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Wünscht sich noch einmal den Champions-League-Titel: Karl-Heinz Rummenigge.

Karl-Heinz Rummenigge im Interview:

Bayern-Boss Rummenigge im Interview: „Wir müssen unser Geld selber verdienen“

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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht über seinen Nachfolger Oliver Kahn, Torwart Manuel Neuer und die europäische Fußballkonkurrenz.

Herr Rummenigge, geht man in sein vorletztes Jahr als Vorstandschef des FC Bayern anders als in die 18 Jahre davor?

Wenn ich ehrlich bin, nein. Wir hatten jetzt ja noch Transfermarkt-Gespräche die vergangenen Wochen. Daran hat auch Oliver Kahn als neues Mitglied des Vorstandes teilgenommen. In meinen Augen ist er eine Bereicherung.

Sie würden als Vorstandsboss gerne noch einmal die Champions League gewinnen. Ist der Titeldruck besonders groß?

Klar, in meiner zweiten Karriere war das der schönste, weil auch wertvollste Titel. Ich kann mich noch an das Finale 2013 erinnern, das mit unglaublich großen Druck für den ganzen Verein verbunden war, weil wir im Vorjahr gegen den BVB sowohl die Meisterschaft als auch den Pokal klar verloren hatten. Das hat uns allen natürlich missfallen. Als ich mit Uli Hoeneß zum Spiel gefahren bin, hat keiner groß geredet, alle waren auf das Spiel fokussiert und auch ein bisschen nervös. Klar würde ich das gerne noch mal erleben.

Kann man einen derartigen Coup dem aktuellen Team zutrauen?

Wir haben eine gute Mannschaft, die unser volles Vertrauen hat und wir haben einen Top-Spirit in der Mannschaft, das macht Hansi Flick wirklich hervorragend. Ich muss offen und ehrlich sagen: Ich bin optimistisch für die Rückrunde.

Ein Champions-League-Sieg zum Einstand wäre sicher auch im Sinne Ihres Nachfolgers Oliver Kahn. Wie erleben Sie ihn?

Ich habe ihn ja noch als Spieler kennengelernt, da war er enorm emotional (schmunzelt). Die menschliche Entwicklung bei ihm finde ich nicht nur bemerkenswert, sondern auch wohltuend. Wir hatten nun auch schon viele Termine gemeinsam. Es ist eine neue Sichtweise, die er mit einbringt, und die finde ich gut. Er wird am Ende des Tages einen Mehrwert für den FC Bayern darstellen, ohne Frage.

Sie sprachen von einem Onboarding-Prozess, wie muss man sich das vorstellen?

Er arbeitet sich intensiv ein und ist beispielsweise auch jeden Montag bei den Vorstandssitzungen dabei. Er hat ohne Frage ein großes Fußballwissen, aber hier geht es ja auch um Finanzen, Sponsoring, Merchandising und vieles mehr. Der FC Bayern ist mittlerweile ein sehr gesunder Mittelständler mit 750 Millionen Euro Umsatz und über 1000 Mitarbeitern.

Muss Kahn jetzt mehr lernen als Sie damals in Ihrer Anfangszeit?

Es hat sich viel verändert seitdem. Als ich 1991 kam, hatte ich das große Glück – damals waren wir ja noch ein e.V. und ich war Vizepräsident –, dass ich zehn Jahre Zeit hatte, um mich und meine Rolle im Windschatten von Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer zu entwickeln. Ich habe mich dann neben unserem Kerngeschäft Fußball sehr stark mit den internationalen Themen befasst und habe mir hierbei ein großes Netzwerk aufgebaut. Es war einfacher, die Geschwindigkeit im Fußball war nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes geringer. Für Oli geht das alles schneller.

War Oliver Kahn auch schon bei den Verhandlungen mit Álvaro Odriozola involviert?

Natürlich, da war er dabei und hat auch einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Er hat sich den Spieler – das ist heutzutage durch die digitale Welt ja möglich – angeschaut und sich mit ihm detailliert auseinandergesetzt. Oli war absolut dafür, dass wir den Spieler verpflichten. Wir wollten dem Trainer damit in der Defensive eine Option mehr geben.

Eine Option mehr heißt, dass der Winter-Transfermarkt für den Verein beendet ist?

Wir halten uns noch alles offen, wir haben ja noch eine Woche. Wenn ich ehrlich bin, bin ich immer froh, wenn der Transfermarkt wieder schließt. Er wird ja immer mit einer gewissen Hektik begleitet. Aber wir sind gut beraten, wenn wir in der Zukunft ein Stück weit mehr Nachhaltigkeit in den Transfermarkt reinbringen.

Inwiefern?

Nachhaltigkeit ist aktuell ja ein großes Thema in unserer Welt, und gerade am Transfermarkt darf man sich nicht davon leiten lassen, wen jetzt Dortmund oder Leipzig geholt hat. Wir müssen eine Kaderplanung machen, die exklusiv die FC-Bayern-Philosophie widerspiegelt. Diese darf nicht nur sechs oder zwölf Monate Bestand haben, sondern muss auf Kontinuität angelegt sein. Wir haben andere Voraussetzungen beim FC Bayern als unsere europäische Konkurrenz. Wir haben keinen Amerikaner, Russen oder Araber, der uns am Ende des Jahres unsere Rechnung bezahlt. Wir müssen unser Geld selber verdienen.

Sie haben sich klar zu Trainer Hansi Flick bekannt und in der Pressemitteilung – sicher bewusst – das kleine Wörtchen „mindestens“ eingebaut.

Das haben wir nicht umsonst eingebaut. Ich finde, er hat einen guten Matchplan und einen neuen Speed ins Training gebracht. Er macht, was Empathie und die Medienarbeit betrifft, alles gut. Jupp Heynckes hat sich kürzlich bei mir gemeldet und über Hansi Flick gesagt: ‚Er ist ein guter Repräsentant des FC Bayern‘.

Zur Person

Karl-Heinz Rummenigge (64) zählte einst selbst zu den besten Fußballern seiner Generation und erzielte für den FC Bayern 217 Tore. Seit 2002 leitet der ehemalige Angreifer den deutschen Rekordmeister und führte diesen als Vorstandschef an. Ende 2021 soll aber Schluss ein. Sein Nachfolger steht schon bereit: Oliver Kahn. Angelernt wird der ehemalige Torhüter von Rummenigge selbst. hu

Manchmal liegt das Gute doch so nahe...

Das war bei ihm nicht unbedingt vorauszusehen. Er war lange Jahre vorher die Nummer zwei unter Joachim Löw und hat beim DFB und in Hoffenheim in anderer Position gearbeitet. Manchmal ist es eben so, dass es eine glückliche Fügung des Schicksals ist, wenn einer ins kalte Wasser springen muss.

Muss in den nächsten Monaten trotzdem nebenher eine Trainersuche für den Sommer laufen?

Nein, das glaube ich nicht. Man muss das ja ganz nüchtern betrachten. Wir sind mit Hansi Flick zufrieden. Diese Entwicklung muss man jetzt in Ruhe begleiten. Für uns ist es durchaus vorstellbar, dass er über Juni 2020 hinaus Trainer bleibt – darum haben wir es auch so formuliert.

Bei einigen Spielern laufen die Verträge aus. Einer davon ist der von Thomas Müller.

Thomas ist ein wichtiger Spieler beim FC Bayern. Alles, was wir hier in den letzten zehn Jahren gemacht haben, trägt auch den Namen Thomas Müller. Er ist einer von zwei Bayern im Kader. Für unseren Klub ist er immens wichtig, denn er spiegelt das wider, was den FC Bayern ausmacht.

Gilt das auch für Manuel Neuer?

Natürlich. Im Jahr 2012 hat er sich noch mit zweiten Plätzen begnügt – aber seitdem sind wir Meister in Serie, haben alles gewonnen, was man im weltweiten Klubfußball gewinnen kann. Bei diesen Spielern muss man auch berücksichtigen, was sie geleistet haben.

Hat sich an Neuers Vorstellungen durch den Transfer von Alexander Nübel etwas verändert?

Dass Manuel sich damit auseinandersetzt, kann ich nachvollziehen. Aber er braucht sich da gar keine Gedanken zu machen. Ich habe ja alle erlebt: Sepp Maier, Oliver Kahn – und jetzt Manu. Ich habe größten Respekt vor Sepp und Oli, die waren absolute Weltklasse. Aber was Manuel geleistet hat, war noch mal etwas anderes: Er hat das Torwartspiel auf ein neues Niveau gehoben. Manu ist der beste Torhüter, den die Welt je hatte. Wir wissen, was wir an ihm haben. Darüber müssen wir keine Diskussion führen.

Der Transfer von Nübel ist einer für die ferne Zukunft.

Also mal ehrlich: Wir wären ja im falschen Film, wenn wir einen Spieler, der als der beste Nachwuchstorhüter gehandelt wird, der ablösefrei auf dem Markt ist, nicht holen wollen würden. Das hat Hasan sehr gut und richtig gemacht. Uns war auch klar, dass die Öffentlichkeit da ein sensibles Thema draus macht.

Interview: Hanna Raif und Manuel Bonke

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