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Banges Wochenende

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Von: Frank Hellmann

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Niclas Füllkrug
Niclas Füllkrug © dpa

Hansi Flick hofft inständig, dass am letzten Spieltag vor der WM nichts mehr passiert.

Eine gewisse Standfestigkeit ist als Mittelstürmer zwingend erforderlich. Erst recht, wenn die Karriere durch drei Knorpelschäden und einen Kreuzbandriss geprägt ist wie im Falle Niclas Füllkrug. So einen wirft so schnell nichts mehr um. Erst recht nicht die Schubser tanzender Mitspieler des SV Werder, die am Donnerstag bei Verkündigung des deutschen WM-Aufgebots völlig aus dem Häuschen gerieten.

Waren die Namen von Karim Adeyemi und Julian Brandt noch von despektierlichen Zwischentönen untermalt worden, schrie die Bremer Kabine bei Füllkrugs Aufnahme in die Katar-Reisegruppe wild durcheinander. Und plötzlich wackelten die Bilder – nicht aber das Knie eines Angreifers, der mit 29 Jahren zum stürmenden Hoffnungsträger der Nation aufgestiegen ist.

Füllkrug muss nur noch das Bundesligaspiel gegen RB Leipzig im Weserstadion (Samstag 15.30 Uhr) heil überstehen, dann steigt er am Montag in den Flieger mit der deutschen Nationalmannschaft nach Oman. Es ist ein Bundesliga-Wochenende, an dem Bundestrainer Hansi Flick ausnahmsweise einmal kein Stadion mehr besucht.

Der 57-Jährige hat schließlich genug gesehen. Das Einzige, was der oberste Fußballlehrer jetzt noch erwartet: dass sich niemand mehr verletzt. Es reicht, dass Timo Werner, Marco Reus, Florian Wirtz und Lukas Nmecha den Trip in die Wüste verletzungsbedingt verpassen.

Es hätte für den vierfachen Weltmeister aber schlimmer kommen können: Titelträger Frankreich ist mit Paul Pogba und N’Golo Kanté das Herzstück seines bei der WM 2018 so kraftvollen Mittelfelds herausgerissen worden. Dass die mitten in die Saison verpflanzte WM einem Drahtseilakt gleicht, weil selbst ein Muskelfaserriss jetzt gleichbedeutend mit einer Absage wäre, versteht sich einerseits von selbst. Anderseits hat auch eine WM-Vorbereitung ihre Tücken: Da sei nur an Pechvogel Reus erinnert, der am 6. Juni 2014, einen Tag vor dem Abflug zur WM nach Brasilien, einen Syndesmosebandriss erlitt.

20 deutsche Spieler sind in der Bundesliga gefordert, dazu Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (FC Chelsea), Thilo Kehrer (West Ham United) und Armel Bella Kotchap (FC Southampton) in der Premier League. Nur die in Spanien angestellten Marc-André ter Stegen (FC Barcelona) und Antonio Rüdiger (Real Madrid) haben bereits frei.

Am Sonntagabend trifft sich der DFB-Tross im Airport Hotel am Frankfurter Flughafen. Nächsten Mittwoch fliegt die Karawane dann von Masket nach Doha. Nach Ankunft im Zulal Wellness Ressort als deutschem Teamquartier in Katar will Flick erstmal „runterfahren“. Die Zwischenstation in Oman wurde ja ausgewählt, um „Temperaturen und Tageszeiten“ anzunehmen.

Wie so viele Fußballlehrer ist auch Flick der Meinung, dass die Belastungsgrenze längst erreicht ist. „Wir müssen gucken, dass wir das Rad nicht überdrehen, dass die Spieler nicht zu sehr in die Mühle geraten. Es kann nicht noch mehr werden.“

Vor allem für den Kopf ist der letzte Einsatz im Vereinsdress vor WM-Start gar nicht so einfach. Nationalspieler Leon Goretzka berichtete von Gesprächen aus der Kabine des FC Bayern und einer „klaren Ansage“ von Trainer Julian Nagelsmann. Irgendwie zu versuchen, Verletzungen in dieser Phase auf dem Rasen zu vermeiden, sei die falsche Herangehensweise.

Deshalb versprach Goretzka auch fürs Topspiel des Rekordmeisters bei seinem Ex-Verein FC Schalke 04 (Samstag, 18.30 Uhr) vollen Einsatz: „Meistens passiert was, wenn du nicht voll und ganz reingehst. Dementsprechend hauen wir uns in jeden Zweikampf rein.“ mit dpa/sid

Fußball: Nationalmannschaft. Bundestrainer Hansi Flick gibt den Kader für die WM in Katar bekannt. +++ dpa-Bildfunk +++
Fußball: Nationalmannschaft. Bundestrainer Hansi Flick gibt den Kader für die WM in Katar bekannt. +++ dpa-Bildfunk +++ © picture alliance/dpa

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