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Flicks Zukunft als Trainer des FC Bayern ist besiegelt.

Signal an Flick

Bayerische Triple-Träumchen

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  • Hanna Raif
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Nach dem 3:0 in London stellen die Bayern ihrem Trainer Hansi Flick eine Verlängerung seines Vertrages in Aussicht.

Er ist 55 Jahre, „ein gutes Alter“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, und Hansi Flick räusperte sich erst mal. So ganz geheuer war dem Trainer des FC Bayern dieser Auftritt vor hunderten geladenen Bankettgästen in der Londoner „Location 8 Northumberland Avenue“ nicht, denn generell sind große Auftritte ja nicht so sein Ding. Dass er da aber am Tag nach seinem 55. Geburtstag und wenige Stunden nach dem beeindruckenden Auftritt seiner Mannschaft beim 3:0 gegen den FC Chelsea derart im Rampenlicht stand, wurde natürlich ausgenutzt.

Flick bekam ein rotes Päckchen überreicht, und „für alle, die nicht wissen, was da drin ist: Es ist ein Stift. Und mit Stiften unterschreibt man beim FC Bayern auch manchmal Papiere“, posaunte Vorstandsboss Rummenigge ins Mikrofon. Es dauerte einen Moment, ehe ein Raunen durch das Publikum ging, nach und nach fingen auch die Spieler an zu klatschen. Und wenn Flick in ein paar Wochen feierlich seinen neuen Stift aus der Box holt, um ein bis über den Sommer hinaus gültiges Arbeitspapier zu unterschreiben, wird man an diesen 25. Februar von London zurückdenken. Den Tag, an dem Flicks Zukunft als Trainer des FC Bayern vermutlich besiegelt wurde.

Rummenigge wurde an diesem Abend ja noch konkreter: „Wir sind sehr zufrieden, wie die Mannschaft spielt, auch mit den Ergebnissen und dem Fußball“, sagte er unter den Eindrücken, die er in den 90 Minuten zuvor an der Stamford Bridge gesammelt hatte. „Mach es weiter so, bleib so, wie du bist“, rief er hinterher. Die Großkopferten um Präsident Herbert Hainer und Ehrenpräsident Uli Hoeneß applaudierten, Flick lächelte leicht beschämt. Schon jetzt, nach drei Monaten im Amt, hat er mehr warme Worte kassiert als Doubletrainer Niko Kovac in eineinhalb Jahren.

Man musste ihm aber auch zugute halten, dass er die als Reifeprüfung auserkorene Partie zuvor mit Bravour gemeistert hatte. Womöglich war das Hinspiel in London, wo bis dato noch keine deutsche Mannschaft gewonnen hatte, kein Spiel, das er als Coach an der Seitenlinie beeinflussen musste. Aber er hatte sein Team bestens eingestellt auf den ersten internationalen Härtetest des Jahres. „Super umgesetzt“ habe die Mannschaft seine Vorgaben, sagte er gewohnt bescheiden. Matchwinner waren ohne Frage Serge Gnabry und Robert Lewandowski (siehe Artikel unten). Dennoch hatten die Bayern im Kollektiv dafür gesorgt, dass das Tor zum Viertelfinale beim Rückspiel am 18. März weit offen steht. „Ein Träumchen“ sei das Ergebnis, sagte der bestens aufgelegte Thomas Müller, der sogar vom ganz großen Wurf sprach. „Absolut“ sei das Team zum ersten Champions-League-Triumph seit 2013 in der Lage: „Da geht was.“

Wie berauschend ein dominanter Auswärtserfolg sein kann, hatten die Bayern bereits nach dem 7:2 bei Tottenham im Herbst schon gespürt, diesmal aber wirkt der Höhenflug doch nachhaltiger. Torwart Manuel Neuer sagte: „Für mich zählt nicht nur der Sieg, sondern auch die Art und Weise und die Philosophie des Trainers.“ Nicht viel gebe es „an der Gesamtperformance zu kritisieren“, ergänzte Müller. Ein Leistungsabfall in der zweiten Hälfte war genauso wenig zu beobachten wie große Lücken in der Defensive. Von einem „Statement“ sprach Neuer. Einem, das ganz Europa registrierte.

Britische Zeitungen gab es auf dem Rückflug gestern genug, und Flick konnte sich bei Schlagzeilen wie „Chelsea von Gnabry weggefegt“ genüsslich überlegen, wann der Stift gezückt werden soll. Im Hinterkopf hatte er weitere Worte, die Rummenigge an die Mannschaft richtete: „Ihr habt einen tollen Charakter, dass hat man wieder gesehen. Der wird euch weit führen, wenn ihr in dem Stil weitermacht.“

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