Trifft und trifft und trifft: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski (Mitte) hat nun 30 Saisontore erzielt. dpa
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Trifft und trifft und trifft: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski (Mitte) hat nun 30 Saisontore erzielt. dpa

FC Bayern kurz vor dem Titel

FC Bayern: Die Jagd nach der 101

  • vonHanna Raif
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Der Titel ist für den FC Bayern nur noch Formsache, ein Rekord von 1972 insgeheim das Ziel. Am Mittwoch wartet aber erstmal das Pokalduell gegen Eintracht Frankfurt.

Das kuriose an dieser Geschichte ist, dass ausgerechnet das 100. Tor nicht jenem Mann vergönnt war, der schon 40 Mal getroffen hatte. Als der Ball am 8. Juni 1972 im Münchner Olympiastadion zum vierten Mal im Schalker Kasten zappelte, hatte nicht Gerd Müller, sondern Uli Hoeneß ihn da platziert. Natürlich, der spätere Manager und Präsident war ein ebenso begnadeter Torjäger. Aber es war damals, in der 101-Tore-Rekordsaison, so, als würde am 34. Spieltag dieser Spielzeit nicht Robert Lewandowski, sondern Thomas Müller die 100 vollmachen.

Zehn Treffer fehlen noch, das beachtliche Konto der Bayern steht seit dem 4:2 in Leverkusen und den Toren von Kingsley Coman (27. Minute), Leon Goretzka (42.), Serge Gnabry (45.) sowie Lewandowski (66.) bei 90:30. Auch Trainer Hansi Flick konsequent darauf beharrt, dass es an den verbleibenden vier Spieltagen „darum geht, Meister zu werden“, schielen die Bayern freilich auch auf die so lange unerreichte Bestmarke. Als „Beiwerk“ bezeichnete Flick nach dem Erfolg bei Bayer, dem fünften nach der Corona-Pause, Zahlen und Statistiken. Der 55-Jährige fügte aber hinzu: „Wenn das dann so kommt, ist es schön.“

Erst Gladbach, gegen die die Angreifer Müller und Lewandowski gelbgesperrt fehlen werden, dann Bremen, Freiburg und Wolfsburg – das sind die vier Bundesligagegner, die nach dem Pokalhalbfinale gegen Eintracht Frankfurt am Mittwoch (20.45 Uhr) im Endspurt warten. Und mit Blick auf die vergleichsweise leichte Aufgabe, mit höchstens zwei Siegen zum achten Mal hintereinander Meister zu werden, ist das Ziel, zehn, elf oder am besten zwölf Tore zu schießen, eine größere Herausforderung.

Wirtz ist jüngster Torschütze

Das 4:2 in Leverkusen, bei dem die Bayern nach einem schläfrigen Start durch den Treffer von Bayer-Stürmer Lucas Alario (9.) gar in Rückstand lagen, hat einmal mehr den Eindruck verstärkt, dass in diesem Team alles stimmt. Der neunte Sieg nacheinander war schon vor der Halbzeit nur noch Formsache, zum zwölften Mal in dieser Saison haben die Münchner vier oder mehr Tore erzielt. Als Grund für die Demonstration ihrer Stärke nannte Manuel Neuer „die Mentalität“. Auch der Kapitän hatte bemerkt, dass „wir etwas gebraucht haben, um ins Spiel zu kommen“. Dann aber „haben wir eiskalt zugeschlagen“.

Zweimal hatte Leverkusen die Bayern zuletzt geärgert, im Herbst Flick die erste Niederlage zugefügt. Diesmal aber, sagte Trainer Peter Bosz, „haben wir gegen eine Top-Mannschaft verloren“. Einer, der zwar nicht alles gelang. Über die man aber nun weiß, dass sie auch Stehaufqualitäten hat. Vielleicht, sagte Flick, „war es ganz gut, dass wir in Rückstand geraten sind“. Der 2:4-Anschlusstreffer des Leverkuseners Florian Wirtz war schließlich nur noch dahingehend erwähnenswert, dass Wirtz zum jüngsten Bundesligatorschützen der Historie avancierte – mit 17 Jahren und 34 Tagen.

Der „Matchday-Modus“ mache sein Team stark, sagte daher auch Goretzka, „das müssen wir so beibehalten“. Gelingt es, sind die 100 oder auch 101 Tore drin. Ein Jammer, dass die Bayern-Spiele derzeit vor leeren Rängen stattfinden. Am 28. Juni 1972 waren 79 000 Fans im Olympiastadion – und feierten Hoeneß.

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