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Karl-Heinz Rummenigge demonstriert am Tag danach gute Laune. 

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Baustelle FC Bayern

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Nach der Trennung von Trainer Niko Kovac gibt man sich in München trotzdem gut gelaunt. Doch die Probleme beim Fußball-Rekordmeister sind keine kleinen. Der Kommentar.

Der Tag nach dem Beben an der Säbener Straße blieb einer ohne weitere Erschütterungen – und mit scheinbar gut gelaunten Chefs. „Guten Morgen“, grüßte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, als er um Viertel nach neun sein Auto mit einem kurzen Lächler im Gesicht in die Tiefgarage der Vereinszentrale von Bayern München lenkte. Um 11.11 Uhr fuhr auch Präsident Uli Hoeneß vor und versicherte, seine Laune sei „trotzdem gut“.

Trotzdem also, damit meinte der in zehn Tagen scheidende Oberboss zuvorderst natürlich die Trennung von Trainer Niko Kovac, die unausweichliche Trennung, die nach dem 1:5 in Frankfurt mit viel Wohlwollen noch ein wenig hätte aufgeschoben werden können, aufgehoben aber nicht. Selbst Uli Hoeneß, der mächtigste Mann unter den vielen Münchner Machtmenschen, konnte nichts mehr für seinen Kumpel Kovac tun. Seinen Widerwillen ob der Entscheidung drückte er immerhin darin aus, in der offiziellen Abschiedsmitteilung als einziger der Chefs nicht zu Wort zu kommen.

Hasan Salihamidzic mit alten Statements

Stattdessen äußerte sich Brazzo, also Sportdirektor Hasan Salihamidzic, was ja selten die allerbeste Idee ist, und auch in diesem Fall in einem schmunzelwürdigen, wenngleich der PR-Abteilung zuzuschreibenden Fauxpas endete. Denn Salihamidzic ließ sich exakt mit jenen Worten zitieren („Ich erwarte jetzt von unseren Spielern eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen“), die im September 2017 auch Rummenigge beim Abschied von Carlo Ancelotti gewählt hatte – aber das nur nebenbei.

Denn viel wichtiger: Die Beziehung des Fußballlehrers Kovac zum FC Bayern und umgekehrt war in den zurückliegenden eineinhalb Jahren nie zärtlich, nur zweckmäßig. Wie ein lang anhaltender Krampf, der zwar immer mal an Intensität einbüßt, aber stets schmerzhaft wiederkehrt. Der lehrende Fußballarbeiter, das hatte sich früh angedeutet – ehrlicherweise schon zu seiner Dienstzeit bei Eintracht Frankfurt – und darf im Nachhinein als Fazit seines Münchner Wirkens festgehalten werden, war für die riesige Kragenweite des bayerischen Weltklubs schlicht zu klein.

Es bleibt fast nur ein Trainer aus dem Ausland

Was zum zweiten Punkt führt, den Hoeneß - ob bewusst oder unbewusst – mit seinem „trotzdem“ gemeint haben dürfte: die Nachfolgersuche. Sie ist eine nicht unkomplizierte für den FC Bayern. Denn, wie schon nach dem Rauswurf Ancelottis, hat gerade der nationale Trainermarkt wenig zu bieten. Die besten deutschen Übungsleiter, ob nun Jürgen Klopp, Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel, sind bei anderen Klubs unter Vertrag und kaum zu bekommen.

Ebenso verbietet sich nach dem Kovac-Wagnis ein ähnlicher Versuch mit einem eher unerfahrenen Mann fast von selbst. So bleibt das Ausland, so kommen aber einige Zwickmühlen auf die Münchner zu. Denn die vermeintlich besten Kandidaten, Erik ten Hag und Mauricio Pochettino, sind bei anderen Topklubs angestellt, wären somit wohl nur mit viel Geld oder Geduld oder beidem zu kriegen. Die frei verfügbaren Trainer wie José Mourinho oder Massimiliano Allegri dagegen stellen ein wesentlich höheres Risiko dar. Der eine ist die Selbstverliebheit in Person, der anderen trainierte noch nie außerhalb des italienischen Stiefels.

Die gute Laune der bayerischen Bosse dürfte also eine vorgegaukelte sein.

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