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Der 80-Millionen-Mann: Lucas Hernandez.

Bayern München

FC Bayern auf neuen Wegen: Schluss mit dem Theater und Warten auf Sané

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Der FC Bayern München will mit Harmonie und einem kleinen Kader seine großen Ziele erreichen. Zwei Titel sollten es wieder sein.

Niko Kovac hat seine Geburtsstadt Berlin vor 13 Jahren verlassen. Erst kickte er für Salzburg, dann wechselte er ins Trainergeschäft. In seiner neuen Funktion zieht es ihn regelmäßig in die Heimat zurück – mit Erfolg. Im Mai 2018 schaffte Kovac mit Eintracht Frankfurt die Sensation, schlug den FC Bayern im Pokalfinale. Ein Jahr später vergoldete der Kroate, mittlerweile als Münchner Trainer, seine Premierensaison mit dem Double. Mit dem 3:0 im Endspiel gegen Leipzig sicherte er zugleich seinen Job. Das belastete Verhältnis zu Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wird Kovac aber auch in seiner zweiten Bayern-Saison auf Trab halten. Es gilt: Zwei Titel sollten es wieder sein – mindestens.

Wie ist die Stimmung?
Erwartungsvoll. Die Freude über das erste Double seit 2016 währte in München nicht allzu lange. Zu schmerzhaft war im Rückblick vor allem für Rummenigge das frühe Scheitern in der Champions League. Dass der Bayern-Schreck FC Liverpool den Henkelpott gewann, ist für den Vorstandschef nicht groß von Belang. Er sagte im Klubmagazin: „Der FC Bayern wird den Fokus auf die Champions League wieder deutlich schärfen.“ Und es bahnt sich eine weitere Baustelle an: Präsident Uli Hoeneß (67) soll laut „Bild“-Zeitung im November nicht erneut zur Wahl für eine weitere Amtszeit als Präsident antreten. Neuer starker Mann könnte der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer (65) werden.

Wie stark ist der Kader?
Mit Mats Hummels, Rafinha, Franck Ribéry, Arjen Robben und James Rodriguez hat jede Menge Erfahrung den FC Bayern verlassen. Außer Innenverteidiger Hummels ist unter den Abgängen aber keine unumstrittene Stammkraft. Mit Lucas Hernandez (80 Millionen, Atlético Madrid) und Benjamin Pavard (35 Mio., VfB Stuttgart) kamen zwei Weltmeister. Beide sind im Abwehrzentrum und auf einer Außenverteidigerposition einsetzbar. Die Franzosen stehen beispielhaft für den Spielertyp, dem in München die Zukunft gehört. Höchste Priorität hat für Hasan Salihamidzic die Vielseitigkeit. Der Kader soll schmal gehalten werden, um unzufriedene Stars zu vermeiden. Der Sportdirektor erklärte: „Wir müssen dem Trainer auch die Möglichkeit geben, gute Stimmung in der Mannschaft zu haben – und nicht nur Theater.“

Worauf steht der Trainer?
In der Vorsaison wurde Kovac wiederholt vorgeworfen, er habe keinen ausgereiften Offensivplan. Im Vorwärtsgang setzt der Trainer stark aufs Flügelspiel, bei Angriffen durchs Zentrum besteht Steigerungsbedarf. Kovac wechselte in seiner ersten Bayern-Saison zwischen 4-2-3-1 und 4-3-3, in der Vorbereitung bevorzugte er letztere Formation. Die Erkenntnisse der Supercup-Niederlage gegen Dortmund (0:2) dürften den Münchner Coach zum Nachdenken bringen.

Wo hapert’s noch?
Der Rekordmeister sucht weiterhin nach Verstärkungen für die Flügel und das Mittelfeldzentrum. Leroy Sané (23, Manchester City) hat oberste Priorität, außerdem hat der FC Bayern Hakim Ziyech (26, Ajax Amsterdam) und Leipzigs Timo Werner (23) auf dem Schirm. Für die Zentrale könnte Marc Roca (22, Espanyol Barcelona) kommen.

Wer sticht heraus?
Renato Sanches. Der Portugiese mit den Rasta-Zöpfen beklagte gegen Ende der vergangenen Saison deutlich, dass ihm die Einsatzzeiten nicht reichen. Kein Wunder, mit 21 Jahren steht für Sanches die eigene Weiterentwicklung im Fokus. Vor der USA-Tour sah alles nach einem Abschied des begabten Mittelfeldspielers aus, bereits im Vorfeld der Reise führten die Münchner Verantwortlichen aber gute Gespräche mit Sanches. In Los Angeles besiegelte Rummenigge bei einer Tasse Kaffee mit dem Portugiesen die weitere Zusammenarbeit endgültig. Der Vorstandschef sagte: „Als er mit 18 Jahren kam, war er noch so ein bisschen ein Junge. Jetzt ist er ein gestandener Mann, auch so wie er Fußball spielt.“ Sanches überzeugte in vielen Testspielen, bringt mit seinem Antritt und der robusten Zweikampfführung Elemente ins bayerische Mittelfeld, die dort nicht weit verbreitet sind.

Wie geht’s dem Schatzmeister?
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen ist an der Säbener Straße für die Finanzen zuständig. Im November 2018 durfte er mal wieder einen Rekordumsatz (657 Millionen Euro) verkünden, insgesamt erwirtschaftete der Klub fast 30 Millionen Gewinn. Diese Summe war im Sommer schnell aufgebraucht. Hernández, Pavard und Arp kosteten zusammen fast 120 Millionen. Das dürfte Sané alleine kosten – hinzu kommen wohl zwei weitere Neuzugänge. Für Einnahmen sorgten bislang Hummels (für 30 Millionen zu Borussia Dortmund) und Nachwuchsmann Marco Friedl (3,5 Millionen, Werder Bremen).

Was ist drin?
Im Kampf um die Meisterschaft setzten sich die Münchner zuletzt mit nur zwei Punkten Vorsprung vor dem BVB durch. Beide Klubs leisteten sich nur vier Niederlagen – gut möglich, dass erneut eine ähnlich makellose Bilanz her muss. Die Konkurrenz an der Ligaspitze wird in jedem Fall stärker, Leipzig und Leverkusen könnten oben anklopfen, Dortmund bleibt der schärfste Konkurrent. Die Schale alleine reicht traditionell nicht, Kovac muss auch in der Champions League und dem DFB-Pokal liefern.

Zu- und Abgänge bei Bayern München

Zugänge:  Lucas Hernandez (Atletico Madrid), Fiete Arp (Hamburger SV), Benjamin Pavard (VfB Stuttgart)

Abgänge:  Mats Hummels (Borussia Dortmund), Wooyeong Jeong (SC Freiburg), Adrian Fein (Hamburger SV, zuvor an den SSV Jahn Regensburg verliehen), James Rodriguez (Real Madrid, Leihe beendet), Marco Friedl (SV Werder Bremen, nach Leihe fest verpflichtet), Franck Ribery (unbekannt), Rafinha (Flamengo Rio de Janeiro), Arjen Robben (Karriereende)

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