rücksichtsvoll aus angemessener Mitteldistanz zu, wie Jo Kimmich mit links flankte, ehe James das 2:0 erzielen durfte, vor dem 3:0 der Bayern verlor Karim Onisiwo völlig ohne Not den Ball gegen Thiago. Gegen aufgerückte Mainzer traf dann Kingsley Coman zum 3:0. Es hätten natürlich noch ein paar Tore mehr sein können.

Auf der anderen Seite kamen die Rheinhessen nur sporadisch nach vorn. Als Manuel Neuer in einem Anflug von Arroganz im eigenen Strafraum herumpassen wollte, hätte Boetius das fast ausnutzen können. Aber eben auch nur fast, Neuer bügelte seinen Fehler selber wieder aus.

Die Mainzer waren schwächer im Fehlerausbügeln, Sandro Schwarz sah sich gezwungen, nach einer guten Stunde den unsichtbaren Mittelstürmer Jean-Philippe Mateta durch den Linksverteidiger Aaron ersetzte. Damit waren die netten Gäste deutlich defensiver aufgestellt als noch zu Spielbeginn. Freundlicherweise ließen es die weitgehend gesättigten Bayern vorübergehend etwas gemächlicher angehen.

Allerdings wirklich nur vorübergehend. In der 70. Minute war mal wieder Land unter im vom Dauerregen aufgeweichten Mainzer Strafraum. Dem gerade eingewechselten Alphonso Davies, Supertalent aus Kanada und gerade 18 Jahre alt, war es vorbehalten, in der 70. Minute das halbe Dutzend vollzumachen. Schwarz brachte dann auch noch Giulio Donati (defensiv) für Levin Öztunali (offensiv). Mainz rührte nun endgültig Beton an und blieb dann unversehrt.

Bayern-Trainer Niko Kovac lobte den dreifachen Torschützen zurückhaltend: „Ich will nicht zu viel sagen, damit nicht ein Spannungsabfall passiert.“ Da kennt einer seinen Pappenheimer James sehr genau.

Thomas Müller sagte hinterher, es sei eine „Duftmarke“, zum dritten Mal in Folge (nach dem 5:1 in Mönchengladbach und dem 6:0 gegen Wolfsburg) fünf oder mehr Tore in der Bundesliga erzielt zu haben. „Für Mainz war es kein Leckerbissen.“ Da hatte er zweifellos Recht: Es war nicht mehr als ein feuchter Knochen. Und ohne Regen wäre es gar bloß ein knochentrockener Knochen gewesen.

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