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Bayer Leverkusen: Der Klub der Sprinter

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Von: Andreas Morbach

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Wehe, wenn er erst wieder in Form ist: Florian Wirtz.
Wehe, wenn er erst wieder in Form ist: Florian Wirtz. © dpa

Bayer Leverkusen entdeckt in Mönchengladbach alte Stärken und plant eine Aufholjagd.

Vor dem Hinrundenabwasch ging es rund um die BayArena recht geheimnisvoll zu. Xabi Alonso wollte im Vorfeld des vorletzten Spiels der ersten Halbserie keine Zaungäste bei seinen Trainingseinheiten haben, deshalb machte der Coach der Leverkusener fast die komplette Woche über die Schotten dicht. Im Verborgenen blieb deshalb zunächst auch, dass Supertalent Florian Wirtz die finalen Einheiten vor dem Rheinland-Derby in Gladbach wegen einer Erkältung verpasste. „Er war die letzten zwei Tage krank, hat nicht mit der Mannschaft trainiert“, berichtete Alonso nun mit etwas Verspätung – nachdem sein Team das neue Fußballjahr mit einem 3:2 (2:0)-Sieg im Borussia-Park begrüßt hatte.

Wirtz, den Bundestrainer Hansi Flick so gerne bei der letztlich in den Sand gesetzten WM in Katar dabei gehabt hätte, verfolgte das anfangs furiose Treiben seiner Teamkollegen die meiste Zeit über von der Ersatzbank aus. Erst in der letzten Viertelstunde – als die Werkself bereits 3:0 führte und sich dann noch zwei Treffer durch Gladbachs Routinier Lars Stindl (34) einfing – durfte er erstmals nach zehnmonatiger Verletzungspause zumindest wieder ein bisschen Bundesligaluft schnuppern.

Die rund 3000 Leverkusener Fans in der südöstlichen Ecke des Gladbacher Stadions jauchzten bei Wirtz‘ Einwechslung vor Begeisterung. Entscheidende Aktionen gelangen dem 19-Jährigen, der sich Mitte März im Derby gegen seinen Ausbildungsklub 1. FC Köln das Kreuzband gerissen hatte, in der Schlussphase zwar nicht. Das war aber auch nicht nötig, um Señor Alonso zu der grundsätzlichen Feststellung zu verhelfen: „Wir brauchen ihn.“ Und dem Geheimniskrämer aus dem Baskenland für das anstehende Spiel gegen Bochum zudem die Mitteilung zu entlocken: „Ja, Florian ist dabei für Mittwoch.“

Konter vom Feinsten

Eine frohe Botschaft für alle Sympathisanten der Leverkusener – die im Borussia-Park mit einer klaren Strategie zum Erfolg kamen: Nach einer Viertelstunde kontrollierten Abwartens rollten in regelmäßigen Abständen blitzschnelle Angriffe der Gäste auf die Defensive der Fohlenelf zu. Ein fußballerisches Überfallkommando, bei dem der flinke Franzose Amine Adli nicht nur wegen seines Treffers zum 2:0, als er den Schweizer Nationalverteidiger Nico Elvedi im Sprint aussehen ließ wie ein uralter Mann, in die Hauptrolle schlüpfte. Auf der rechten Abwehrseite verwirbelte es Stefan Lainer und Kou Itakura die Sinne, wenn Adli mal wieder zu einem seiner Sprints oder Dribblings ansetzte. „Wenn wir die Gegner so bespielen können, dass sie Eins-gegen-eins gegen unsere Leute spielen müssen, dann hat jeder Angst in der Bundesliga“, betonte Bayer-Keeper Lukas Hradecky. Während Gladbachs Coach Daniel Farke die Leverkusener als „eine der besten Konter-Mannschaften Deutschlands, wenn nicht sogar Europas“ pries.

Im Duell mit den am Wochenende ebenfalls siegreichen Bochumern bekommt das Express-Ensemble vom Flüsschen Dhünn nun aller Voraussicht nach Zuwachs in der Startelf – durch Florian Wirtz, der in Alonsos Angriffssystem als Scharnier im Zentrum fungieren soll. Beim letzten Test vor dem Liga-Start bereitete er gegen den dänischen Champions-League-Starter Kopenhagen den 1:0-Siegtreffer durch Adli so schon mal mit einem exzellenten Pass vor.

Wiederholungen sind durchaus erwünscht – nicht zuletzt bei Xabi Alonso, der die Qualifikation für die Champions League trotz der aktuell neun Punkte Rückstand noch für machbar hält. Und gerade bei Amine Adli, nach mehreren Verletzungen im Jahr 2022 eine Art Leidensgenosse von Wirtz. „Er kann die Verbindung von Defensive zu Offensive herstellen, er ist ein Game-Changer“, lobt der aus der Normandie stammende Adli den gebürtigen Pulheimer Wirtz – und fügt hinzu: „Er macht es für das ganze Team einfacher.“

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