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Bayern-Boss Salihamidzic: „Mehr Straßenfußball, weniger Playstation“

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Von: Manuel Bonke

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Der Manager und seine bisher größte Entdeckung: Hasan Salihamidzic (re.) und Alphonso Davies.
Der Manager und seine bisher größte Entdeckung: Hasan Salihamidzic (re.) und Alphonso Davies. © imago images/Sven Simon

Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic über die Entwicklung junger Fußballer.

Herr Salihamidzic, mit Blick auf die Pandemie: Wie wird sich das Scouting in Zukunft verändern?

Sagen wir mal so: Man reiste weniger, hat aber das Live-Scouting vermisst und durch noch mehr Videosichtung ersetzen müssen. Die Mischung macht es. Notgedrungen haben wir also Erfahrungen gesammelt, wie wir den Sichtungsprozess effektiver gestalten können.

Sind Transfers von Jugendspielern aus dem Ausland angesichts mangelnder nationaler Alternativen notwendig?

Deutschland hat noch ausreichend Talente, und die schauen wir uns an. Der FC Bayern legt Wert auf eine starke deutsche Kabine. Das ist Teil unserer Stärke und Identität. Deshalb haben wir den deutschen Markt genau im Blick. Allerdings ist der Fußball internationalisiert. Fußball ist ein Global Player, darauf muss auch der FC Bayern reagieren. Und natürlich spielt eine Rolle, dass unsere Mannschaft seit zehn Jahren nahezu konstant zu den drei, vier besten Teams im europäischen Vereinsfußball zählt. Das Niveau wollen wir halten, und dafür brauchen wir auch internationale Talente, die wir entwickeln können.

Wie viele Spieler pro Jahr möchten die Campus-Verantwortlichen an die Profis oder andere Bundesligisten liefern?

Der Campus ist keine Fabrik, da geht es um junge Menschen, es geht also um viel Verantwortung, die wir tragen. Wir wollen begabte junge Spieler ausbilden, und natürlich wünschen wir uns, dass der eine oder andere den Sprung in unseren Profikader schafft wie Josip Stanisic oder Paul Wanner.

Kann man den Transfer von Alphonso Davies als größten Scouting-Coup des FC Bayern bezeichnen?

Das ist immer eine Frage der Perspektive. Natürlich ist Alphonso das Musterbeispiel eines Talente-Transfers. Man könnte es sich als Verein nicht besser malen: aus der kanadischen Liga in die Weltspitze. Jamal Musiala ist mit 17 zu uns gekommen und heute deutscher Nationalspieler, auch Joshua Zirkzee würde ich hier nennen, er macht das in Anderlecht sehr gut.

Wie ändert sich die Art, wie Fußball gespielt wird?

Ich weiß nicht, ob man das so generell auf eine Formel bringen könnte. Beim FC Bayern achten wir allerdings darauf, dass wir Spieler im Team haben, die verschiedene Positionen spielen können. Das liegt daran, dass unser Kader im Vergleich zu vielen anderen, vor allem europäischen Spitzenklubs kleiner ist. Das heißt, wir brauchen dafür mehr Flexibilität, um Positionen doppelt zu besetzen. Natürlich wird ein Spieler immer seine Lieblingsposition haben. Aber wenn er eine andere Position auch auf Niveau bekleiden kann, ist er für uns sehr interessant.

Vor welchen Herausforderungen steht der leistungsorientierte Nachwuchsfußball?

Wir brauchen mehr Straßenfußball und weniger Fifa-Playstation. Die Ausbildung in den Zentren der Bundesligaklubs ist sehr gut, trotzdem müssen wir immer besser werden, und wir müssen in Deutschland alles dafür tun, dass die Jungs und die Mädchen in ihrer Freizeit kicken und sich nicht zu sehr in den digitalen Medien aufhalten. Nur dann schafft es eine ausreichende Anzahl an Talenten in die Internate der Klubs und Stützpunkte der Verbände. Der Fußball konkurriert heute mit vielen anderen Freizeitangeboten. Es ist eine wichtige Aufgabe von uns allen – DFB, DFL, die Klubs -, dafür zu sorgen, dass der Fußball für Kinder und Jugendliche attraktiv bleibt oder wieder wird.

Interview: Manuel Bonke

und Philipp Kessler

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