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Starker Auftritt: Dominik Kohr (Mitte) beim 5:1 in Larnaka.

Bayer mit Luft nach oben

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Die Werkself ringt noch um den Anschluss in der Bundesliga.

Als Machtzentrum beim Bundesligisten Bayer Leverkusen gilt die dritte Etage in der Südtribüne der werkseigenen Arena. Hier hat Geschäftsführer Rudi Völler seit vielen Jahren sein Büro, doch in unmittelbarer Umgebung haben neue Gesichter Einzug gehalten: Das ist zum einen Fernando Carro, der seit Sommer als Vorsitzender der Geschäftsführung fungiert. Und zum anderen neuerdings Simon Rolfes, der überraschend zum Sportdirektor befördert wurde.

Zuvor war die Beziehung mit dem bisherigen Sportchef Jonas Boldt in die Brüche gegangen, von dem Völler doch immer gesagt hatte: „Irgendwann wird Jonas den Laden hier sowieso übernehmen.“ Doch Langzeitplanungen haben im Profifußball ihre Tücken. Nun soll eben Rolfes zum neuen Gesicht unter dem Bayer-Kreuz aufgebaut werden. Der 36-Jährige hat gleich mal einen Vertrag bis 2024 bekommen. „Simon bringt die nötige Offenheit, Loyalität und Transparenz mit“, schwärmte Carro bei dessen Vorstellung.

 Der in der Branche für sein Netzwerk, seine Expertise und seine Seriosität geschätzte Boldt übergibt einen zukunftsfähigen Kader, der das Zeug zur Champions League hat, wo der Klub sich nach eigenem Anspruch dauerhaft sieht - auch um deutsche Spitzenkräfte wie Julian Brandt, Kai Havertz oder Jonathan Tah vom gemeinsamen Weg zu überzeugen. Der Umbruch im Sommer hielt sich diesmal in Grenzen: Mit dem früheren Frankfurter Lukas Hradecky war auf der Torwartposition der Abgang von Bernd Leno (FC Arsenal) aufgefangen, überdies galt der für 18 Millionen Euro Ablöse verpflichtete Brasilianer Paulinho als das nächste Toptalent, das unter dem Bayer-Kreuz reifen kann. Nicht wenige sahen Leverkusen gar als Geheimfavoriten. Doch wenn das Bayer-Team nun am Sonntag im Frankfurter Stadtwald antritt, gilt es zuvorderst darum, irgendwie noch den Anschluss zu wahren.

Partie am Sonntag ein Schlüsselspiel

Platz elf bedeutet tabellarisch nur Mittelmaß. Wirklich überzeugend spielte die Mannschaft unter Trainer Heiko Herrlich nur punktuell: Beim 6:2-Kantersieg in Bremen und beim 5:1-Pokaltriumph in Mönchengladbach deuteten die Benders, Brandts und Bellarabis an, was an guten Tagen an Talent, Tempo und Spielwitz in ihnen steckt. Aber zu oft wirkt das Ensemble immer noch wie eine Wundertüte. Oft genug hat Herrlich („wir müssen lernen zu killen“) an die Siegermentalität appelliert, aber sollte die Saison wirklich im Niemandsland enden, ist die Diskussion über den 47 Jahre alten Fußballlehrer gar nicht zu vermeiden, denn Herrlichs bis Sommer 2019 laufender Vertrag verlängert sich per Option nur, wenn der Klub die Königsklasse erreicht. Dafür braucht es eine Aufholjagd. 

Daher gilt die Partie in Frankfurt als Schlüsselspiel, um sich vor der Winterpause in eine bessere Ausgangsposition zu bringen. Genau wie die Eintracht war auch Bayer Leverkusen schon vor dem letzten Europa-League-Spieltag für das Sechzehntelfinale qualifiziert. Herrlich ließ beim zypriotischen Vertreter AEK Larnaka (5:1) nahezu alle Stammkräfte draußen oder zuhause. Kevin Volland, Tin Jedvaj, Carles Aranguiz, Havertz oder Hradecky traten die Reise auf die Mittelmeerinsel gar nicht erst an. Immerhin hat es die Ersatzleute nicht abgehalten, den Gruppensieg zu erringen. „Solch eine Leistung ist keine Selbstverständlichkeit“, lobte Herrlich hinterher. „Für die Atmosphäre war dieser Erfolg wichtig.“

Seine zweite Reihe sammelte Pluspunkte: Vor allem der starke Mittelfeldrecke Dominik Kohr oder Torjäger Lucas Alario überzeugten. Zudem traf der in dieser Saison nicht so häufig zündende Leon Bailey. Und auch der hoch gehandelte Paulinho schoss gegen Larnaka endlich sein erstes Pflichtspieltor. Alles weitere Belege, wie viel Luft nach oben in Leverkusen noch besteht. Der Fokus gilt in der letzten Woche vor Weihnachten nun dem Liga-Betrieb, wo die Werkself nach dem Gastspiel im Stadtwald noch beim FC Schalke 04 und gegen Hertha BSC  antritt.

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