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Bayer Leverkusen in der Krise: Blass wie Leinwände

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Von: Andreas Morbach

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Nicht um Hinschauen: Der . Leverkusener Sardar Azmoun schiebt Frust.
Nicht um Hinschauen: Der . Leverkusener Sardar Azmoun schiebt Frust. © dpa

Beim Geheimfavoriten Bayer Leverkusen läuft derzeit fast alles schief, was schieflaufen kann. Auf das Pokal-Aus folgen zwei Niederlagen in der Bundesliga.

Die nächste dicke Enttäuschung mit Bayer Leverkusen war gerade sechs Stunden alt, da bekam Patrik Schick ganz unverhofft noch ein wenig seelische Aufbauhilfe. Der stürmende Berufskollege Niclas Füllkrug startete seinen Auftritt im ZDF-Sportstudio in dem Moment mit Überlegungen darüber, wer sich im Jahr eins nach dem Abflug von Weltfußballer Robert Lewandowski Richtung Barcelona am ehesten die Torjägerkrone in der Bundesliga aufsetzen könnte. Füllkrug, in den ersten zwei Partien mit Aufsteiger Bremen selbst schon zweimal erfolgreich, grübelte nicht lange – und legte sich fix auf Schick fest

Zur Begründung führte der meinungsfreudige Füllkrug die starke letzte Saison des Tschechen an. Zudem betonte der Angreifer mit der großen Zahnlücke: „Ich glaube auch, dass er ein sehr kompletter Stürmer ist.“ Den Beweis dieser These blieb Schick am Samstagnachmittag allerdings komplett schuldig. Vielmehr stand für den 26-Jährigen und seine Leverkusener Spielkameraden nach dem 1:2 gegen Augsburg fest, dass der Einstieg in die neue Runde wirklich kompletter Mist gewesen war.

Mit dem peinlichen Pokalaus gegen Drittliga-Aufsteiger Elversberg (3:4) fing es an. Für das 0:1 zum Ligastart in Dortmund gab es dann zwar keine Punkte, aber dank einer ansehnlichen Leistung nach der Pause zumindest die Hoffnung, die eigenen hohen Erwartungen doch erfüllen zu können. Die Pleite gegen den FCA, der im 23. Versuch erstmals gegen Leverkusen gewann, ließ beim ungewohnten Liga-Schlusslicht nun aber früh die Alarmglocken schrillen. Denn neben den miesen Ergebnissen läuft unter dem Bayer-Kreuz derzeit auch vieles andere schief.

So fehlte gegen Augsburg neben Mittelfeld-Arbeiter Robert Andrich (Bluterguss im Gesäß) mit dem rotgesperrten Keeper Lukas Hradecky noch ein weiterer der wenigen lautstarken Wortführer im Team. Die hochgelobten Offensivkräfte Schick, Moussa Diaby und Sardar Azmoun blieben gegen die Gäste aus Schwaben und ihren überragenden Schlussmann Rafal Gikiewicz blass wie Leinwände. Der knapp fünf Monate nach seinem Sehnenriss im Oberschenkel gerade erst zurückgekehrte Amine Adli brach sich das linke Schlüsselbein. Hradecky-Vertreter Andrey Lunev erlitt bei einem Abschlag eine Sehnenverletzung im rechten Oberschenkel. Zudem scheint sich mittlerweile auch der Transfer des ukrainischen Nationalstürmers Mykhaylo Mudryk von Schachtar Donezk zerschlagen zu haben.

Fluchender Geschäftsführer

Dass Coach Gerardo Seoane am Donnerstag zum vierten Mal Vater geworden und deshalb unter der Woche vorübergehend zu Frau und Familie in die Schweiz gereist war, blieb da erst einmal die einzige erfreuliche Botschaft aus dem Lager des Vorjahresdritten. Weil sie ihren Kader mehr oder weniger komplett zusammenhalten konnten, waren die Rheinländer – mal wieder – als Geheimfavorit in die Saison gegangen. Nun aber hörte man Geschäftsführer Fernando Carro im Kabinengang der Arena fürs Erste frustriert rufen: „So ein Scheißstart.“

Geknickt war auch Abwehrchef Jonathan Tah, der befand: „Das ist nicht unser Anspruch. Das ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben.“ Damit nun alles nicht noch schlimmer wird – drei Pflichtspielniederlagen zum Auftakt leistete sich Leverkusen zuletzt 1979 –, mahnt Übungsleiter Seoane, der im Spiel seiner Mannschaft vor allem „Fluss und Rhythmus“ vermisste, bereits Grundsätzliches an. Bayer sei ambitioniert, aber das erzeuge intern und medial einen gewissen Druck, erklärte der 43-Jährige. Aktuell fehle die notwendige Ruhe und Klarheit, analysierte Seoane noch – und schlug deshalb als Mittel gegen die akuten Beschwerden vor: „Jetzt ist es umso wichtiger, einfacher zu werden und die Sache nicht zu erschweren.“

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