1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Bayer Leverkusen: wenigstens abgestiegen

Erstellt:

Von: Andreas Morbach

Kommentare

Leverkusens Trainer Xabi Alonso (l.) tröstet Stürmer Patrik Schick.
Leverkusens Trainer Xabi Alonso (l.) tröstet Stürmer Patrik Schick. © dpa

Der ambitionierte Werksklub überwintert nach dem Aus in der Champions League in der Europa League, doch die Tristesse unter Trainer Xabi Alonso bleibt

Übermäßig stolz auf die frisch erworbene Zugangsberechtigung zur Europa League waren die Leverkusener Fußballer nicht, entsprechend sehr kurz fiel nach dem 0:0 gegen den Club Brügge ihr Auftritt vor den eigenen Fans, zum gegenseitigen Applaudieren, aus. Müde trotteten sie von der Nordkurve danach Richtung Spielfeldrand, als Ismael Diaby die trübe Gesellschaft ein wenig aufmunterte. Auf seinen kurzen Beinen stolperte der Sohn von Bayer-Angreifer Moussa Diaby zwar erst einmal über den Ball, rappelte sich aber gleich wieder auf und startete umgehend ein für einen 20 Monate alten Knirps bemerkenswert flinkes Dribbling.

Freuen erst im Februar

Ein bisschen was von dieser kindlichen Energie hätte man sich beim Gruppenfinale in der Champions League auch von der Werkself gewünscht. Doch technische Finesse, Ballfertigkeit und Tempofußball sind für das Team, das in der Vorsaison noch mit einem klubinternen Torrekord auf Rang drei in der Bundesliga stürmte, in diesem Herbst zu Fremdwörtern geworden. Mit Ach und Krach bewerkstelligten die Rheinländer das Überwintern in der zweiten kontinentalen Klasse – und diesem Urteil wollte Simon Rolfes auch gar nicht erst widersprechen.

„Ja, aber was wird erwartet?“, fragte der Sport-Geschäftsführer, konfrontiert mit dem Ach-und-Krach-Bild, in die Runde – und führte seinerseits aus: „Das Ziel war heute das Entscheidende. Und wie kommen wir da hin? Dadurch, dass wir auf jeden Fall stabil stehen und das dann auch durchziehen, bis zum Ende konzentriert spielen.“ Die unerwarteten Abstiegssorgen, mit denen sich die Leverkusener seit Wochen herumplagen, fordern eben ihren Tribut. Passend dazu schien der Gedanke an den Tanz auf weiterhin zwei Hochzeiten im nächsten Jahr – das Thema DFB-Pokal ist bereits seit dem Erstrunden-Aus bei Drittligist Elversberg passé – die Protagonisten am Dienstagabend eher zu belasten als aufzumuntern.

„Wir werden uns im Februar schon freuen. Dann haben wir zwei Spiele in der Zwischenrunde, vielleicht noch mehr“, sinnierte Klub-Boss Fernando Carro vage. „Über das Weiterkommen wird man sich im Februar ein bisschen freuen“, pflichtete ihm Kapitän Lukas Hradecky mit ähnlich nüchtern bei. Und im Eindruck der frischen Nullnummer gegen Brügge wollte auch Robert Andrich das sportliche Fortleben in der Europa League, das Bayer dem FC Porto und dessen Sieg gegen Atletico Madrid verdankt, nicht als Chance in einer bislang verhunzten Saison begreifen.

„Nein, so gehen wir nicht an die Sache ran“, betonte Bayers Mittelfeldakteur stattdessen. Denn: „Unser Hauptgeschäft ist die Bundesliga. Darauf liegt unser Fokus.“ Drei Partien hat das verunsicherte Team von Xabi Alonso bis zur WM-Pause noch zu absolvieren. Das erste davon am Wochenende gegen Tabellenführer Union Berlin, Andrichs früherem Verein.

Nun gegen Union gefordert

Mit dem anhaltenden Höhenflug der Eisernen hat der gebürtige Potsdamer „ehrlich gesagt“ nicht gerechnet. Union sei „ein gutes Beispiel für: Wenn’s läuft, dann läuft“ – auch deshalb erwähnte Andrich nach dem trüben Remis gegen den belgischen Vizemeister: „Ich glaube schon, dass jedem von uns bewusst ist, dass am Sonntag etwas ganz Anderes vor uns liegt.“ Deutlich anders geworden ist in dieser für sie so gespenstischen Vorrunde längst auch die Spielweise der Leverkusener: Deren einst so fulminantes, variables Angriffsspiel ist inzwischen zu vorsichtigem Minimalisten-Fußball mutiert.

„Aus defensiver Sicht war es eine Verbesserung“, benannte Übungsleiter Alonso das wichtigste Werkzeug, mit dem er der tief sitzenden sportlichen Krise zu Leibe rücken will. In der derzeitigen Lage hat Rackerer Andrich gegen diesen Ansatz auch keinerlei Einwände. „Es tut uns schon gut, wenn wir nicht jedes Mal in Rückstand geraten. Die Defensive muss zuerst stehen“, propagiert der 28-Jährige, der in der Liga problemlos „einen dreckigen Sieg, vielleicht einfach mit einem Elfmeter“ durchwinken würde. „Und ob wir dafür dann eine oder 15 Chancen herausgespielt haben“, skizziert Robert Andrich die neue Leverkusener Fußballwelt, „ist mir aktuell egal.“

Auch interessant

Kommentare