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Bayer Leverkusen: Pferd und Apotheke

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Von: Thomas Kilchenstein

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Stiller Beobacher: der neue Chef Simon Rolfes.
Stiller Beobacher: der neue Chef Simon Rolfes. © Imago

Der Bundesliga-Check, Teil 9: Bayer Leverkusen Die Sehnsucht nach einem Titel ist bei der Wundertüten-Elf groß - und bleibt erneut unerfüllt

Es ist die erste Saison für die Bayer-Betriebsmannschaft ohne Tante Käthe. Geht das überhaupt? Vermutlich nicht. Er wird fehlen, der Graukopf, der Sympathikus, der sich so leicht und herrlich aufregen kann. Simon Rolfes, bislang eher im Schatten des Everybody’s Darling tritt in sehr große Fußstapfen. Aber auch dem Ehrenspielführer und einstigen VdV-Gewerkschafter wird nicht gelingen, was auch Rudi Völler nicht vergönnt war: Irgendetwas zu gewinnen mit Bayer. Das ist der Fluch des Klubs. Einmal Vizekusen, immer Vizekusen, Bayer 04 hat sich das als geschütztes Markenzeichen gar eintragen lassen.

Wie stark ist der Kader?

Im Grunde genauso stark wie im letzten Jahr, es hat kaum personelle Wechsel gegeben, vom Stamm ist lediglich Lucas Alario (Eintracht Frankfurt) nicht mehr dabei. Adam Hlozek, 19. ein hochtalentierter Stürmer, kam von Sparta Prag dazu. Die Mannschaft wirkt inzwischen eingespielter, reifer, die Balance zwischen Offensive und Defensive ist verbessert worden. „Es ist nicht mehr so wild“, hat Kapitän Lukas Hradecky festgestellt. 80 geschossenen Toren standen 47 kassierten entgegen. Geht.

Worauf steht der Trainer?

Gerardo Seoane, der polyglotte Schweizer, versucht, das ungezähmte, bisweilen unkontrollierte Element der Bayer-Offensive in geordnetere Bahnen zu lenken, ohne die Stärken des jungen Teams zu schmälern. Rasantes Tempo und die Flügelzange sind das Plus, da macht ihnen kaum jemand was vor - wenn sie denn den Platz dazu finden. Dazu haben sie erneut Angeln nach Brasilien ausgeworfen, nach Matheus Franca (Flamengo) und Giovani (Palmeiras).

Zu- und Abgänge

Zugänge: Adam Hlozek (Sparta Prag), Joshua Eze (eigene U19), Joel Pohjanpalo (Rizespor, Leihe beendet), Mitchell Weiser (SV Werder Bremen, Leihe beendet), Nadiem Amiri (CFC Genua, Leihe beendet), Ayman Azhil (RKC Waalwijk, Leihe beendet).

Abgänge: Lucas Alario (Eintracht Frankfurt), Lennart Grill (1. FC Union Berlin, Leihe), Sadik Fofana (1. FC Nürnberg, Leihe), Julian Baumgartlinger (Vertragsende).

Wo hapert es noch?

Grundsätzlich an der Kontinuität. Zu viele Wellentäler, traumhafte, spektakuläre Spiele wechseln sich mit miesen, anfängerhaft vergeigten ab. Diese regelmäßigen Aussetzer verhageln der Bayer-Wundertüten-Elf verlässlich größeren Erfolg. Zu viele Pferde vor zu vielen Apotheken.

Wer sticht heraus?

Patrik Schick auf jeden Fall: Der tschechische Torjäger (24 Tore zuletzt in 31 Bundesligapartien) trifft und trifft, und verlängerte unlängst seinen Kontrakt bis 2027. Zudem Florian Wirtz, das allergrößte deutsche Talent, unpässlich noch eine Weile wegen eines vor vier Monaten erlittenen Kreuzbandrisses. Immerhin reist er mit ins Trainingslager. Robert Andrich, ein mäßiger Kicker, aber einer, der Gegnern das Blut in den Adern gefrieren lässt. Und natürlich der unverkrampfteste Torwart der Liga, Käptn Hradecky.

Was ist drin?

Und der will, spätestens als er seinen alten Klub Eintracht Frankfurt Mitte Mai triumphieren gesehen hat, endlich auch mal was gewinnen mit dem Pillenklub. In der Bundesliga wird das nix, das weiß er, aber vielleicht im Pokal? „Unser Anspruch ist“, assistiert CEO Fernando Carro, „Top 4 in der Liga und Top 16 in Europa zu werden.“ Kann klappen, aber für silbern Zählbares wird es nicht reichen, der Vizekusen-Fluch.

Die Bundesliga-Tipptabelle der FR-Sportredaktion.
Die Tipptabelle Leverkusen © FR

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