Das mit der Maske üben wir noch mal: Karl-Heinz Rummenigge schließt vier Kleine aus der Bundesliga aus – hätte man auch anders lösen können, genauso wie den richtigen Sitz des Mund-Nasen-Schutzes.
+
Das mit der Maske üben wir noch mal: Karl-Heinz Rummenigge schließt vier Kleine aus der Bundesliga aus – hätte man auch anders lösen können, genauso wie den richtigen Sitz des Mund-Nasen-Schutzes.

Kommentar

Bannstrahl der Bayern

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
    schließen

Karl-Heinz Rummenigge schliet die Winzlinge aus Mainz, Augsburg, Bielefeld und Stuttgart aus, wenn es um die Zukunft des deutschen Fußballs geht - souverän ist das nicht. Der Kommentar.

Wenn Zwerge sich mit Riesen anlegen, verlieren meisten die Zwerge. Karl-Heinz Rummenigge hat mit seiner persönlichen Einladung an 14 Erstligisten und das Zweitliga-Mammut Hamburger SV zum Bundesligagipfel am Frankfurter Flughafen die Größenverhältnisse auf seiner Art dokumentiert. Der Bannstrahl des mächtigsten Klubmenschen im Land traf die Winzlinge aus Mainz, Augsburg, Bielefeld und Stuttgart. Das Quartett darf nach dem Willen des großen Kalle am Mittwoch nicht mit über die Zukunft des deutschen Fußballs diskutieren. Motto wie bei Straßenkötern vorm Metzgerladen: „Wir müssen leider draußen bleiben.“

Rummenigge ärgert sich, dass die aufmüpfigen Vier neulich ein Positionspapier an das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga (DFL) herausgeschickt haben, welches eine Geldumverteilung von oben nach unten vorsieht. Offenbar empfindet der Bayernboss das als in dieser Form unakzeptablen Frontalangriff. Dass er mit den Ideen nicht einverstanden ist, sei ihm unbenommen. Zumal Rummenigge ja erstens mehrere Spitzenklubs (Dortmund, Leverkusen, Leipzig) sowie Vereine aus dem gehobenen Mittelfeld (Eintracht Frankfurt) nah an seiner Seite weiß und zweitens in erster Linie den europäischen Spitzenansprüchen des FC Bayern verpflichtet ist und nicht dem Willen von Wichten wie Mainz oder Bielefeld.

Aber es wäre in der Tat souveräner gewesen, auch diejenigen Klubvertreter in ein so bedeutendes Treffen einzubinden (noch dazu dem ersten mit persönlicher Anwesenheit seit mehr als einem halben Jahr), die besonders unbequem sind. Ausgrenzung ist keine gute Idee in diesem Zusammenhang. Stattdessen setzt Rummenigge auf Muskelspiel und Machtdemonstration.

Öffentliche Kritik an dem Vorgehen des topvernetzten Bayern hat ebenso mutig wie gut begründet Werder Bremens Sportchef Frank Baumann geäußert. Baumann sagte gerade heraus: „Angesichts der Themen, die dort besprochen werden, und im Sinne der Solidarität innerhalb der Liga hätten wir uns gewünscht, dass alle Bundesligisten eingeladen werden und man niemanden ausschließt.“ Auch nicht die Schmuddelkinder aus den Problemvierteln Mainz, Bielefeld, Stuttgart und Augsburg.

Es ist nämlich gerade wirklich nicht die Zeit für Kleinkrieg in dieser tiefsten Krise der Menschheit in diesem Jahrhundert, die mithin auch zur tiefsten Krise des Profifußballs geworden ist. Alle Vereine, auch die gut situierten Münchner, leiden ja erheblich unter den Folgen der Corona-Pandemie, manche gar existenziell. Viele kratzen gerade das letzte Geld aus der Kleingeldbörse und sorgen sich um Liquidität und Arbeitsplätze. Vor diesem Hintergrund erscheint es geradezu jämmerlich, nicht jeden klugen Kopf mit ins Boot zu holen und so auch nach außen hin zumindest den Willen erkennen zu lassen, die ungelösten Zielkonflikte wenigstens offen gemeinsam zu besprechen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare