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Bayer-Boss zählt Seoane an

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Von: Andreas Morbach

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Ob er noch lange die Geschicke in Leverkusen lenken wird? Trainer Gerardo Seoane, angeschlagen. dpa
Ob er noch lange die Geschicke in Leverkusen lenken wird? Trainer Gerardo Seoane, angeschlagen. dpa © Sven Hoppe/dpa

Live im TV erhöht Leverkusens Chef Carro den Druck auf seinen Trainer: „Sind vorbereitet“.

Als Gerardo Seoane vor 15 Monaten seine Arbeit in Leverkusen aufnahm, brachte er unter anderem exzellente Kenntnisse in gleich sechs Sprachen mit an den Rhein. Das perfekte Spanisch etwa, in dem er nach dem letzten Königsklassenmatch gegen Atletico Madrid die Fragen der Journalisten von der Iberischen Halbinsel beantwortete, kommt ihm beim täglichen Umgang mit Bayers südamerikanischen Kickern zugute. Beim anstehenden Champions-League-Spiel, am Dienstag in Porto, kann Seoane nun mit seinem fabelhaften Portugiesisch glänzen. Womöglich verschlägt es ihm im Estadio do Dragao aber auch endgültig die Sprache.

Nach dem fürchterlichen 0:4 zuletzt in München fielen dem Schweizer die Worte jedenfalls schon besonders schwer. „Ich könnte aus dem Fußballkatalog jeden Eintrag aufführen, den die Bayern besser gemacht haben als wir“, seufzte Seoane da bloß. Schließlich hatte er seinen Spielern vor der Reise in den Freistaat die gerade im aktuellen Abstiegskampf elementar wichtigen Tugenden wie Einsatz, Wille und Leidenschaft eingebläut. Um dann in der bajuwarischen Metropole nichts davon serviert zu bekommen.

Die Luft um den 43-Jährigen ist vor dem Auftritt seiner Mannschaft an der portugiesischen Atlantikküste entsprechend extrem dünn geworden. In der Länderspielpause hatten Klub-Boss Fernando Carro und Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes die vertrackte Situation bei Bayer bereits eingehend seziert. Gemeinsam mit dem Trainer – der weiter das Vertrauen ausgesprochen bekam und seinerseits erklärte, er hoffe, „gewisse Punkte“ schnell ändern zu können. Ein Ziel, das Seoane und sein Ensemble in München dann himmelweit verfehlten.

„Beschämendes Gefühl“

„Wir wollen den Turnaround mit ihm schaffen, aber wir sind nicht blauäugig“, deutete Carro im Doppelpass bei „Sport1“ nun an, dass der Geduldsfaden der Verantwortlichen inzwischen zum Zerreißen gespannt ist. „Sie können davon ausgehen, dass wir nicht unvorbereitet sind. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen.“ Klingt nicht gut für Seoane. Er sei Pragmatiker, betonte Carro – und pocht „sehr, sehr, sehr kurzfristig“ auf gute Ergebnisse. Jetzt in der Champions League in Porto. Nach dem jüngsten Sturz auf einen direkten Abstiegsplatz aber vor allem am Samstag im Keller-Duell gegen Aufsteiger Schalke. Wenn der Coach dann noch Seoane heißt.

„Gegen Schalke musst du die drei Punkte holen“, forderte Carro klipp und klar – und verwies auf die hohen Erwartungen des Bayer-Konzerns: „Statistisch gesehen hat keine Mannschaft, die fünf Punkte nach acht Spielen hat, die Champions League erreicht.“

In München machte das Leverkusener Team einen gewaltigen Schritt zurück. „Die Stimmung ist eine Katastrophe. Das Gefühl ist beschämend, auch ein bisschen leer“, zeichnete Robert Andrich ein erschütterndes Bild der aktuellen Lage.

Den Bayern leistete Leverkusens Defensive bei den ersten drei Gegentoren nur Geleitschutz. Keeper und Kapitän Lukas Hradecky fiel erneut durch Unsicherheiten und schwere Patzer auf. Das ist fast schon tragisch beim lustigen Finnen.

Sportchef Rolfes sind der fehlende Mut und die Bereitschaft ein Dorn im Auge, weshalb er den Druck auf seinen Trainer erhöht: „Wir brauchen jetzt kurzfristig Erfolge – und ein anderes Auftreten.“ Klingt wie eine ultimative Botschaft für Gerardo Seoane.

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