Bayern_290920
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Neuer geschlagen.

Supercup

Kein Schweiß auf der Stirn

  • vonManuel Bonke
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Vor leeren Rängen Stadien drängen Bayern München und Borussia Dortmund um Wiedergutmachung.

Es wäre übertrieben zu behaupten, dass die Nerven beim FC Bayern nach der 1:4-Pleite in Hoffenheim blank liegen. Dass die Anspannung beim deutschen Rekordmeister durch die erste Niederlage seit 23 Siegen in Folge gestiegen ist, hat die gestrige Reservisten-Trainingseinheit bewiesen. Dort herrschte nach einem Foulspiel von Robert Lewandowski am abwanderungswilligen Michael Cuisance, der mit Leeds United über einen Wechsel verhandelt, dicke Luft, nachdem sich der Stürmer für sein hartes Einsteigen nicht beim Franzosen entschuldigen wollte. Daraufhin petzte Cuisance bei Trainer Hansi Flick, was bei Lewandowski wiederum nicht so gut ankam.

Letztendlich handelte es sich nur um einen kurzen Trainingszoff, wie man ihn schon viele Male an der Säbener Straße gesehen hat. Trotzdem lassen die Szenen zumindest kurz aufhorchen, immerhin wurde von Trainern, Spielern und Verantwortlichen seit dem Champions-League-Sieg in Lissabon stets betont, dass man in München selten eine solche eingeschworene Truppe gesehen habe. Mit einem Sieg morgen im Supercup ohne Zuschauer im Stadion gegen Borussia Dortmund (20.30 Uhr/ZDF) können die Gemüter des Triple-Siegers ohnehin schnell wieder beruhigt werden. Doch bis dahin werden die Themen Kadergröße und extreme Belastung intern und extern weiter eifrig diskutiert werden – und im Falle einer erneuten Pleite werden diese Diskussionen vertieft.

Dass die Arena in Fröttmaning am Mittwoch leer sein wird, hat dies der städtische Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) unter Leitung von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beschlossen.Der Stab bezog sich in seiner Entscheidung auf die Sieben-Tage-Inzidenz – also die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Liegt der Wert bei 35 oder darüber, sind keine Zuschauer erlaubt. Im Konzept der Deutschen Fußball Liga gilt das Pandemie-Level ab 35 Neuinfektionen pro Woche pro 100 000 Einwohner als hoch. Die Zahl der in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus infizierten Menschen lag knapp unter 50 je 100 000 Einwohner,.

Die Bayern-Spieler jedenfalls beteiligen sich nach der unerwartet frühen ersten Saisonniederlage nicht an Diskussionen über Belastungen. „Wir suchen keine Ausreden. Das erwartet uns in diesem Jahr. Alle paar Tage ist ein Spiel, das wissen wir. Dementsprechend können wir nicht so viel darüber reden, dass wir kaputt sind, sondern müssen es annehmen“, sagte Kapitän Manuel Neuer. Das sieht Vize-Kapitän Thomas Müller ähnlich: „Der Akku ist natürlich nicht zufrieden, aber ich denke nicht, dass es an körperlichen Geschichten lag. Die Diskussion brauchen wir nicht. Ich hatte nicht das Gefühl, dass jemandem der Schweiß nach 20 Minuten auf der Stirn stand.“

Trotzdem war einigen Bayern-Stars in Hoffenheim anzumerken, dass ihnen die anstrengenden 120 Supercup-Minuten in Budapest noch in den Knochen steckten. Trainer Flick konnte indes in seinem Team keine Müdigkeit erkennen: „Ich kann meiner Mannschaft in Sachen Einsatz und Wille keinen Vorwurf machen. Die Mentalität war auch heute gut. Wir haben am Donnerstag 120 Minuten gespielt und haben trotzdem gesehen, wie Thomas Müller oder Joshua Kimmich immer wieder angelaufen sind. Sie haben versucht, das Spiel zu drehen.“

Trotz des Fitness-Lobes kam der Triple-Trainer nicht ohne einen leisen Wunsch nach personeller Verstärkung, um seinen Stars Ruhepausen gewährleisten zu können, am Sonntag nicht aus: „Wir brauchen noch ein bisschen Qualität in der Breite, um dem einen oder anderen Spieler noch eine Pause zu geben.“ Allerdings sind diese Pausen auch immer mit Rotation verbunden – und die funktionierte in Hoffenheim hinten und vorne nicht.

Der für den formstarken Leon Goretzka in die Startelf beförderte Corentin Tolisso wirkte im Mittelfeldzentrum neben Joshua Kimmich wie ein Fremdkörper und konnte das Münchner Offensivspiel aus dem Zentrum heraus nicht beleben. Alphonso Davies, der für Lucas Hernandez auf die Linksverteidiger-Position rückte war mit den aggressiven TSG-Angreifern überfordert – wie auch Jerome Boateng, der für Niklas Süle auflief. Joshua Zirkzee war im Sturmzentrum zwar bemüht, schaffte es aber nicht, Bälle zu halten und für Torgefahr zu sorgen - so wie das Lewandowski tut.

In der zurückliegenden Triple-Saison verzichtete Flick weitgehend auf Rotation und ließ sein Team beinahe stets identisch zusammenspielen. Durch den Corona-Spielplan ist der Fußballlehrer nun schon fast dazu gezwungen, sein Personal regelmäßig durchzutauschen. Flick muss bei der Aufstellung seiner Mannschaft nicht ausschließlich die Frage beantworten: Wer ist die beste Elf? Er muss sich auch fragen: Wer braucht eine Pause?

Die richtigen Antworten auf diese Fragen muss Flick nach dem Abschlusstraining vor dem Supercup gegen die Dortmunder finden. Gegen den BVB können die FCB-Kicker zeigen, dass das 1:4 in Hoffenheim nur ein Ausrutscher war. Das sagt Borussia Dortmund nach dem 0:2 von Augsburg allerdings auch. (mit dpa)

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