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Entschied mit seinem 2:0 kurz vor der Pause schon die Partie: Thomas Müller.

FC Bayern München

Aufholjagd im Schnelldurchlauf

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  • Hanna Raif
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Die Bayern fertigen Schalke locker mit 5:0 ab, scheuen sich aber vor „zu frühen Kampfansagen“ in Richtung Tabellenführer.

Zum Glück gibt es bei einem Verein wie dem FC Bayern verschiedene Rollen und Typen, und so kam die Wahrheit am Samstagabend doch noch ans Licht. Nachdem Sportdirektor Hasan Salihamidzic versicherte, der Ausrutscher von RB Leipzig habe keinen Einfluss auf den fulminanten Auftritt des FC Bayern beim 5:0 (2:0) gegen Schalke 04 gehabt („Reden nicht über Leipzig“), hatte er seinen Job getan. Als Thomas Müller aber von einem „Extra-Kick“ sprach, den er und seine Teamkollegen durch die Nachricht des Frankfurter Sieges gegen den Tabellenführer verspürt hatten, glaubte man ihm doch mehr.

Ein Punkt ist es nun also noch, nachdem gerade mal zwei Rückrundenspiele absolviert worden sind, und es scheint, als könnte die Aufholjagd des Serienmeisters im Schnelldurchlauf gelingen. Auf Platz drei stand die Mannschaft von Hansi Flick vor dem Start, arbeitete sich durch das 4:0 in Berlin auf Platz zwei vor, steht nun einen Zähler hinter RB – und hofft auf die Fortführung der Serie am kommenden Samstag in Mainz. Denn acht Tage später steht das Duell mit Leipzig an. Und da, so Salihamidzic, müsse man dann „performen“.

Irgendwie war ja auch der Sportvorstand nach der Gala inklusive Toren von Robert Lewandowski (6.), Müller (45. +2), Leon Goretzka (50.), Thiago (58.) und dem eingewechselten Serge Gnabry (89.) in einem Gemütszustand zwischen Begeisterung und Selbstbeherrschung. Natürlich ist jedem klar, dass es „nichts bringt, Ende Januar die großen Lobeshymnen anzustimmen“, wie Müller sagte. Vielmehr gehe es darum, „dass wir jetzt durchziehen“. Ein „weiter Weg“ sei es bis zum achten Titel, betonte auch Trainer Hansi Flick. Torwart Manuel Neuer sah deshalb ab von „zu frühen Kampfansagen“. Trotzdem war das Zeichen, das aus München an die Konkurrenz gesendet wurde, eindeutig. Kapitän Neuer: „Jetzt weiß jeder, dass der FC Bayern wieder da ist.“

Wie nah Krise und Höhenflug beinander liegen, zeigt nicht nur die Entwicklung unter Flick, sondern unterstreichen konkret die vergangenen Wochen. War die Vorbereitung noch von der Debatte um den dünnen Kader bestimmt, drehen die Bayern seit dem Start ins Fußballjahr im Kollektiv auf.

Am Transfermarkt wird bis Freitag wohl nichts mehr passieren (Salihamidzic: „Bleiben ruhig“), weil das vorhandene Personal liefert. Die Bilanz von 9:0-Toren in zwei Spielen ist beeindruckend, 54 Treffer in 19 Partien sind zudem seit 35 Jahren keinem Bundesligateam mehr gelungen. Während die Konkurrenz strauchelt, machen sich die Bayern bereit für das Gipfeltreffen in zwei Wochen.

Bezeichnende Szenen für das Miteinander gab es allein im Topspiel am Samstag genug. Eine davon ereignete sich in der 58. Minute, in der Lewandowski uneigennützig Thiago vor dem Tor bediente. „Gemeinsam ist der Erfolg immer am schönsten“, sagte Flick, dessen Anteil an dem derzeitigen Höhenflug von allen Seiten betont wurde. Goretzka etwa, dessen Seitfallzieher sinnbildlich stand für die „breite Brust“ der Münchner, sprach von einem „Klima, in dem wir uns alle wohlfühlen“. Gästetrainer David Wagner nannte die Bayern angesichts der Bilanz von 25:7 Torschüssen, 75 Prozent Ballbesitz und 814:272 Pässen „bockstark“. Der Sieg hätte sogar – zwei Abseitstore wurden aberkannt – noch höher ausfallen können.

In zwei Wochen soll es in der Münchner Arena ähnlich zugehen, aber Salihamidzic betonte freilich: „Wir sprechen nur über das nächste Spiel – und das ist Mainz. Da geht es bei null los.“ Einen Extra-Kick wird es zumindest dort wirklich nicht geben. Denn Leipzig spielt erst nach den Bayern. Im Topspiel gegen Gladbach. Mindestens ein Konkurrent wird also Federn lassen.

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